Guyana
Songinterpretation
Der Song Guayana auf dem Album "Sign Of The Hammer" gehört zu den wenigen Liedern in denen Manowar aktuelle
Themen behandeln.
Grund genug sich dieses Themas anzunehmen und herauszufinden wie der Song darauf eingeht.
Die erste Strophe beschreibt Reverend Jim Jones Anweisung, das Gift zu trinken.
Kool-Aid ist eine Softdrink-Marke in den USA mit der das Gift verabreicht wurde. Aid bedeutet aber auch
Hilfe bzw. Arznei, was deutlich macht, weshalb diese Menschen freiwillig Gift tranken: für sie war es nicht
wirklich todbringend, sondern einfach nur ein Hilfsmittel, um diese grausame Welt zu verlassen
("We're glad to leave behind their world of sin"), also ein Opfer zu bringen, um etwas "Höheres" zu erreichen
("fall on holy ground / sacrificial mound").
Sign Of The Hammer
Die zweite Strophe beginnt mit einem leichten Zweifel an Jones, ausgedrückt in der Frage,
ob er Gott oder ein Mann in einem Spiel sei. Doch die Zustimmung und Verehrung durch seine Anhänger gaben
ihm die Macht über diese zu bestimmen ("He took our applause & forced us to stay"). Seine Anhänger werden
sterben wie sie gelebt haben: auf seinen Befehl. Anders gesagt, Jones hat
ihr Leben bestimmt, also konnte er auch ihren Tod bestimmen.
Über den Refrain ist nicht viel zu sagen. Eigentlich macht Manowar hier durch den Hinweis auf Guyana nur
deutlich, um welche Sekte es geht. Der Begriff "final stand" sei noch kurz erklärt: wörtlich eigentlich
"Der letzte Kampf", bedeutet dies nur im übertragenden Sinne wirklich einen Kampf, nämlich den Kampf
mit dem Tod (vgl. hierzu auch die wunderbare Savatage-Ballade "Believe").
Die dritte Strophe ist ein Rückblick. Jim Jones hatte ein Arbeitslager gegründet, indem
er seine Anhänger ausbeutete. Der Massenselbstmord war das Ende einer Kettenreaktion, die ausgelöst wurde,
durch den Willen einiger, Jim Jones' Macht zu entkommen, die aber zu große Angst vor Jones hatten, um sich
gegen ihn aufzulehnen. Hilfe erhofften sie sich durch einen US-Senator, der diesen auch helfen wollte und
deswegen von Jones' Handlangern erschossen wurde. Die USA würden diese Mord nicht durchgehen lassen, das
wußte Jones, also initiierte er den Selbstmord mit dem Versprechen, daß auf der "Anderen Seite" alles
"gut wird ("...we'll meet again on the other side").
Die letzte Strophe behandet die Situation der Kinder in diesem Lager. Wenn die Kinder
in Jonestown etwas Schlechtes gemacht hatten, wurden sie als Strafe in einen Brunnen getaucht und mussten,
wenn man sie wieder rausholte "Sorry Father" oder etwas ähnliches schreien. Wenn sie es jedoch nicht laut
genug schrien, wurden sie nochmal eingetaucht. Das wurde dann, so oft es nötig war, wiederholt. Der Mann,
der diese Strafe ausführte, war ein großer Schwarzer. Man nannte ihn Bigfoot.
Das Lied endet (ohne Fade-Out oder Outro) mit Eric Adams Stimme, die zweimal "Mother"
schreit. Das soll wohl die Schreie der Kinder darstellen, die versuchten sich dem Selbstmord zu verweigern
und für die meisten der Sektenanhänger waren es wohl diese Schreie, die sie zuletzt hörten. Deswegen endet
dieses Lied dann auch so "plötzlich". Eine weitere Interpretationsmöglichkeit für das "Mother" am Ende des
Songs ist Tatsache, dass Reverend Jim über eben diese seine Geschichten erzählte, während die Leute um ihn
herum starben.
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Massen-(Selbst)-Mord
Vorgeschichte
Jim Jones eröffnete 1956 in Indianapolis eine Kirche und nannte diese
"Tempel des Volkes". 1965 verlegte er diese nach Kalifornien, zunächst in einen kleinen Ort, 1970 nach
San Francisco. 1976 beschaffte er Publikum für eine Wahkampfveranstaltung von Rosalynn Carter. Deren
Mann Jimmy Carter wurde US-Präsident, Jim Jones durfte an der Vereidigung teilnehmen, Rosalynn Carter
schickte ihm einen Dankesbrief aus dem Weissen Haus (Bild rechts, aus dem Buch von Kilduff).
