Hintergründe / Cherokee





Cherokee

Manowar zum Thema

Im Song "Spirit Horse Of The Cherokee" auf dem Album "The Triumph of Steel" befasst sich die Band mit der Geschichte der eben genannten Cherokee bzw. ist die Geschichte dieses Stammes nur ein spezielles Bespiel für die Vergangenheit der amerikanischen Ureinwohner an sich. Es gab bereits andere Künstler die sich damit beschäftigt haben (empfehlen kann ich hier das Album "Bitter Tears" von Johnny Cash in dem die Geschichte der Indianer aus deren Sicht behandelt wird), aber nun wollen wir näher auf den genannten Song von Manowar eingehen.

Die erste Strophe beginnt gleich mit de Erwähnung des "trail of tears" (Zug der Tränen). Dabei handelt es sich um die Zwangsumsiedlung vieler Indianer, wobei auch viele ums Leben kamen. Allgemein wird damit aber auch der Leidensweg der Ureinwohner bezeichnet. Mehr Details folgen noch weiter unten. Weiters wird auch beschrieben dass die Weissen zuerst kamen um zu handeln und zu tauschen, aber dann gingen sie nicht, es kamen sogar immer mehr, und beanspruchten Land, das Ihnen rechtmässig nie zustand.

The Triumph Of Steel
The Triumph Of Steel

Die zweite Strophe erklärt noch einmal wie die Indianer die Weissen mit offenen Armen empfangen haben. Weiters wird beschrieben dass die Cherokee geborene Jäger sind, Nachkommen der Tiere und frei geboren. "Our trail of tears would end one day at Wounded Knee". Diese Zeile spielt auf das Ende der Indianerkriege an. Mit dem Massaker von Wounded Knee, bei dem die US-Armee am 29. Dezember 1890 etwa 200 bis 300 relativ wehrlose Lakota-Indianer umbrachte, die verdächtig waren, der verbotenen Geistertanzbewegung um den Medizinmann Wovoka anzugehören, endete diese.

Der Refrain ist mir nicht vollkommen klar.

Great Spirit, thunder birds fly, we are wild and free
To fight and die by the open sky, Spirit Horse ride for me

Bildet wohl allgemein eine Anspielung auf die mystisch geprägte Kultur der Indianer bzw. bezeichnet der Great Spirit auch den "Gott" der Indianer. Eine besondere Bedeutung für das "Spirit Horse" ist mir nicht bekannt.

Die dritte Strophe ist wohl in der ersten Zeile als Anspielung an die ausdauernden Büffel-Tänze, in denen Männer und Heranwachsende tagelang unter Anleitung schamanischer Medizinmänner bis zur völligen Erschöpfung für das Kommen der zweimal im Jahr wandernden Büffelherden, die die vollständige Lebensgrundlage der Prärie-Indianer bildeten, tanzten, zu verstehen.

Es könnte allerdings auch in Zusammenhang mit den kriegerischen Worten der restlichen Strophe ("Paint ourselves for war, now blood and fire burn") als Hinweis auf die Geistertanz-Bewegung zu verstehen sein, welche ein letztes Aufbäumen der Indianer darstellte.

Es wird noch eine kurze Auflistung großer Indianer-Häuptlinge eingeworfen (Red Cloud, Black Hawk, Sitting Bull, Crazy Horse, Geronimo).

Die letzte Strophe strotzt nur so vor Kriegswillen und Kampfgeist. "Hatchets sing with pride let the white men die" sagt wohl alles.

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Cherokee allgemein


Die Cherokee (Eigenbezeichnung Tsalagi, ursprünglich auch Aniyunwiya und Anikituhwagi), selten Tscherokesen, sind heute das größte Indianervolk Nordamerikas. Ihr Siedlungsgebiet war ursprünglich das Gebiet vom Ohio River bis in die heutigen US-Bundesstaaten Georgia und Alabama. Mit den Chickasaw, Choctaw, Muskogee und Seminolen wurden sie zu den fünf zivilisierten Nationen gezählt. 1809 bis 1819 entwickelte Sequoyah eine eigene Silbenschrift (Cherokee-Alphabet).



Zeitlinie

  • 1540 hatten sie ersten Kontakt mit dem Europäer Hernando de Soto
  • 1684 schlossen sie den ersten Vertrag mit den Weißen
  • 1730 - Handels- und Beistandsvertrag mit Großbritannien
  • Bei den kolonialen Kämpfen zwischen Briten und Franzosen kämpften sie auf der Seite der Briten
  • Durch Verträge mit den US-Amerikanern wurde ihr Gebiet sukzessive verkleinert, so dass 1790 bis 1817 viele Cherokee den Mississippi River nach Westen überquerten.
  • 1820 errichteten sie ein Regierungssystem nach Vorbild der jungen USA, aus gewähltem Häuptling, Senat und Repräsentantenhaus.
  • 1828 schriftliche Fixierung einer Verfassung
  • Nach Goldfunden stimmte 1835 ein Teil der Häuptlinge dem Verkauf des Landes und einer Umsiedlung in das Indian Territory Oklahoma zu.
  • 1838-1839 wurden über 16.000 Cherokee nach Oklahoma umgesiedelt - die Hälfte überlebte den Pfad der Tränen (Trail of Tears) nicht.
  • 1865, Juni, Stand Watie ergibt sich als letzter Südstaatengeneral im Sezessionskrieg

