Konzerte





Informationen
Bandname: Iron Maiden
Ort: Dortmund, Westfalenhalle
Datum: 8. Dezember 2006
Review-Autor:Jakob Köllinger (Eichler)
Punkte: 10 / 10
 
Review-Text
Eine der zweifellos größten Legenden des Heavy Metal gab sich im Rahmen ihrer Welttournee zum neusten Album „A Matter Of Life And Death“ auch zwei Mal in Deutschland (am Vorabend in Stuttgart und heute in Dortmund) die Ehre und lieferte eine weitere Wahnsinnsshow ab, welche dem jungfräulichen Ruf als hervorragende Lifeband vollends gerecht wurde.
„A Matter Of Life And Death“ ist als erstes Maidenalbum in Deutschland auf Platz 1 gelandet, daher auch kein Wunder, dass beide Shows binnen kürzester Zeit restlos ausverkauft waren. Aufgrund des auf einen Donnerstag gelegten Termins in Stuttgart war ich gezwungen, am Freitag per Zug den weiten Weg von Bayern nach Nordrheinwestfahlen anzutreten, aber was tut man nicht alles, um seine Helden (in meinem Fall zum ersten Mal) für knapp zwei Stunden auf der Bühne zu sehen.
Um in der riesigen Westfalenhalle möglichst weit nach vorne zu kommen, hatten wir den Zug so gebucht, dass wir bereits um halb drei vor der Halle waren, wo sich schon ca. 30 andere Maidenfreaks versammelt hatten. Während wir in der Kälte warteten wuchs die Menge jedoch relativ rasch an, und als der Einlass näher rückte wurden erste Maiden – Sprechchöre gestartet. Der (kostenpflichtige) Fanclub wurde dann leider vor dem normalen Fußvolk reingelassen, was für meine Mannen und mich zunächst einen Platz in der zweiten Reihe bedeutete.
Lauren Harris, Tochter des großen Meisters, durfte nach kurzer Zeit als erste für 25 Minuten auf die Bühne und ihren relativ unspektakulären, jedoch soliden Hardrock zum Besten geben. Die Musik war aber sowieso eher Nebensache, da vor allem der männliche Anteil des Publikums eher auf die definitiv nicht von der Hand zu weisenden Reize der barfüßigen Frontfrau geachtet haben dürfte, die mit ebenjenen auch nicht sonderlich hinter dem Berg hielt. Folgerichtig erhielt sie sehr wohlwollenden Zuspruch, wenn auch meist nicht in Form der Metalfork, sondern nach oben gereckter Daumen.
Danach gehörte die Bühne für etwa 45 Minuten Trivium, den neuen Shootingstars aus den Vereinigten Staaten. Die Band wurde ja vor allem für ihr aktuelles Album „The Crusade“ von der Fachpresse in den Himmel gelobt, was ich anhand des Materials, das mir bis jetzt bekannt war, nur sehr bedingt nachvollziehen konnte. Dieser Eindruck verfestigte sich auch während des Auftritts: Technisch auf zugegebenermaßen sehr hohem Niveau, wird hier Idolen aus den Achtzigern nachgeeifert (am deutlichsten wohl Maiden und Metallica), ohne deren Klasse je auch nur ansatzweise zu erreichen; die Musik bleibt gesichts- und seelenlos, so dass ich mir Lauren zurück- oder am besten gleich die Jungfrauen herbeiwünsche.
Und nach einer kurzen Umbaupause ist es dann endlich soweit: Maiden entern die Bühne und machen von Anfang an klar, warum sie zu den wenigen ganz, ganz großen der Szene gehören. Beim Intro ist die Bühne in rötliches Licht getaucht, während im Hintergrund, passend zum Konzept des neuen Albums, die Ruinen einer vom Krieg zerstörten Stadt zu sehen sind. Nicko nimmt seinen Platz hinter den Kesseln ein, und die Jungs legen los mit „Different World“, dem „A Matter Of Life And Death“ - Opener. Neben mir beginnt ein ca. 15jähriges Mädchen zu schreien, als wären wir bei Tokio Hotel, und ich befürchte schon, mir das jetzt das ganze Konzert über anhören zu müssen. Glücklicherweise hat das Dortmunder Publikum aber ein Einsehen und entwickelt einen ungeheuren Druck nach vorne, der mir so auch noch bei keinem anderen Konzert untergekommen ist. Es dauert nicht lange, da werden bereits die ersten Erschöpften (darunter die Kreischtante) aus den vorderen Reihen gezogen, ein Schauspiel, das bis zum Ende des Auftritts noch desöfteren zu beobachten sein wird. Das alles nehme ich freilich nur am Rande war: Auf der Bühne legt Steve Harris zum ersten Mal an und feuert seine Bass-Triolen in die Menge, welche beim zweiten Song, „These Colors Don’t Run“, zunehmend völlig ausrastet. Der Sound ist glasklar, Bruce Dickinson singt sich die Seele aus dem Leib, und die Ausnahme-Gitarristen zocken sauber wie immer.