Pressebericht
1977 behauptete
eine Gruppe seiner ehemaligen Anhänger, er sei ein Betrüger, der die Auswirkungen seiner Drogenabhängigkeit
hinter einer Sonnebrille verberge und Frauen in seiner Sekte sexuell missbrauche. Kinder würden massiv
misshandelt. Er habe ein Reich aus Geld, Immobilien und Waffen aufgebaut.
Seit 1973 wurde eine Kolonie im Urwald von Guyana aufgebaut und nach Jim Jones als
Jonestown benannt. In San Francisco wuchs die Presse-Kritik. Ende 1977 zog Jones mit der Mehrheit seiner
Anhänger heimlich nach Guyana. Angehörige schlugen Alarm. Besucher aus den USA lieferten erschreckende
Berichte. Wöchentlich wurde eine "Weisse Nacht" exerziert. Jones behauptete, ein Angriff von Söldnern stünde
bevor, Folter sei gewiss. Einziger Ausweg sei der gemeinsame Selbstmord. Alle tranken eine rote Flüssigkeit.
Die ritualisierte Treueprobe wurde Alltag.
Ehemalige und Angehörige wandten sich an den Kongress-Abgeordneten Leo Ryan. Im Kongress
war er mit der Moon-Sekte befasst, ein Mitglied seiner eigenen Familie hatte sich einer Sekte angeschlossen.
In seinem Wahlkreis wohnte die Familie des Zeitungskönigs Hearst, dessen Tochter und Erbin Patricia Hearst
von einer Polit-Sekte entführt wurde, sich mit ihren Entführern an einem Bankraub beteiligte und deren
Verhalten mit Gehirnwäsche erklärt wurde. Ryan kannte also die Problematik. Ryan führte zahlreiche Gespräche
mit Betroffenen und entschloss sich schliesslich, sich selbst in Guyana einen Eindruck zu verschaffen.
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Betroffene haben gewarnt
Angehörige hatten schon lange vorher auf die Gefahren aufmerksam gemacht und den
US-Aussenminiser zum Handeln aufgefordert, "bevor es zu spät ist". Sie hatten eidesstattliche
Versicherungen beigefügt, aus denen hervorging, daß Jones Abtrünnigen mit Ermordung gedroht hatte und daß
er seinen solchermaßen längst unter totalitärem Zwang stehenden Anhängern angekündigt hatte, dass
"wir bereit sind, für unsere Sache zu sterben".
Die Punkte einer solchen Versicherung:
1. Ich war vom 1. April 1977 bis zum 29. Juni 1977 in Guyana, Südamerika, als ein Mitglied
des Volkstempels. Rev. James Warren Jones («Jim Jones»), der Führer des Volkstempels, war den größten Teil
des Monats April und Ende Juni in Guyana. In dieser Zeit war ich Zeugin folgender Aussagen und Praktiken:
Jim Jones
2. Jim Jones sagte, die Vereinigten Staaten seien die «bösartigste» Nation der Welt,
wobei er von ihren politischen und industriellen Führern als von «Kapitalistenschweinen» sprach. Er sagte,
er möchte lieber seine Leute tot sehen, als lebend in den Vereinigten Staaten.
3. Am Anfang sagte Jim Jones, die Leute kämen nur für eine begrenzte Zeit nach Guyana.
Im Juni jedoch hieß es, die Leute, die er aus den Vereinigten Staaten herbringe, würden in Guyana
"verbleiben".
4. Jim Jones verbot jedermann, Jonestown zu verlassen. Er wollte Wachen um Jonestown
aufstellen, um eine Flucht zu verunmöglichen. Er drohte, er besitze Waffen, und würde jeden, der abzuhauen
versuche, töten und seinen Leichnam im Dschungel liegen lassen; und niemand werde etwas davon wissen.
Er sagte auch: "Ich kann einen Schützen für fünfzig Dollar dingen. Es ist für mich kein Problem, gedungene
Schützen zu kriegen."
5. Noch in den Vereinigten Staaten hatte Jim Jones die Tempel-Mitglieder aufgefordert,
ihm alle Waffen auszuhändigen. Ich sah auch, wie Munition in Kisten verpackt und an den Volkstempel in
San Francisco adressiert wurden. Ich hörte Jim Jones sagen: "Wenn jemand versucht, uns zu bedrohen, sind
wir bereit, für unsere Sache zu sterben."