Cherokee-Kinder beim Weben
Cherokee-Kinder beim Weben

Zur Zeit der Entdeckung Amerikas waren die Cherokee eine mächtige Nation. Aufgrund zweier Pockenepidemien (1738-1739 und 1760) wurden sie stark dezimiert. Bald überfluteten weiße Siedler ihr Land und drängten immer mehr Cherokee nach Westen. Die Cherokee passten sich erstaunlich gut den Weißen an - nicht zuletzt durch den regen Handel mit ihnen. Seit 1800 stellten sie Baumwollkleider her. Ab 1820 konnte beinahe jede Cherokee-Familie das Spinnrad bedienen. Jede Familie hatte ihre Farm. Das Land der Cherokee war in Distrikte unterteilt. Jeder Distrikt hatte ein Rathaus, einen Richter und einen Marschall. In allen Dörfern gab es Schulen. Sogar Print-Medien existierten. Viele Cherokee hatten sich durch Missionare zum Christentum bekehren lassen. All diese Anpassungsmethoden bewahrte die Cherokee nicht vor ihrem Schicksal.

1828 erklärte der Bundesstaat Georgia sämtliche Verträge mit den Cherokee für nichtig und ordnete die Umsiedlung nach Oklahoma an (siehe: Indianer-Ausweisung). Die Cherokee fochten vor Gericht diesen Entscheid an und erhielten Recht. Darauf meinte der US-Präsident Andrew Jackson: "Der Richter hat seine Entscheidung getroffen - nun lasst ihn sie durchsetzen". Jackson setzte sich über den Richterspruch hinweg und ließ die Cherokee zwangsumsiedeln. Von 18.000 Cherokee entkamen nur etwa 1.000 in die Hügel. Die übrigen wurden von der US-Armee nach Oklahoma begleitet. Auf dem beschwerlichen Marsch starb rund die Hälfte, weshalb der Marsch den Namen Trail of Tears erhielt.

Jene Cherokee, die der Zwangsumsiedlung entkamen, werden heute als Östliche Cherokee bezeichnet, die in Oklahoma sesshaften nennen sich Cherokee Nation.

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Sprache

Die Sprache der Cherokee (Eigenbezeichnung 'Tsalagi') wird noch von 12.000 bis 22.000 Menschen gesprochen. Die Sprache ist eine grammatisch polysynthetische Sprache des Irokesischen Stammes. Die Sprache wird in einer eigenen Schrift geschrieben, die in den frühen Jahren des neunzehnten Jahrhunderts von Sequoyah entwickelt wurde, siehe Cherokee-Alphabet.

Der Name 'Tsalagi' ist eigentlich kein einheimisches Wort, sondern ein modifizierter Form des englischen Begriffs 'Cherokee'. Die ursprüngliche Eigenbezeichnung dieser Sprache hieß 'Aniyunwiya'.

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Cherokee-Alphabet

Das Cherokee-Alphabet besteht aus 85 Zeichen, die in der Silbenschrift für die Cherokee-Sprache verwendet werden.

Die Schrift wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Sequoyah entwickelt (siehe dort zu den Grundprinzipien dieser Schrift) und konnte auch für den Druck gesetzt werden. 1828 wurde die erste Zeitung in Cherokee herausgegeben, der "Cherokee Phoenix". Bis heute wird die Cherokee-Sprache in dieser Schrift geschrieben.

Cherokee-Alphabet
Cherokee-Alphabet

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Sequoyah

Sequoyah (* um 1770 in North Carolina; † August 1843 in San Fernando) war der Erfinder der Cherokee-Schrift, die beim Schreiben der Cherokee-Sprache noch heute verwendet wird.

Sequoyah (auch George Gist oder George Guess) war der Sohn einer Cherokee-Indianerin und eines europäischen Händlers, der jedoch ohne seinen Vater im indianischen Umfeld aufwuchs. 1809 sah er die Einrichtung einer von Weißen betriebenen Druckerei, die nach einem Scharmützel in die Hände der Cherokee gefallen war. Von da an bis 1821 entwickelte er, nachdem er zunächst eine Zeit lang den Gedanken einer Bilder-Schrift verfolgte, selbständig die Grundidee der Lautwiedergabe mit Zeichen und entwarf zusammen mit seiner Tochter Ah-yoka, die ihm bei Erfassen des Wortschatzes half, ohne weiteren Kontakt zu Weißen, und ohne jegliche Vorbildung ein völlig eigenständiges Schriftsystem für die Cherokee-Sprache, das 86 Zeichen enthält, die sämtliche in dieser Sprache vorkommende Silben repräsentieren. Viele der Zeichen ähneln zwar einzelnen Buchstaben der lateinischen Schrift -- teilweise auch auf der Seite liegenden oder auf den Kopf stehenden lateinischen Buchstaben --, da Sequoyah sie den Bleilettern nachempfand, die er in der Druckerei gefunden hatte. Jedoch ist ihre Lautzuordnung eine völlig andere (denn die Information, welche Laute die Zeichen im Englischen bedeuteten, fand man natürlich nicht in der Einrichtung der Druckerei).

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Cherokee heute

Von den heute 308.132 Cherokee (US-Zensus 2000) lebt die Mehrheit in Oklahoma (70.000) und North Carolina (8.500).

