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Bild Informationen
Bandname: Iron Maiden
Titel: A Matter Of Life And Death
Musikstil: NWOBHM (Heavy Metal)
Label:EMI
Homepage:www.ironmaiden.com
Review-Autor:Eichler
Punkte: 9 / 10

Ein neues Werk der britischen NWOBHM-Legende ist, trotzt der zT. kontrovers diskutierten jüngsten Veröffentlichungen, natürlich immer ein Ereignis für sich. Also bin ich am Erscheinungstag Punkt halb 9 in den Laden gepilgert und hab mir das Ding aus dem Korb mit den Neuerscheinungen geangelt. Ab in den Discman damit... und ich muss sagen, ich war auf Anhieb schwer begeistert, und bin’s immer noch. Nach dem Reunionalbum, welches als solches in Ordnung ging, und dem schwächeren Dance of Death, welches zwar zwei richtig gute Songs (No More Lies, Pashendale) und die ein oder andere geile Passage (Solo in New Frontier!) hatte, haun die Jungs gegen Ende ihrer Karriere noch mal einen richtigen Hammer raus, mit dem wohl die wenigsten gerechnet hätten. Für mich ist AMOLAD nicht weniger als das beste Album seit Seventh Son, obwohl sich nach anfänglicher Euphorie natürlich auch der ein oder andere Filler herauskristallisiert hat. (Die gab es aber bis jetzt auf jedem Album, vom grandiosen Höhepunkt in der Diskografie, Somewhere In Time, mal abgesehen)

Different World ist endlich mal wieder ein richtig guter Opener geworden, der zwar natürlich in keiner Weise mit Moonchild oder gar Caught Somewhere in Time konkurrieren kann, der aber, im Gegensatz zum Wicker Man (mit seinem spätestens nach dem zehnten Mal nervigen Chorus) und dem Totalausfall Wildest Dreams, einfach mal wieder richtig Spaß macht.
Die nun folgenden Songs sind zwar fast alle nach dem harris’schen Hallowed Be Thy Name / Fear Of The Dark - Muster gestrickt, aber beinahe durchgehend auf einem so hohen Level, dass das nicht weiter stört. These Colours Don't Run ist schon ganz nett, auch wenn die Bridge ein bisschen lebhafter kommen könnte, der erste Höhepunkt folgt dann mit Brighter Than A Thousand Suns. Den Song gab es ja vorab im Netz zu hören, und schon da habe ich ihn geliebt: hier stimmt alles, Text, Melodieführung und ein gigantisch aufgelegter Bruce Dickinson (man höre vor allem die Überleitung, wenn nach dem ruhigen Teil wieder die Rhythmusgitarren dazukommen: "Out of the darkness, brighter THAN a thousand suns", va. dieses „Than“ kommt so herzergreifend geil wie lange nicht mehr) machen diesen Song zu einem Highlight der Scheibe.
Nett, aber wieder relativ unspektakulär geht’s weiter mit "The Pilgrim", aber was dann folgt ist nicht nur das beste Lied der gesamten CD, die ersten 1:30 von "The Longest Day" sind tatsächlich das beste und ergreifenste, was Maiden seit den letzten Tönen von "Only The Good die Young" fabriziert haben: Dieses geniale Riff, dieser gänsehautverursachende Text! Spätestens wenn bei "The Cliffs Erupt in Flames" das Schlagzeug so richtig einsetzt, könnte ich, auch wegen der Thematik, die hier auf grandiose Weise musikalisch umgesetzt wird, jedesmal wieder kaputtgehen.
Mit Out of The Shadows kommt dann leider einer von 2 dicken Schwachpunkten, denn diese unspektakuläre Halbbalade gibt mir nun gar nix. Sorry Bruce, pack so was das nächste mal bitte wieder auf deine Soloplatte, wenn’s denn unbedingt sein muss.
Die erste Single Benjamin Breeg hat mich beim ersten Hören eher enttäuscht, wenn man dem Song jedoch eine Chance gibt, sich zu entfalten, entwickelt er sich sehr schnell zu einem weiteren Highlight: sehr düster, auch durch den coolen Text, und ein richtig, richtig gutes Solo.
Es folgt der Song, an dem sich die Gemüter wohl am meisten scheiden, der Harris-Alleingang For The Greater Good Of God. Finden die einen ihn schlicht langweilig, weil er so 100% vorhersehbar Maiden ist, scheißen die anderen (zu denen gehöre ich) da einfach drauf und nehmen ihn als das was er ist: zwar eine weitere Selbstkopie, aber eine nahezu perfekte. Zumindest für mich steht er damit auf einer Stufe mit dem mittlerweile ziemlich totgenudelten Fear Of The Dark.
Lord of Light ist dann ein weiterer kleiner Tiefpunkt, der zwar am Anfang noch durch gelungene Instrumentalarbeit überzeugt, aber wenn Bruce dann diesen vollkommen uninspirierten Tonleiterchorus gröhlt, ist für mich leider Schluss mit lustig.
Zum Glück folgt mit The Legacy noch ein versöhnlich stimmender Rausschmeißer, auch wenn der Song nicht ganz so stark / innovativ ist, wie er von einigen geredet wird. Aber immerhin, im wesentlichen unterteilt in 2 Parts, die relativ unterschiedlich tönen, sich aber logisch ineinander fügen, und zudem auch noch von der Melodie her mehr als in Ordnung sind, wird mit diesem Song die starke Platte würdig beschlossen.

Fazit: Das Beste, was man seit langem von Maiden gehört hat. Wer Karten für die kommende Tour hat, kann zufrieden sein: Da wird das neue Album nämlich aller Voraussicht nach komplett runtergezockt werden. Unter Berücksichtigung der beiden Durchhänger Out of The Shadows und Lord Of Light bleiben 9 von 10 Punkten.