6. Nach Berichten von Jim Jones würden die Schwarzen und ihre Sympathisanten in den
Vereinigten Staaten ausgerottet werden. "Der Ku-Klux-Klan wütet in den Straßen von San Francisco,
Los Angeles und den Städten des Ostens. Es gibt Straßenkämpfe und eine so schlimme Dürre in Kalifornien,
daß Los Angeles von der Bevölkerung verlassen worden ist.»
7. Jim Jones verlangte, daß ihm jedermann seinen Paß und alles Geld aushändige, daß
niemand Einheimische in Guyana besuche ohne besonderen "Auftrag" und ohne Begleitung anderer Tempelmitglieder
daß niemand an Verwandte telefoniere, und daß niemand irgendwelche Post in die Vereinigten Staaten schicken
dürfe, bevor sie "geklärt" sei. Alle eingehende Post wurde zuerst von Tempel-Sekretären gelesen, bevor der
Empfänger sie zu sehen bekam.
8. Jim Jones erklärte: "Ich will meinen Leib für diese Sache hingeben." Er bat seine
Anhänger, das gleiche Versprechen abzulegen. Sie bezeugten dies durch Handaufheben. Jones verlangte von
ihnen, jedermann zu töten, der ihm zu schädigen trachte.
9. Jim Jones befahl uns, alle Familienbande zu lösen. Unsere höchste und einzige
Verpflichtung solle "der Sache" gelten, und der einzige Grund, um mit unseren Familien Kontakt
aufrechtzuerhalten, sei das hoffentlich bald zu erwartende Erbe. Wir sollten sie beschwichtigen, "damit sie
der Sache keinen Schaden zu fügen."
10. Jim Jones befahl, daß wir uns gegenseitig zu bespitzeln hätten, um «Verrat» zu
verhindern. Seine Methode bestand darin, daß man ihm (oder seinen zwei oder drei engsten Vertrauten)
jegliches verdächtige Reden oder Handeln berichten mußte.
11. Jim Jones ließ solche, die seine Regeln mißachteten, bestrafen. Das bedeutete Essens-
und Schlafentzug, harte Arbeit und das Kauen von südamerikanischen Pfefferschoten. Ich sah wie ein Teenager,
Tommy Bogue, gezwungen wurde, bei einer öffentlichen Zusammenkunft scharfe Pfefferschoten zu essen.
Jones bei Predigt
12. So weit ich informiert bin, hat es nur noch einer (Leon Broseheard) von 850 oder mehr
Bewohnern gewagt, Jonestown zu verlassen, seit meine Mutter, mein Mann und ich am 29. Juni 1977 wegzogen.
Bevor mir Jim Jones die Erlaubnis erteilte wegzugehen, wurde ich zum Versprechen gezwungen, nie etwas gegen
den Volkstempel zu sagen. Wenn ich es aber täte, würde ich seinen "Schutz" verlieren und "erdolcht" werden.
Zudem verlangte Jim Jones, daß ich einige Selbstbeschuldigungen unterschrieb; u.a. eine Aussage, daß ich eine
Gegnerin der Regierung Guyanas sei, und eine Verschwörung gegen diese Regierung geplant hätte. Ich mußte
bestätigen, daß ich zur PPP (Peoples Progressiv Party Fortschrittliche Volkspartei) gehöre, welches die
Oppositionspartei in Guyana ist, und daß ich nach Guyana gekommen sei, um die PPP zu unterstützen. Jim Jones
forderte die Unterzeichnung dieser Papiere, um mich in Mißkredit zu bringen, wenn ich die Bewegung verlassen
und "plaudern" würde. Zudem mußte ich, bevor ich Guyana verlassen durfte, eine Geschichte erfinden. Ich
unterschrieb, daß ich jemanden umgebracht und den Leichnam in den Ozean geworfen hätte. Jones drohte, er
würde diese Aussage sofort der Polizei überweisen, wenn ich ihm je Schwierigkeiten verursachen sollte.
Er ließ mich und andere in der Gemeinschaft auch wissen, daß er Verbindungen zur Mafia habe, die ihn
unterstützen würde.
13. Ich hörte, wie er zu seinen Anhängern in Guyana sagte, Marshall Kilduff, der den
ersten enthüllenden Artikel über ihn schrieb, sei tot. Er erwähnte: "Die Engel haben mit ihm abgerechnet."
Wir alle wußten, daß die "Engel" seine Leute waren, mit denen man es zu tun bekam, wenn man Jim Jones in die
Quere kam.