Nur etwa 15.000 Cherokee sind heute noch Vollblutindianer. Die östlichen Cherokee lassen sich in konservative (oft Vollblutindianer) und moderne Cherokee (oft Halbblute) teilen. Die Konservativen leben meist abgelegen in den Bergen. Die Modernen wiederum unterteilen sich in die untere Klasse und die Mittelklasse. Zugehörige der unteren Klasse leben ähnlich wie die Konservativen, fühlen sich aber nur dann als Indianer, wenn es um in der Vergangenheit begangene Ungerechtigkeiten an den Cherokee geht. Sie besuchen keine indianischen Zeremonien. Die Mittelklasse besteht aus Leuten mit sehr wenig indianischem Blut und kümmert sich primär um Geschäft und Wohlstand, nicht aber um Cherokee Nation. Die Konservativen begegnen ihnen mit Vorsicht. Die Haupteinnahmen erzielen die Östlichen Cherokee vor allem durch den Tourismus, drei Fabriken und durch die Holzindustrie. Nur wenige Cherokee sind noch Vollzeitfarmer.

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Geschichte - Anfänge



Ursprünge der Cherokee Indianer 1000 - 1500 n.Chr.

Archäologen haben die Kultur der Cherokee im Südosten der USA bis auf 500 Jahre vor ihrem Zusammentreffen mit dem spanischen Entdecker Hernando de Soto zurückverfolgen können.

Flagge der Cherokee-Nation
Flagge der Cherokee-Nation

In der Zeit zwischen 1000 bis 1500 n.Chr., die als Pisgah Phase der Cherokeekultur bezeichnet wird, errichteten die Vorfahren der Cherokee Palisadendörfer, deren Häuser sie um einen zentralen Platz gruppierten. Die Gebäude bestanden aus Holzstämmen und waren entweder quadratisch oder rechteckig.

Spuren solcher Pisgahdörfer gibt es in der Region der südlichen Appalachen. Das Zentrum dieser Siedlungsform lag im Westen North Carolinas. Häufig befinden sich die Spuren dieser Menschen in größeren Flusstälern, in denen Ackerbau möglich war. Mais, Bohnen und Kürbis waren die wichtigsten Anbauprodukte, aber auch Wildpflanzen wurden gesammelt. Ergänzt wurde die Ernährung mit Wildfleisch.

Erdhügel, die in manchen dieser Dörfer entdeckt wurden, deuten darauf hin, dass diese als soziale, politische und Zeremonialzentren gedient haben. Materielle Güter bestehen aus Lehm oder Stein, Knochen, Muscheln oder Holz.

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Historische Anfänge 1500 - 1700 n.Chr.

Der Pisgahphase folgt die Quallaphase in der Entwicklung der Cherokeekultur, die von 1500 bis 1850 n.Chr. dauert. Dies ist die Zeit, in der die ersten historischen Dokumente über die Cherokee auftauchen. Aufgrund von großen Ähnlichkeiten im Stil von Gebrauchsgegenständen gilt es als sicher, dass die Pisgah die unmittelbaren Vorfahren der Cherokee waren. Möglich ist jedoch, dass andere Stämme aus dem Osten Tennessees und dem Norden Georgias die Cherokeekultur der historischen Zeit beeinflussten.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse über die Cherokee stammen von Hernando De Soto und Juan Pardo, die Mitte des 16. Jahrhunderts unabhängig voneinander durch deren Gebiet zogen. Allerdings fehlen darin ethnographische Angaben über die Kultur und Lebensweise des Stammes. Die Cherokee nannten sich selbst "Ani'-Yun'wiya" oder "Wichtigstes Volk". Um 1650 lebten sie in einem Gebiet von einer Fläche von etwa 60000 Quadratkilometern im Süden der Appalachen. Um 1690 gibt es die ersten schriftlichen Hinweise auf Handelsbeziehungen zwischen Reisenden, Händlern und den Cherokee. Anfang des 18. Jahrhunderts unterscheidet die britische Regierung von South Carolina fünf Cherokeegruppen mit einer Gesamtbevölkerung von schätzungsweise 22500 Menschen.

Ähnlich wie andere Indianerstämme des Südostens bildeten sie eine Konföderation aus Städten, von denen jede einem Häuptling untergeordnet war. Zur Zeit des ersten Kontakts mit Europäern lebten sie vom Ackerbau und wohnten in Blockhäusern.

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Erste Veränderungen 1700 - 1750 n.Chr.

Mit dem Vorrücken der Europäer ins Binnenland entwickeln sich Handelsbeziehungen mit den Cherokee, die in den ersten 15 Jahren des 18. Jahrhunderts mehr als eine Million Pelze über Charleston, South Carolina, nach Europa verschiffen.

Cherokee
Cherokee

Als die weißen Jäger weiter nach Westen vordringen, kommt es zu Grenzkriegen mit benachbarten Stämmen. Gleichzeitig raffen europäische Krankheiten zahlreiche Indianer dahin. Für die Cherokee beginnt die Welt sich zu verändern.

Bis dahin ist ihre Welt erfüllt von Geistern, die verehrt werden. Schamanen stellen die Verbindung zur Geisterwelt her. Zwischen 1738 und 1739 rafft eine Pockenepidemie die Hälfte des Stammes und einen Großteil der Heiler dahin, die oft selbst der Krankheit zum Opfer fallen, gegen die sie mit ihren Heilkräutern nicht ankämpfen können. Die Sitten der Cherokee beginnen sich zu verändern.