Im Folgenden wird schnell klar, dass Maiden ihr Vorhaben, das gesamte neue Album am Stück zu spielen, tatsächlich in die Tat umsetzen werden: Es folgen das epische Brighter Than A Thousand Suns, der rockende Pilgrim und das wahnsinnige „The Longest Day“, während dessen im Hintergrund authentische Zeitungsmeldungen vom D-Day zu lesen sind. Dankbar für jede Atempause genieße ich die Ballade „Out Of The Shadows“, die ich auf Platte eher schwach finde, bevor es mit Benjamin Breeg und der Livegranate „For The Greater Good Of God“ wieder richtig zur Sache geht. Während der letzten beiden Songs flacht die Stimmung etwas ab, ist aber immer noch auf einem Niveau, von denen andere Bands, die ich dieses Jahr sehen durfte, nur träumen können.
Dann wird es kurz finster, und unter lautem Jubel erklingen die ersten Töne des „klassischen“ Teils des Sets in Form des Fear Of The Dark Intros. Die gesamte Halle gröhlt „I am a man who walks alone...“ und explodiert förmlich, als die Rhythmusgitarren einsetzen. Wer in den vorderen Reihen gedacht hätte, es ginge nicht mehr enger, wird schnell eines besseren belehrt: Alles hüpft, klatscht, moscht und bewegt sich unkontrolliert von einer Seite auf die andere.
Es folgt der unverzichtbare Klassiker vom selbstbetitelten Debut „Iron Maiden“; im Hintergrund wird ein riesiger Panzer hochgefahren, aus dessen Luke schließlich das Bandmasskotchen Eddie in Soldatenuniform erscheint und durch ein Fernglas ins Publikum blickt.
Nachdem die Jungs kurz von der Bühne gegangen sind, wird das Konzert mit einem 3 Songs umfassenden Zugabenblock beschlossen: Von Powerslave gibt man „2 Minutes To Midnight“ zum Besten, bevor zu „The Evil That Men Do“ ein beweglicher Eddie mit Stahlhelm und Sturmgewehr auf die Bühne marschiert und nach donnerndem Applaus artig salutiert. Der ultimative Rausschmeißer ist schließlich das grandiose „Hallowed Be Thy Name“, und während ich die zweite Strophe singe habe ich tatsächlich Tränen in den Augen und eine meterdicke Gänsehaut, obwohl die Hitze mittlerweile unerträglich geworden ist.
Einige Fans prügeln sich noch um die Stöcke, die Nicko ins Publikum wirft, wozu ich jedoch nicht mehr in der Lage bin: Völlig erledigt suche ich meine Kollegen zusammen und pfeife dazu mit letztem Atem das traditionelle Outtro.
Um das nicht zu verschweigen: Um mich herum höre ich vereinzelt auch enttäuschte Stimmen. Offenbar war im Vorfeld nicht bei jedem angekommen, dass Maiden dieses Mal zugunsten von AMOLAD auf viele ihrer Klassiker verzichten würden (Trooper, Number, Run to The Hills...) Mir ist das völlig egal, ich habe ein Konzert hinter mir, das nicht von dieser Welt ist. Nicht von dieser Welt sind allerdings auch die Preise am Merch-Stand, den ich links liegen lasse und mich zu Sammelpunkt begebe. Die Heimfahrt und der darauffolgende Tag werden alles andere als lustig werden, aber auch das ist ok. Hey, es waren Maiden, und wenn die Ankündigung von Bruce Dickinson, man werde 2007 wiederkommen, der Wahrheit entspricht, werde ich, sofern irgend möglich, garantiert wieder anwesend sein. Up the Irons!