14. Jim Jones ordnete an, daß alle Telefongespräche mit Verwandten in den Vereinigten
Staaten in Gegenwart von Tempel-Mitgliedern und nach genauen Anweisungen zu geschehen hätten. Als meine
Mutter ihren Bruder in den Vereinigten Staaten anrief, um ihn zu bitten, seine Kritik am Volkstempel zu
unterlassen, stand Jim Jones neben ihr und schrieb ihr alles vor, was sie zu sagen hatte. Nachher rügte er
sie, weil sie sich nicht scharf genug ausgedrückt hätte. Er befahl uns, den Verwandten in den Vereinigten
Staaten mitzuteilen, sie sollen aufhören, ihn zu kritisieren, ansonsten würden wir nicht mehr heimkehren.
15. Wiederholt war ich in der versammelten Gemeinde anwesend, als er sagte: "Ich bin Gott",
und "es gibt keinen anderen Gott. Religion ist das Opium des Volkes." Er sagte, die Religion diene ihm nur
dazu, die Massen zu erreichen.
16. Ich erinnere mich, wie Jim Jones wiederholt behauptete, er könne Kritiker oder
Abtrünnige zum Schweigen bringen, indem er sie der Homosexualität, der Kindesmißhandlung, des Terrorismus
oder sexueller Perversionen beschuldige.
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Kinder in der Siedlung
Die Kinder waren in der Siedlung der Volkstempel-Sekte vielfach wie Sklaven gehalten
worden, getrennt von den Eltern, die sie gegen Belohnung ausspionieren mußten. Kinder über 6 Jahre mußten
11 Stunden täglich hart körperlich arbeiten, bei Temperaturen bis zu 40 Grad. Kinder wurden zur Strafe in
einen dunklen Brunnen geworfen, nachdem man ihnen gesagt hatte, daß unten Schlangen auf sie warteten. Sie
wurden in Holzkisten gesperrt, 1,80 mal 0,90 mal 1,20 Meter klein. Bei öffentlichen körperlich Züchtigungen
wurden ihnen Zähne ausgeschlagen. Sektengründer Jim Jones sah zu. Kindern wurden Elektroden an den Armen
befestigt, sie wurden mit elektrischen Stromschlägen traktiert. Zwei Sechsjährigen, die versucht hatten,
wegzulaufen, waren Ketten und Eisenkugeln an die Fußgelenke geschmiedet worden. Kinder wurden sexuell
mißbraucht, auch von Jim Jones selbst
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Jim Jones
Familie und Kindheit
Jim Jones wuchs als Einzelkind in sehr ärmlichen Verhältnissen im Bauerndorf Lynn auf.
Sein Vater war James Thurman Jones, ein Kriegsinvalide, der im Ersten Weltkrieg aufgrund eines
Senfgasangriffes ein schweres Lungenleiden davontrug, welches ihn lebenslang arbeitsunfähig machte.
Später trat er dem Ku-Klux-Klan bei. Die Mutter Lynetta war Fabrik- und Gelegenheitsarbeiterin, die sich
und ihre Familie von der kleinstädtischen Gemeinschaft abschottete. Prägend für sie war ein angeblicher
Traum, in welchem ihre verstorbene Mutter prophezeite, dass sie einen Sohn gebären würde, der alles Unrecht
der Welt zurechtrücken würde. Nach der Geburt ihres Sohnes ist sie überzeugt davon, dass er ein Messias
sein würde. Die übersteigerte Idealisierung durch seine Mutter und gleichzeitige Vernachlässigung durch
beide Elternteile war für Jim Jones gesamte Kindheit prägend und ein wichtiges Fundament für seine
Persönlichkeitsbildung.
Selbstmord
Nach einem Beinahe-Unglück mit einem Zug nimmt ihn eine Nachbarin, Myrtle Kennedy, unter
ihre Fittiche. Neben ihrer Funktion als Ersatzmutter wird Jim von ihr aber auch in den fundamentalistischen
Glauben der Kirche der Nazarener (Church of the Nazarene) eingeführt. Erstmals erfährt er hier nun
gefühlsmäßige Zuwendung durch Myrtle Kennedy, gepaart mit den Glaubensvorstellungen, mit denen er im
Gottesdienst und der Sonntagsschule konfrontiert wird, was für ihn eine klare Ordnung und Orientierung
für sein bisheriges weitgehend unstrukturiertes und deshalb verwirrendes Leben bringt. Er zeigt durch seine
kirchlichen Aktivitäten eine frühe Neigung zum Predigen, blieb aber trotz der rhetorischen Fähigkeit seine
Zuhörer in seinen Bann zu ziehen im Grunde immer ein Einzelgänger. Später fand Jim Jones seine Heimat bei der
Pfingstbewegung, eine christliche Strömung, die sich insbesondere auf das Wirken des Heiligen Geistes beruft.