Wegen der Unwirksamkeit ihrer Heilkräfte verlieren die Schamanen an Einfluss. Die alten Gesellschaftsstrukturen, die auf dem Klanwesen beruhen, bleiben aber bestehen. Nur außerhalb des Klans darf der Ehepartner gewählt werden. Dabei leben die Männer nach der Heirat beim Klan der Frau. Bei Stammesversammlungen hat jeder - Mann oder Frau - Rederecht. Manchmal haben sogar alte Frauen den Vorsitz bei diesen Ratstreffen, meist sind es aber die alten Männer des Stammes, die diese Rolle übernehmen.

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Verwicklung in die Kriege der Siedler 1750 - 1800 n.Chr.

Als sie in die Kriegshändel während des Französisch-Indianischen Kriegs verwickelt werden, kämpfen sie zunächst auf britischer Seite. 1760 wechseln sie die Seiten nach unprovozierten Angriffen aus South Carolina und unterzeichnen nach zwei Jahren harten Kampfes einen Friedensvertrag mit den Briten. Während des Revolutionskriegs stellen sie sich auf die Seite der Briten, erfahren jedoch, dass die Engländer verlieren und geben einen Teil ihres Landes im Osten Georgias auf.

Vor dem Ende der amerikanischen Revolution war es Siedlern durch königliches Dekret verboten, indianisches Territorium einzunehmen. Als die Kolonie verloren geht, kommt eine Horde von Pionieren ins Land, die den Weg für Farmer und Händler bereiten. Ein Vertrag mit der neuen Regierung teilt die Cherokee in zwei Gruppen. Die südliche von beiden, die Chickamauga, verwickeln in den nächsten neun Jahren die Siedler immer wieder in Scharmützel, die darauf abzielen, sie aus ihrem Territorium zu vertreiben. 1794 werden sie endgütig besiegt. Damit beginnt eine neue Entwicklung für die Cherokee.

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Geschichte - Neue Gesellschaft und Zivilisation



Ein neuer Beginn - Ende 18. Jahrhundert

Nach der amerikanischen Unabhängigkeit muß Präsident George Washington Grenzstreitigkeiten zwischen weißen Siedlern und den Cherokee schlichten. Hier stoßen zwei Welten aufeinander - während die Siedler ein individualistisches Weltbild haben, bestimmt bei den Cherokee der Klan das Dasein. Wenn ein Stammesmitglied die Klaninteressen schädigt, besteht seine Strafe oft im Tod. Die Siedler sehen in den Indianern wenig mehr als unerwünschte Tiere, die von ihrem Land vertrieben werden müssen. Das anfängliche Zögern der Cherokee, Ackerbau zu betreiben, wird erst als Faulheit interpretiert. Als sie beginnen, ihr Land zu bestellen, befürchten die Siedler, sie "...nie los zu werden".

Bereits im nächsten Jahr weben die Cherokeefrauen Baumwollstoffe aus selbstangebauter Baumwolle, die mehr einbringen als die Felle, die die Cherokeemänner auf traditionelle Weise jagen. Vor allem der Krieger Ridge aus Pine Log erkennt die Vorteile der neuen Technologie und schließt sich mit zwei weiteren fortschrittlich denkenden Stammesmitgliedern zusammen: Charles Hicks beeindruckt Ridge, weil er sich Bücher kauft, und James Vann, weil er sich gegen einen übergeordneten Häuptling zur Wehr setzt. Die drei werden zum politischen Arm der Cherokee, der den Stamm verändern wird.

In den nächsten zwölf Jahren werden grundlegene Stammesgesetze erlassen und eine Stammespolizei wird gegründet, die "Lighthorse Patrol".

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Sequoyah und das Cherokee Alphabet

Andere fähige Männer tragen dazu bei, dass bestimmte Elemente der amerikanischen Gesellschaft in die Stammesgesellschaft der Cherokee übernommen werden. Einer der berühmtesten von ihnen ist Sequoya, der Sohn einer Häuptlingstochter und eines Pelzhändlers aus Virginia.

Sequoyah
Sequoyah

Er kommt 1776 in Tuskeegee, im heutigen Tennessee, zur Welt. Er gehörte zu jenen Cherokee, die sich vor dem Vordringen der weißen Siedler nach Georgia zurückziehen. Dort erlernt er das Handwerk des Silberschmieds.

Einer seiner Kunden schlägt ihm vor, seine Werke zu signieren wie es in jener Zeit bei seinen amerikanischen Kollegen üblich ist. Da er weder lesen noch schreiben kann, wie die meisten seiner Stammesbrüder, läßt er sich von einem Farmer aus der Nachbarschaft zeigen, wie er seinen Namen schreiben soll. Dies bringt ihn auf die Idee, eine eigene Schrift für die Cherokeesprache zu entwickeln.

Bestärkt wird er in seiner Überzeugung, als er in einem Cherokeeregiment gegen die Creekindianer in den Krieg zieht. Er erkennt, dass eine Schrift die Kommunikation erleichtert, und nach seiner Rückkehr macht er sich an deren Entwicklung.

In seiner phonetischen Schrift erhält jeder Laut ein eigenes Symbol, und so schafft er seine "Sprechenden Blätter", 85 Buchstaben, aus denen das Cherokeealphabet besteht. Die Nachricht von seiner Erfindung verbreitet sich rasch und zwölf Jahre nach seiner Erfindung wird sie als offizielle Schrift der Cherokee anerkannt. Innerhalb weniger Monate erlernen zahlreiche Cherokee Lesen und Schreiben.

