Konzerte





Informationen
Bandname: Manowar
Ort: München
Datum: 25. März 1986
Review-Autor:Bavarian Y&T
Punkte: 10 / 10
 
Review-Text
Mein erstes Mal:

Manowar, Metal-easter-blast 1986, 25.03.1986, München – Alabamahalle

Ein denkwürdiger Tag sollte es werden, dieser Dienstag, der 25 März 1986. Es war mein 19ter Geburtstag.
Ich war, nach 4 Monaten jung verliebt in meine jetzige Frau, ein junger Rebell (wie fast jeder ‚Rocker‘) und freute mich wie ein 5-jähriger auf das am abend stattfindende Concert von Manowar – seit 2 Jahren meine Lieblingsband. Im Eilzugtempo haben sie meine alten Faves Scorpions, Queen, Beatles überholt und haben sich einen Platz ganz vorne in meinem Herzen durch Ihre Scheiben ‚Battle Hymns‘, ‚Into glory ride‘, ‚Hail to England‘ und ‚Sign of the hammer‘ erobert.
Da meine Frau / Freundin Urlaub hatten, konnten wir den Tag gemächlich angehen lassen. Am Spätnachmittag brachen wir auf Richtung München, zum Ort unseres ersten direkten Kontakts mit Manowar: München, Alabamahalle. Der Weg dahin war uns gut bekannt, hatten wir doch in den vergangenen Monaten schon 5 Concerte in dieser alten Armee-Depot-Halle (darunter auch Warlock mit Doro) gesehen.

Die erste Überraschung für uns war, das 2 Stunden vor Concertbeginn alle Parkplätze restlos überfüllt waren, über 2.000 Leute vor der Halle standen – das Fassungsvermögen der Alabamahalle lag bei knapp über 2.000 Besuchern – und eine tolle Party-Stimmung herrschte. Die nächste Überraschung war, das die Fans aus ganz Bayern, Österreich und der Schweiz angereist waren – um Ihre Lieblingsband Manowar zu sehen, obwohl es ja noch zwei andere Bands gab. Als Opener agierten die aus München stammenden Band ‚Railway‘ und als Co-Headliner (so war das zumindest angekündigt) agierten Exciter. Railway kannten wir ganz gut, waren in München gut angesagt und hatten auch mit dem Stück ‚I’m a looser‘ einen national bekannten Titel im Programm.
So standen wir also mit über 2.000 gleichgesinnten vor der Halle und warteten, bis die Türen aufgemacht werden sollten. Von drinnen schallte der Soundcheck von Railway über das Gelände – hörte sich alles schon mal nicht schlecht an und die Menge begann sogar stellenweise mitzubangen. Wohlgemerkt vor der geschlossenen Halle!
Als die Türen endlich aufgingen, strömte die Menge schnell hinein. Es gab nur wenige die von einer Concert-Erfahrung mit Manowar berichten konnten. Aber die, die sie schon einmal gesehen hatten – 2 Jahre vorher waren sie schon einmal für ein paar Shows in Deutschland – berichteten von einer martialischen Bühnenshow.

Es ging los, Railway enterten für ihren kurzen Set die Bühne und wurden wohlwollend begrüßt und bekamen großen Applaus für Ihre Darbietung. Interessant an dieser Band war sicherlich, daß sie aus vier Männern und einer Frau am Schlagzeug bestanden – ich glaub Gerdi Haslinger war ihr Name. Und kurios war, daß das Lied, das wir vor der Halle 3 Mal zum Warmmachen gehört hatten im Set nicht gespielt wurde....