Anfang der 1950er Jahre wurde es aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen.
Anfang der 1940er-Jahre trennten sich seine Eltern und Jim zieht mit seiner Mutter und
ihrem neuen Lebensgefährten in die nahegelegene Stadt Richmond. Einige Jahre später stirbt sein Vater
vereinsamt in einem Hotelzimmer. Bereits während seiner Oberschuljahre Ende der 1940er Jahre beginnt Jim
Jones sich in ausdrücklicher Abgrenzung gegenüber seinem Vater (Ku-Klux-Klan-Mitglied) für Rassengleichheit
einzusetzen. Eine Universitätsausbildung bricht er nach kurzer Zeit ab und beginnt eine Tätigkeit als
Pfleger in dem Krankenhaus, in dem er schon früher gearbeitet hatte. Dort lernt er Marceline Baldwin, eine
vier Jahre ältere Krankenschwester, kennen. Er heiratet sie nach kurzer Zeit 1949. Ein Zimmernachbar
bezeichnet Marceline als eine Art Mutterfigur für Jim. In dem charismatischen schwarzen Prediger Father
Divine, mit dem er persönliche Kontakte pflegt, sucht sich Jim Jones eine idealisierte Vaterfigur.
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Laufbahn als Prediger und Sektenführer
1950 ziehen Jim Jones und seine Frau nach Indianapolis. Ohne richtig ausgebildet und
geweiht zu sein, übernimmt er dort nur 19jährig eine Pfarrstelle in einer methodistischen Gemeinde. Er
predigt liberale Ansichten über die Bürgerrechte und engagiert sich aktiv für die Rassenintegration. Seine
konservativen kirchlichen Gegner beantworten das mit verbalen und anderen Attacken. Unter anderem werden tote
Tiere in die Kirche geworfen oder in die Toiletten gestopft. Wegen dieser Anfeindungen gründete er am 4.
April 1955 eine Sekte mit dem Namen Wings of Deliverance, die er ab 1956 Gemeinschafts-Einheits-Kirche
(Assembly of God Church) nannte - eine rassisch-integrierte Gemeinde. Ebenfalls 1956 eröffnet Jim Jones sein
eigenes Kirchengebäude, den Tempel des Volkes in Indianapolis. Dahinter stand sein Traum von einer
vollkommenen Harmonie unter den Rassen innerhalb einer utopischen Gemeinschaft, ohne Hass und ohne Gewalt.
Er konstruierte eine höchst eklektische Theologie, die Inhalte der Pfingstbewegung mit christlichen Elementen
und Inspirationen aus so unterschiedlichen Quellen wie Karl Marx, Father Divine, Josef Stalin, Adolf Hitler,
Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Fidel Castro verknüpfte. Mit seinen Verkündigungen, einer Mischung
aus Sozialismus und christlichem Erlösungsglauben spricht Jim Jones vor allem Benachteiligte, Bedürftige und
Desorientierte an und zieht sie in seinen Bann. Seine Anschauungen über Rassenintegration untermauert er
durch die Aufnahme von sieben Adoptivkindern unterschiedlicher Rassen in seine eigene Familie. Wegen seiner
Gesichtszüge und vor allem seiner rabenschwarzen Haare entwickelt er später auch den Mythos, dass seine
Mutter eine Indianerin gewesen sei. So sei ihm die Rassenintegration gleichsam in die Wiege gelegt worden.
In einer rassistischen Gesellschaft - welche in 1960er Jahren vor allem in den USA real existierte - war
leicht möglich, durch ein offensives Eintreten für Rassengleichheit Feindseligkeiten von Gegnern zu
provozieren.