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"The Phoenix"

Die neue Schrift Sequoyahs und die Tatsache, dass viele Cherokee sich die Kunst des Lesens und Schreibens schnell aneignen, führt 1826 dazu, dass der Stammesrat den Bau einer Druckerei genehmigt. Dies fällt zusammen mit dem Entstehen eines neuen Nationalismus unter den Cherokee, Ausdruck des steigenden Widerstands gegen das immer massivere Vordringen weißer Siedler auf Indianerterritorium.

Erster Herausgeber ist ein junger Cherokee namens Buck Oowatie, der in Cornwall, Connecticut, die American Board School besucht hat. Auf dem Weg dorthin begegnet er zwei amerikanischen Präsidenten: Thomas Jefferson in Monticello und James Madison in Montpellier. Wichtiger für ihn ist jedoch das Treffen mit dem Schriftsteller, Dichter und Politiker Elias Boudinot, der ihn in sein Herz schließt und ihm anbietet, die Cherokee finanziell zu unterstützen. Buck trägt von diesem Tag an den Namen seines Gönners.

Boudinot, wie er sich nun nennt, sammelt Geld auf Vortragsreisen, für den Kauf einer Druckerpresse. Am 18. Februar 1828 erscheint die Erstausgabe des Cherokee Phoenix mit internationaler Auflage. Die neue Zeitung schweißt die sehr verstreut lebenden Cherokeegruppen enger zusammen und schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Schnell spiegelt die Zeitung die politische Entwicklung wider, mit der die Cherokeenation in jener Zeit konfrontiert wird. Die Artikel beschäftigen sich mit Themen wie dem Indian Removal Act, dem Gesetz von 1830, das auf die Umsiedlung der Cherokee in das neu geschaffene Indianerterritorium Oklahoma im Zentrum des amerikanischen Kontinents abzielt, dem weiteren Vordringen weißer Siedler und der Weigerung weißer Gerichte, indianische Zeugen zu hören..

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New Echota

Zentrum all dieser Entwicklungen wird die 1825 gegründete Hauptstadt der Cherokeenation, New Echota in Georgia. Hier konzentrieren sich ihre Bemühungen, ihre Heimat gegen die unaufhaltsam vordringenden Siedler zu verteidigen - nicht mit Waffengewalt, sondern mit den Waffen des weißen Mannes - der Presse, Gesetzen und Gerichten.

Echota
Echota

Der Stadtgründung voraus geht die Abschaffung des traditionellen Klansystems der Cherokee und die Einrichtung einer Stammesregierung nach dem Vorbild der Regierung der Vereinigten Staaten. In acht Distrikten wird die Cherokee Legislative gewählt für den Nationalrat, der vergleichbar ist mit dem US Kongreß. Dieser wählt wiederum die zwölf Mitglieder des Nationalkommittees mit ähnlichen Funktionen wie der US Senat, und dieses bestimmt die Hauptvertreter - den Oberhäuptling, seinen Stellvertreter und den Schatzmeister.

Cherokeevermesser planen die Stadt, die bis 1830 eine Einwohnerzahl von 50 erreicht und sich um eine Hauptstraße und einen Stadtplatz herum erstreckt. Ratshaus, Oberstes Gericht und Zeitungsverlag befinden sich im Zentrum. Wohnhäuser, Geschäfte, eine Färstation, ein kleines Hospital und eine Missionsstation liegen etwas abseits.

Das ganze Jahr über fließt das Leben in New Echota seinen ruhigen Gang. Nur wenn die Ratsversammlung anberaumt ist, kommen zahlreiche Cherokee aus der Umgebung mit ihren eleganten Kutschen, zu Pferd oder zu Fuß in die Stadt und nutzen die Gelegenheit zu einem gesellschaftlichen Ereignis.

Lange dauert dieses beschauliche Dasein in New Echota nicht. Es wird jäh unterbrochen von den schicksalhaften Ereignissen, die damit enden, dass die Cherokee 1836 im berüchtigten "Zug der Tränen" ins neu geschaffene Indianerterritorium Oklahoma ziehen müssen.

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Geschichte - Der Zug der Tränen (Trail of Tears)



Gold!

Schon die ersten europäischen Besucher kamen nach Georgia auf der Suche nach Gold. Hernando de Soto und viele nach ihm zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Erst im 18. Jahrhundert wurde zum erstenmal Gold gewonnen, und Anfang des 19. Jahrhunderts war daraus ein Goldrausch geworden. Ein unaufhaltsamer Strom weißer Goldsucher drang in die Gebiete der Cherokee Indianer ein.

Wie so oft, wurden die Indianer Opfer der Gewinnsucht weißer Abenteurer. Die Regierung von Georgia begann gleich nach der Entdeckung der Goldvorkommen ihre Deportation zu planen. Der "Zug der Tränen", die Vertreibung der Cherokee in das neu geschaffene Indianerterritorium Oklahoma im Zentrum Nordamerikas, stellte das traurige Ende dieser Entwicklung dar.

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Deportationsgesetz - "Indian Removal Act"

1830 erließ der amerikanische Kongreß ein Gesetz zur Deportation der Cherokee Indianer. Viele Amerikaner sprachen sich gegen dieses Gesetz aus, darunter Davy Crockett, ein berühmter Pionier und damals Kongreßmitglied aus Tennessee. Trotzdem unterzeichnete Präsident Jackson das Gesetz.