Und dann war es soweit – damals noch nicht die Kings of metal, kein: „Ladies and gentlemen – from the United States of America – all hail MANOWAR“ .... nichts dergleichen. Das gab es damals noch nicht und war somit allen Beteiligten unbekannt – selbst Joey wußte damals mit Sicherheit noch nicht, welchen Aufstieg diese Band in den 90ern noch nehmen sollte...
Der Opener war Manowar und die Menge tobte von Anfang an mit. Harter, direkte Sound (nicht so laut wie bei heutigen Manowar-Gigs – da fehlten damals auch die technischen Möglichkeiten und Mittel) aber – wie gesagt – super Sound und eine vor Energie nur so sprühende Band. Männer, in Leder gekleidet, die Stolz, Kampfkraft und Siegeswille ausstrahlten – allen voran ein indianischer Typ mit fast bis zum Hintern reichenden dunklen Haaren und einem so markannten, scharfen Gesicht und Augen die einen ganz und gar in ihren Bann schlugen....Joey deMajo. Da hielt er noch keine langen Reden sondern zupfte seinen Bass wie ein Wilder und forderte die Menge immer wieder mit den Augen auf, ihm zu huldigen. Wahnsinn, wie alle in seinen Bann gezogen wurden. Und eine Stimme die so klar und deutlich rüberkam – wobei jeder im Saal jedes Lied, jede Strophe, jede Zeile ja jedes Wort mitsang – aber dieser Mann, Eric Adams, diese Stimme, mit einer Freundlichkeit im Gesicht trotz martialischer Schreie lachte er fast ständig. Auf der rechten Seite der Bühne tobte ein Gitarrist im Kampf gegen den Bass mit wilden Solis und schreiender Gitarre – aber ansonsten sehr in sich vertieft – Ross the Boss. Und die Band wirde angetrieben durch den gewaltigen Drumsound von Scott Columbus. So spielten sie Lied für Lied. Leider kann ich mich an die einzelnen Stücke und der Abfolge nicht mehr so genau erinnern wie an die Emotionen, die ich bei diesem Concert erlebt habe. Aber das werden viele von Euch sicherlich nachempfinden und verstehen können. Ich habe nur noch im Kopf, das sie Bridge of death – schon damals ein Kult-Lied – gespielt haben. Auch Sign of the hammer, Guyana, Mountains und Kill with power waren im Programm. Es war einfach nur geil – so was hatte ich bis dahin nicht erlebt obwohl ich auf DEM Monsters of Rock 1984 mit AC/DC und Van Halen war – aber das stellte alles in den Schatten. Knapp zwei Stunden 100% Heavy Metal – eine Menge die die Band abfeiert und ihr huldigt und ich glückselig mittendrinn. Irgendwann im Set wurden Schwerter und der ‚Hammer of war‘ ausgepackt und eine Schlacht auf der Bühne mit Schwert und Hammer inszeniert... Wahnsinn!
Letzte Zugabe war Battle Hymns – und was soll ich sagen – es war eine Hymne. Die Menge gab das Letztmögliche das ihr die Band abverlangte – sang mit, klatschte mit – und zum Schluß alle Hände hoch und Du hattest wirklich das Gefühl, Joey schaut Dich persönlich so lange an (und das ging so ziemlich jedem im Saal so), bis Du die Hände oben hattest (damals zur ‚Pommesgabel‘ und nicht zum Manowar-Brother-Sign) und sie endlich den Schluß-Akkord spielen konnten.
Aus, vorbei. Eine Menge, die total platt war vor Anstrengung brauchte dringend eine Verschnaufpause. Und Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Ungläubiges Staunen, glückseliges Grinsen, triumphierendes Lachen – alle möglichen Gesichtsausdrücke gab es zu sehen aber keiner der unzufrieden war. Alle schwärmten von diesem grandiosen Concert.

Nach kurzer Umbaupause betraten Exciter die Bühne. Diese waren uns – und anscheinend auch vielen anderen, denn viele verließen bereits nach Manowar die Halle – gänzlich unbekannt. Was mir im Kopf blieb ist, daß wie bei Nightranger der Drummer singt. Aber ansonsten.... Nun ja, nach zwei, drei schlechten (vielleicht auch nur schlecht gespielten) Liedern und einem hysterischen Wutausbruch des Drummer / Sängers, weil immer mehr Leute die Halle verließen, gingen auch wir hinaus in die kalte Frühlingsnacht – für Ende März war es noch mal bitter kalt geworden. Wir hatten genug für die ganze Heimfahrt zu reden, das Erlebte aufzuarbeiten. Die Lieder nochmals zu singen, die wir mit soviel anderen bei diesem magischen Ereignis singen konnten.
An diesem Abend wart ihr unsere Kings of metal

Danke Joey, Eric, Ross, Scott!
Danke für einen Abend den sowohl ich als auch meine Frau niemals vergessen werden.
By moonlight we ride tenthousand side by side