Erst 1964 macht Jim Jones seinen Bakkalaureus und wird offiziell zum Pfarrer der
Methodistischen Christlichen Kirche geweiht. Seine Selbstidealisierung wuchs in dieser Zeit immer stärker
und er erwartete nun, von jedermann geliebt zu werden. Hinzu kommt bei ihm ein zunehmender Anspruch auf
Allwissenheit und absolute Loyalität seiner Anhänger. 1961 wird er vom Bürgermeister von Indianapolis zum
Leiter der dortigen Menschenrechtskommission ernannt. Die aggressiven Angriffe von Befürwortern der
Rassendiskriminierung gegen ihn und seine Familie verstärken sich. In dieser Zeit entwickelt er eine Vision
einer unmittelbar bevorstehenden atomaren Katastrophe. Anlässlich eines längeren Aufenthalts in Südamerika,
um dort seine Familie vor der von ihm vorhergesehenen Atomkatastrophe in Sicherheit zu bringen, hält sich
Jim Jones 1963 erstmalig auch kurz in Guayana auf.
Regenbogenfamilie
1963 nennt Jim Jones seine Kirche um in Volkstempel - Das ganze Evangelium (Peoples Temple
Full Gospel Church) und unternimmt in der Folgezeit Erweckungsreisen in den USA, auf denen er auch zunehmend
seine angebliche Fähigkeit zum Gesundbeten praktiziert. 1965 zieht er mit etwa 150 treuen Jüngern, darunter
viele Schwarze, auf eine Farm in dem angeblich atombombensicheren Ort Redwood Valley, 200 km nördlich von
San Francisco. Innerhalb kurzer Zeit wächst seine Anhängerzahl auf das Doppelte. Durch diverse soziale
Aktivitäten gewinnt Jim Jones in der Lokalpolitik dermaßen an Einfluss, dass er 1967 zum Mitglied und
Sprecher des Bezirksschwurgerichts (County Grand Jury) berufen wird. Ende der 1960er Jahre wird seine
Anhängerschaft auf bis zu 400 Personen geschätzt. Seine Jünger rekrutieren sich überwiegend aus Outcasts
der Gesellschaft, Unzufriedenen, Entwurzelten, Versehrten und Idealisten - also aus Menschen, denen er
aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte nahesteht. Seine Gedanken und Reden kreisen zunehmend mehr um das
Thema Sexualität. Jim Jones betätigt sich in seiner Gemeinschaft nicht nur heterosexuell und homosexuell,
nicht nur promiskuitiv, sondern man könnte gewissermaßen von einer pansexuellen Orientierung sprechen.
Er war seit Anfang der 50er Jahre Prediger, wurde aber aus der Pfingstbewegung
ausgeschlossen und gründete am 4. April 1955 eine Sekte mit dem Namen Wings of Deliverance, die er ein Jahr
darauf umtaufte in The People's Temple Full Gospel Church (Volkstempel). 1960 schloss sich die Bewegung der
Christian Church (Disciples of Christ) an. Die Sekte führte zunächst jahrelang ein weitgehend unscheinbares
Dasein innerhalb der für die USA typischen Vielfalt christlicher Gruppen und erlangte lediglich dadurch
Aufmerksamkeit, dass sie in einer durch Rassentrennung geprägten Gesellschaft offen sowohl für schwarze als
auch weiße Gläubige war. Die inzwischen The Peoples Temple Christian Church genannte Bewegung wandelte sich
aber offenbar nach und nach in eine persönliche Diktatur Jones, der das Zentrum des Kults 1967 von Indiana
nach Ukiah (Kalifornien) und 1971 nach San Francisco verlegte, wohl, um Nachforschungen zu entgehen, die
dem Verdacht nachspüren wollten, er veruntreue Gelder der Sektenmitglieder für persönliche Zwecke.
Auch predigte er seinen Mitgliedern das Weltende durch einen Atomkrieg und glaubte, in Kalifornien sicherer
zu sein. Die Gemeinde baute eine Kirche und mehrere Verwaltungsgebäude.
Jim Jones heiratete Marceline und hatte mehrere leibliche und adoptierte Kinder; es gab
von Kritikern der Bewegung Concerned Relatives den Vorwurf, Jones verführe weibliche Sektenmitglieder und
er habe mehrere von ihnen geschwängert. In San Francisco gewann die Sekte nicht zuletzt dadurch Zulauf, dass
sie in ihrem Zentrum im Fillmore-Bezirk, einem Ghetto der Stadt, kostenlose Gesundheitstests und
Kinderbetreuung anbot. Am 13. Dezember 1973 wurde er in Los Angeles inhaftiert, weil er einen
Undercover-Agenten der Polizei zu homosexuellen Handlungen in einem Park der Stadt verleiten wollte.