Die Cherokee versuchten in den folgenden Jahren, das Gesetz auf gerichtlichem Wege aufheben zu lassen. Sie waren jedoch untereinander uneins. Schließlich ratifizierte der amerikanische Senat das Gesetz und besiegelte das Schicksal des Stammes.

1838 wurden die Cherokee mit militärischem Druck deportiert. General Wood, der den Befehl dazu erhielt, trat von seinem Posten zurück und verzögerte den Prozeß dadurch, konnte ihn jedoch nicht aufhalten. Sein Nachfolger, General Winfield Scott, kam am 17. Mai 1838 mit 7000 Mann in New Echota an, um den Auftrag auszuführen.

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Deportationsforts

Bereits acht Jahre vor ihrer erzwungenen Reise nach Westen waren illegale Palisadenforts errichtet worden, in denen die Cherokee vor ihrer Vertreibung untergebracht wurden. Die ersten davon entstanden 1830 kurz nach dem Erlass des "Indian Removal Act" durch den Kongreß.

Korbflechterin
Korbflechterin

Eines der übelsten war Camp Hinar Sixes, in dem die berüchtigte Georgia Guard untergebracht war, eine Bande von Siedlern, die die Cherokee terrorisierten, obwohl sie sich selbst zu dieser Zeit illegal im Indianerterritorium aufhielten.

Unter den Siedlern von Georgia war die Meinung über die Deportation geteilt. Jene Familien, die bereits vor dem Goldrausch unter den Cherokee gelebt hatten, waren in der Regel eher bereit, sich für die Sache der Indianer auszusprechen. Sie waren von den Cherokee schnell akzeptiert worden (was umgekehrt nicht der Fall war) und hatten in den Anfangsjahren umfangreiche Hilfe von den Cherokee erhalten.

Andere, darunter der amerikanische Präsident Jackson, täuschten ihnen falsche Sicherheit vor. Jackson hatte ihnen bei einem Besuch in Washington die weitere Aufenthaltserlaubnis in ihrer angestammten Heimat versprochen. Aber bereits Anfang des Jahres 1835 wurden die ersten Straßen gebaut, auf denen die Cherokee an den Start ihres Weges nach Westen gebracht werden sollten.

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Beginn der Militäraktionen

Noch während Cherokeevertreter in Washington versuchten, das Schicksal ihres Stammes abzuwenden, planten George Gilmer, der Gouverneur von Georgia, und Joel Poinsett, der Verteidigungsminister, die Invasion im Indianergebiet. Am 25. Mai 1838 wurden die ersten Cherokee zusammen getrieben.

Trotz detaillierter Anweisungen General Scotts, dass die Indianer gut behandelt werden sollten, wurden diese von den meisten Truppen, die nicht seinem direkten Befehl unterstanden, missachtet. Die Familien wurden von der Georgia Guard in den Forts zusammen getrieben. Einigen erlaubte die Miliz, ihre Wertsachen zu Spottpreisen an Nachbarn zu verkaufen. Anderen ließen sie nicht einmal dafür die Zeit. Oft versuchten Siedler einzugreifen, wenn die Miliz zu brutal mit den Indianern umging.

In den Forts erwarteten die Familien schlimmste Umstände. Nahrungsmittel, die für den Stamm gedacht waren, wurden an Siedler verkauft. Diebstahl war an der Tagesordnung. Die hygienischen Verhältnisse in den Forts waren katastrophal. Soldaten vergewaltigten Kinder und Frauen, oft sogar mehrmals. Etwa ein Drittel der 4000 Todesfälle, die während des Zugs der Tränen gezählt wurden, sind auf die elenden Umstände in den Forts zurückzuführen.

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Der "Zug der Tränen" - der Trail of Tears

Auf der Weiterreise ins neu geschaffene Indianerterritorium Oklahoma waren die Verhältnisse nicht besser. Die Vertriebenen mussten Tausende von Meilen zu Fuß zurücklegen mit mangelhafter Nahrungsversorgung. Manche fuhren einen Teil der Strecke auf Booten unter ähnlich schlimmen Umständen. Besonders unter den ersten Gruppen waren die Verluste sehr zahlreich, weil die Armeekommandeure der Not der Indianer gleichgültig gegenüberstanden.

Cherokee Rose
Cherokee Rose

Erst als John Ross, der immer gegen die Vertreibung protestiert hatte, sich an General Scott wandte, gelang es ihm, diesen davon zu überzeugen, dass es besser sei, wenn er sein Volk selbst nach Westen führte. Er teilte den Stamm in kleinere Trupps auf, so dass diese sich über ein größeres Gebiet verteilen und auf die Jagd gehen konnten, um sich so mit Nahrung zu versorgen. Obwohl er mit seinen Gruppen erst im Herbst des Jahres 1838 aufbrach und im grimmigen Winter 1839 in Oklahoma ankam, waren unter seiner Führung weit weniger Menschen umgekommen als unter der Leitung des Militärs.

Damit endet eines der tragischsten Kapitel in der Geschichte amerikanisch-indianischer Beziehungen. Unter John Ross als neuem Häuptling und mit neuer Verfassung schufen sich die Cherokee in Oklahoma eine neue Heimat. In Georgia leben nur noch wenige Stammesmitglieder, die den Sturm jener Zeit überstanden haben. An ihre Errungenschaften erinnern verschiedene State Parks und Museen. Die Staatsblume Georgias ist nach den Cherokee benannt - die "Cherokee Rose".