Im Sommer 1977 wich Jones mit seiner Gemeinde schließlich in den Nordwesten Guyanas aus,
wo er bereits 1974 von der guyanischen Regierung 16 Quadratkilometer Land gepachtet hatte. Dort gründete er
mit seinen Anhängern Jonestown, das Jones seinen fast tausend Leuten (darunter 250 Kinder) als das Gelobte
Land präsentierte. Die Stadt war eine hermetisch abgeschlossene Gemeinde, allerdings gelang 13 Anhängern,
darunter Jones' rechter Hand, Tim Stoen - die Flucht. Sie berichteten über die Sekte und deren totalitäre
Praktiken der Gehirnwäsche. Daraufhin wurde das Mitglied des US-Kongresses, Leo J. Ryan, beauftragt, die
Sache vor Ort zu untersuchen. Er, drei Reporter und ein Sektenmitglied wurden von Sektenmitgliedern im nahen
Port Kaituma ermordet, als sie von dort nach einem Besuch in Jonestown in die USA zurückfliegen wollten;
zwölf weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Am selben Tag, dem 18. November 1978, starben in
Jonestown die 909 Sektenmitglieder: Zum Teil begingen sie Selbstmord, indem sie ein mit Zyankali versetztes
Getränk zu sich nahmen; ein solcher Fall wurde vorher mehrfach geprobt. Mitglieder wurden auch zum Trinken
gezwungen, einige starben auch an Schusswunden. 276 Kinder wurden in den Tod getrieben oder getötet.
Eine Sektenanhängerin, die sich in Guyanas Hauptstadt Georgetown befand, tötete auf die Nachricht des
Massakers hin ihre drei Kinder und sich selbst. Jones selbst wurde in Jonestown mit einer Kugel im Kopf
aufgefunden.
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Das Land Guyana
Guyana ist ein Staat in Südamerika und ist Mitglied des Commonwealth und der CARICOM.
Er grenzt an Brasilien, Venezuela und Suriname sowie an den Atlantik.
Geografie
Guyana liegt zwischen 2° und 8° nördlicher Breite und zwischen 57° und 61° westlicher
Länge. Der tiefste Punkt befindet sich an der Atlantik-Küste, höchster Punkt ist der Berg Roraima mit
2.835 m. An der Grenze zu Venezuela und Brasilien erhebt sich das Guayana-Gebirge, nach dem der Staat
benannt wurde. Der Hauptfluss ist der Essequibo, der im Süden des Landes entspringt und im Norden in den
Atlantik mündet. Der Nationalpark Potaro besticht durch seine Wasserfälle, u. a. die 225 m hohen
Kaieteurfälle.
Wappen Guyanas
Die Bevölkerung konzentriert sich an der karibischen Küste; große Teile des Binnenlandes
sind sehr dünn besiedelter Regenwald.
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Städte
Die beiden größten Städte in Guyana waren bei der letzten Volkszählung am 15. September
2002 die Hauptstadt Georgetown mit einer Einwohnerzahl von 34.179 und Linden mit einer Bevölkerung von
29.572. Während sich die Einwohnerzahl von Georgetown seit der Volkszählung 1970 von 63.184 bis 2002 fast
halbiert hat, stieg sie in Linden von 23.956 um 5.616 Einwohner.
Die Agglomeration Georgetown hatte bei der Volkszählung 1991 noch 151.679 Einwohner,
im Jahre 2002 waren es nur noch 137.330. Damit konzentrieren sich rund 20 Prozent der Menschen des Landes
in der Hauptstadtregion.
Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Georgetown 32.563 Einwohner, Linden
29.521 Einwohner, New Amsterdam 17.526 Einwohner und Corriverton 13.079 Einwohner.
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Bevölkerung
Mit 51 % (43,4 % Census 2002) bilden die Inder die Mehrheit der Bevölkerung. Kreolen-
oder Afro-Guyaner sind mit schätzungsweise 30 % (30,2 % Census 2002), Mischlinge mit 12 % (16,7 % Census
2002), indigene Völker- oder Einheimische mit 9,2 %, Europäer mit 0,3 % und Chinesen mit 0,2 % (Census 2002)
vertreten.
Auch wenn die absolute Mehrheit die Inder beanspruchen, ist das Christentum mit 50
Prozent die mehrheitliche Volksreligion (ca. Katholiken, Anglikaner, andere Protestanten). Der Hinduismus
mit 33 % , der Islam mit 9 % und die Bahai mit 7 % sind weit verbreitet.
Umgangssprachen ist vor allem ein teilweise kreolisiertes Englisch, daneben Hindi und
andere neuindische Sprachen sowie Indianersprachen.
Die Besiedlung beschränkt sich weitgehend auf den Küstenraum. Im Hochland sind einzelne
Indianerstämme angesiedelt.
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Geschichte
Im 17. Jahrhundert wurden mehrere britische und niederländische Niederlassungen gegründet.
Erst 1831 wurde das Land als Britisch-Guayana zur Kronkolonie, nachdem sich die Niederlande und
Großbritannien mehrfach Machtwechsel geliefert hatten.
Eine vom 6. bis 31. März 1960 dauernde Konferenz über die Verfassung der britischen
Kolonie endete mit der Gewährung erweiterter Selbstverwaltung. Doch konnten sich die Vertreter
Britisch-Guayanas nicht mit ihrem Wunsch durchsetzen, sofort in die Unabhängigkeit entlassen zu werden.
Sie wurde damals für 1963 in Aussicht gestellt.
Guyana erreichte die Unabhängigkeit von Großbritannien schließlich am 26. Mai 1966 und
wurde am 23. Februar 1970 zur Republik. Die Entwicklung Guyanas wurde durch den Gegensatz zwischen zwei
kommunistischen Parteien, die die Rassenfrage immer wieder auf die Tagesordnung brachten, stark behindert.
1989 startete die Regierung Guyanas ein Wirtschaftsprogramm, welches eine drastische Wende weg von staatlich
kontrollierter Planwirtschaft, hin zu einer freien Marktwirtschaft mit offenen Märkten, bewirkte.
Guyana gehört seit 1998 der Organisation der Islamischen Konferenz an.
Mit Suriname bestehen seit langem Territorialstreitigkeiten, welche am 3. Juni 2000
eskalierten, als surinamische Marinestreitkräfte eine Ölplattform stürmten und die kanadischen Angestellten
vertrieben. Beide Staaten mobilisierten ihre Streitkräfte, der Konflikt wurde durch bilaterale Gespräche in
Georgetown (Trinidad), entschärft.
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Politik
Der Staatspräsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt. Er ist der oberste Inhaber der
Exekutive. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung. Das Rechtswesen orientiert sich am britischen
Vorbild.
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Wirtschaft
Guyana lebt hauptsächlich vom Bergbau. Abgebaut wird Bauxit, wovon Guyana eines der
weltgrößten Vorkommen besitzt.
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Menschenrechte
Amnesty International hat das Land in seinen jährlichen Menschenrechtsberichten
angemahnt. Vor allem die lebenslangen Haftstrafen für Schwule und Lesben, sowie häufig auch deren
Missbrauch von staatlicher Seite.
Das Parlament hält jedoch an dem Gesetz fest und denkt aber zugleich über ein
Antidiskriminierungsgesetz nach, das u. a. vor Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Identität schützen
soll.
Sektenmitglied
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Währung
Der Guyana-Dollar wird nach ISO 4217 mit GYD abgekürzt.
Der Guyana-Dollar ist außerhalb des Landes nicht verwertbar und unterliegt einer relativ starken Inflation.
Der kleinste Geldschein hat einen Nennwert von 20 GYD, der größte einen von 1.000 GYD. Der 5.000 GYD Schein
wurde wegen Sicherheitsbedenken nicht gedruckt. Im Oktober 2004 erhielt man für 1 EUR umgerechnet 230,00 GYD.
Kreditkarten werden nur von größeren Geschäften und Banken akzeptiert und dem Konto in US-Dollar belastet.
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Kultur
Der Großteil der Guyaner stammt ursprünglich aus Indien, daher ist die Kultur Guyanas
heute vor allem vom Hinduismus und anderen indischen Traditionen geprägt.
* Nationalfeiertag: 23. Februar, Tag der Republik
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Film
2006 erschien ein Dokumentarfilm der diese Ereignisse aufarbeitet.
Regie: Stanley Nelson
Drehbuch: Marcia Smith
Der Film versucht zu erkunden, was hinter der Sache steckt und wie so viele Menschen in einen kollektiven
Suizid geraten konnten.
Der Film dokumentiert Aufstieg und grausamen Niedergang einer Utopie, einer
charismatischen und tief gestörten Persönlichkeit und eines zeitgeschichtlichen Phänomens. Regisseur Stanley
Nelson gelingt dies anhand noch nie gezeigter Aufnahmen und sehr persönlicher Interviews ehemaliger
Mitglieder und Angehöriger der Opfer des "größtem Massenselbstmordes der Geschichte" im Dschungel von
Guyana.
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