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Geistertanz



Allgemein

Der nordamerikanische Geistertanz ist ein religiöser Krisenkult. Er steht in der spirituellen und schamanistischen Tradition der nordamerikanischen Ureinwohner und stellt ein letztes, weitgehend friedliches Aufbäumen der Besiegten gegen die Unterwerfung und Zerstörung der indianischen Lebensgrundlagen und Stammeskultur innerhalb der USA dar. Der Geistertanz war nur eine von vielen, letztlich erfolglosen Restaurationsbemühungen, erreichte aber die größte Popularität und gilt deshalb heute in der allgemeinen Wahrnehmung fälschlicherweise als fester Bestandteil der indianischen Religion und Kultur.

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Erster Geistertanz

In den 1860er Jahren erlebte der als Seher und Prophet geltende Wovoka oder Wodziwob - ein Mitglied des im heutigen Bundesstaat Nevada beheimateten Stammes der Paviotso - ein spirituelles Trance-Erlebnis. In diesem Zustand hatte er eine Vision, in der ihm prophezeit wurde, die alten Zeiten und mit ihnen die indianische Lebensweise würden zurückkehren. Die Toten versprachen ihm, sie würden wiederkehren und die Erde würde sich in ein Paradies verwandeln. Die weißen Eroberer sollten verschwinden.

Geistertanz
Geistertanz

Als zentrales Mittel für dieses Ziel galt der zeremonielle Geistertanz. Hierbei wurde ein Kreis aus Männern und Frauen formiert, bei denen sich die Beteiligten an den Händen hielten und zum stetigen Schlag der Trommeln die vorgeschriebenen Geistertanzlieder, eine Folge von monotonen Beschwörungen, intonierten. Durch die gleichzeitige Seitwärts-Bewegung wurde der Kreis in Bewegung versetzt. Hieraus resultiert der in spiritueller Tradition der Beschwörung durch tagelange rituelle Tänze stehende Charakter des Geistertanzes. Erinnert sei nur an die ausdauernden Büffel-Tänze, in denen Männer und Heranwachsende tagelang unter Anleitung schamanischer Medizinmänner bis zur völligen Erschöpfung für das Kommen der zweimal im Jahr wandernden Büffelherden, die die vollständige Lebensgrundlage der Prärie-Indianer bildeten, tanzten.

Durch die Art der Durchführung - monotone rhythmische Trommelbegleitung, gleichförmige Bewegungen und die immer gleichen liedartigen Beschwörungen, verbunden mit der Erschöpfung der Tanzenden - wurde der tranceartige Zustand erreicht, in dem die Lebenden die Welt der Toten betreten konnten. Die damit verbundene Verschmelzung beider Welten würde letztlich dazu führen, dass die Toten zurückkehren konnten.

Inhalt und Versprechen des Geistertanzes fiel in der Zeit des Niedergangs auf fruchtbaren Boden. Die Idee verbreitete sich Ende der 1860er-Jahre sehr schnell und führte zu einer stark motivierten religiösen Bewegung. Sie erreichte von Nevada aus Kalifornien und Oregon. Jeder Stamm schuf seine eigenen Elemente und Interpretationen des Tanzes. Die ursprüngliche Prophezeiung wurde mit deren Verbreitung durch andere ergänzt. Beispielsweise prophezeiten einige Stämme nicht nur die Rückkehr der Toten, sondern auch die Rückkehr der von den Eroberen zerstörten natürlichen Lebensgrundlagen.

Manchmal vereinte ein Tanz 5.000 bis 6.000 Indianer unterschiedlicher Stämme. Trotzdem kann nicht von einem panindianischen Kult gesprochen werden, da sich nicht alle indianischen Ethnien dem Geistertanz verschrieben hatten. Die erste Welle des Geistertanzes endete ca. 1872, als der Initiator Wodzivob die Idee widerrief und die Tänze letztlich auch erfolglos blieben.

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Zweiter Geistertanz

Rund zwanzig Jahre später feierte der Geistertanz eine starke Renaissance. Wieder lag der Ursprung bei den Paviotso. Diesmal war es ebenfalls ein schamanistisch ausgebildeter Mann aus dem Stamm der Paiute namens Wovoka, der die Idee wiederbelebte. Als Jack Wilson arbeitete er auf einer strenggläubigen Mormonen-Ranch. Derartig geprägt, übernahm er auch christliche Elemente, wie die Apostel-Idee, um den Glauben bei den Stämmen zu verbreiten.

Die Prophezeiung ähnelte derjenigen von 1870: Die Zeit würde kommen, wo sich die Indianer, Lebende und Tote, vereinigen würden, um zusammen glücklich zu leben, ohne Tod, Unglück und Elend. Die riesigen Büffel- und Pferdeherden, die über Jahrhunderte die natürliche Lebensgrundlage der Prärieindianer darstellten, würden zurückkommen.

Der 1890er-Geistertanz breitete sich ebenfalls rasch nach Kalifornien und Oregon aus, ging dann aber weiter nach Idaho, Montana, Utah, Wyoming, Colorado, Nord- und Süd-Dakota, bis hin nach Nebraska, Kansas, Oklahoma und Kanada. New Mexico und Arizona berührte er gerade noch. Im Vergleich zum ersten Geistertanz erfasste er diesmal also auch die Stämme der Plains und einige des Südwestens. Wieder entwickelten sich mit der Verbreitung weitere Tänze und Prophezeiungen. Der Geistertanz passte sich den entsprechenden Stammesmythologien an.

Wovoka
Wovoka

Die zweite Geistertanzbewegung dauerte einige Jahre länger als die erste, fand jedoch ebenfalls ein abruptes Ende. Die nach Niederlage und Unterwerfung unter die Gnade des weißen Mannes in den Reservationen von South Dakota lebenden Lakota hatten die Bewegung übernommen und um weitere christliche Elemente, wie den Erlösergedanken, erweitert. Die ihres Landes beraubten Prärie-Indianer, die durch die Vernichtung der gewaltigen Büffelherden ihre Lebensgrundlage verloren hatten, lebten in den Reservationen unter schlechten Bedingungen. Die Stammesgesellschaft, in der Gruppen und Familienverbände in Zeltdörfern auf Wanderschaft zusammenlebten, befand sich durch die erzwungene Ansiedlung in Einzelfamilien in Auflösung. Angesehene Häuptlinge wie Tashunka Witko (engl. Crazy Horse) wurden ermordet oder hatten sich den Siegern unterworfen. Die einstigen Jäger waren von Lebensmittel-Lieferungen durch die Reservationsbehörden abhängig, die oft ausblieben und von schlechter Qualität waren. Hunger, Krankheiten, ungewohnte Nahrung, erzwungene Sesshaftigkeit und Untätigkeit des einstmals aus Jägern und Sammlern bestehenden kriegerischen Volkes führte dazu, dass sich der Geistertanz nicht nur verbreitete, sondern auch um Gedanken des Widerstandes erweitert wurde. So trugen viele Tänzer stark bemalte Geistertanzhemden, die sie angeblich gegen die Kugeln aus Gewehren der Weißen schützen konnten. Die Vision, der Geistertanz würde die Weißen hinwegfegen, wurde offen ausgesprochen.

Nachdem der Geistertanz im Oktober 1890 in den Lakota-Reservationen begann und von den weiterhin angesehenen Anführern wie Sitting Bull, der sich nach jahrelangem Exil in Kanada, mit einigen Getreuen ergeben hatte und nach zweijähriger Gefangenschaft in der Reservation lebte, propagiert wurde, traten Spannungen auf. Die Reservationsbehörden sahen die Massen-Bewegung als politischen und religiösen Protest der 25.000 in Reservationen lebenden Sioux an und reagierten, wie üblich, mit Zwangsmaßnahmen, um einen möglicherweise drohenden Aufstand bereits im Vorfeld zu ersticken.

Präsident Benjamin Harrison ordnete eine Untersuchung durch die Armee an und veranlasste die Einschränkung der Essensrationen für unkooperative Indianer, was die Spannungen weiter verschärfte. James McLaughIin, Verwalter der Standing Rock Reservation, in der Sitting Bull lebt, beäugte das Treiben der Geistertänzer schon länger mit Argwohn und befürchtete einen Aufstand. Sitting Bull, der sich mit kämpferischen Worten geweigert hatte, die Bewegung zu verbieten, und als einer ihrer Führer galt, soll durch die Stammespolizei in wohlüberlegter Provokation am 15. Dezember 1890 verhaftet werden. Als seine Getreuen gegen die grobe Behandlung des alten Mannes Widerstand leisten, wird Sitting Bull von dem Indianer-Sergant Red Tomahawk durch einen Kopfschuß getötet. Außer ihm starben weitere 14 Menschen - 5 Stammes-Polizisten und 7 Anhänger des alten Häuptlings, darunter auch Sitting Bulls 14 jähriger Sohn. Beim Abtransport wird Sitting Bulls Leiche durch den Bruder eines getöteten Polizisten geschändet. Die Verweigerung der Beerdingung auf dem christlichen Friedhof sorgt für weiteren Unmut. Der tote Häuptling wird schließlich auf dem Friedhof von Ford Yates in einer einfachen Holzkiste hastig begraben.

Viele Lakota, darunter viele Geistertänzer flohen in die nahegelegenen Badlands. Unter den Flüchtenden befand sich auch Häuptling Big Foot mit Geistertanzanhängern aus der Cheyenne-River-Reservation. Die Armee verfolgte Big Foot und seine Leute und stellte sie. Der als friedlich geltende Big Foot ergab sich und die Gruppe sollte in die Pine-Ridge-Reservation überführt werden. Am 29. Dezember 1890 sollte Big Foots Gruppe in der Nähe des Wounded Knee Creek entwaffnet werden. Dabei fiel ein Schuss, wahrscheinlich versehentlich auf Seiten der Indianer. Die Soldaten der 7. Kavallerie schossen wahllos auf die wehrlosen Indianer und verübten ein gnadenloses Massaker an Männern, Frauen und Kindern. Selbst nach Stunden wurden noch Verwundete getötet. Sogar die Pferde der toten Indianer wurden erschossen. Insgesamt starben an diesem Tag etwa 350 Indianer.

Das Massaker vom Wounded Knee leitete das Ende der spirituellen Geistertanz-Bewegung und der gelebten Traditionen der Stammesgesellschaft der Prärie-Indianer ein.

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