Konzerte





Informationen
Bandname: Queensryche
Ort: Kempten
Datum: 6. Juni 2006
Review-Autor:Bavarian Y&T
Punkte: 9 / 10
 
Review-Text
Wieder mal ein Gig, auf den wir uns mit viel Vorfreude auf den Weg gemacht haben. Und das an einem für Rockmusiker bezeichnenden Datum 06-06-06!
Nach ca. 1 1/2 Stunden Autofahrt waren wir in Kempten – und die haben da ein ganz nettes "Event-Center" mit Einkaufs-Passage nebendran hingestellt. Die Big-Box ist in der klassischen Art "Fernseh-Halle" gebaut, breiter als tief.

Angenehmes, modernes Ambiente in der Aula und in der Halle dann Gedränge vor der Bühne. Wie wir schon geahnt hatten waren fast alle der ca. 3.000 Besucher wegen Whitesnake da. Aber auch einige Rycher mit entsprechenden T-Shirts konnte man in der Menge ausmachen.

Pünktlich um 20:00 Uhr – wie sich das für einen "Opener" gehört – gings los mit dem Intro von Operation Mindcrime in sofortigem Übergang zu Revolution Calling. Mit ungeheuerer Wucht kamen die Drums – Scott Rockenfield begeistert mich immer wieder mit seinen gegenläufigen Drum-Parts – der Bass von Eddie Jackson und die Gitarren von Michael Wilton und Mike Stone aus den Boxen. Und dann war er auf der – leider vom Platz her sehr eingeschränkten – Bühne: Geoff Tate. Und er singt sich die Seele aus dem Leib – so wie ich ihn von den Concerten vorher kenne. Fantastisch.
Als nächstes Operation Mindcrime – dieses Album, dieser Titel-Track – eines der genialsten Stücke Rockmusik, die in meinen Ohren jemals veröffentlicht wurde. Theatralisch perfekt vorgetragen um nicht zu sagen inszeniert, musikalisch an den Instrumenten perfekt und sogar das Whitesnake-lastige Publikum macht begeistert mit.
Bei Suite Sister Mary ist sie endlich mit auf der Bühne – eigentlich gehört sie bei diesen Stücken ja zur Band - Pamela Moore IST Mary. Und liefert sich wie schon so oft dramatische Gesangsduelle mit Geoff!

Dann der Übergang zum neuesten Werk – Operation Mindcrime II. 18 Jahre nach Veröffentlichung von Operation Mindcrime nun also die Fortsetzung. Nachdem die letzten Studio-Alben der Band aus Seattle ja nicht mehr so vom Hocker rissen – ihre Concerte allerdings dank dem ‚Mindcrime-Set‘ immer Over-The-Top waren – endlich ein würdiger Nachfolger. Man braucht zwar – genauso wie bei OM – einige Zeit um in das Album ‚reinzukommen‘, bis sich einem die Stücke und die Stücke erschließen – aber wenn der Funken übergesprungen ist, dann hat es einen gepackt. Also weiter mit I’m American – wenn das mal wirklich eine Hymne wird (was ich doch stark glaube) dann haben Queensryche es mit diesem Stück geschafft, Menschen auf aller Welt sich zu Amerika zu bekennen. So wie einst beim Boss......

Danach Hostage das Live mit starker Präsenz der Gitarren aufwartete und so dem Song wirklich viel Power gab. The Hands und Signs Say Go waren zwei weitere starke Nummern von OM II – dieses Album steht dem Vorgänger in nichts nach!
Und die Vorstellung der Band und vor allem von Geoff Tate und Pamela Moore, die während dieser Tracks mal wild anflehend, mal inbrünstig vereint ein Gesangs-Duett nach dem anderen zelebrierten – auch der Rollstuhl durfte nicht fehlen, in dem Pamela Moore den ‚verrückt gewordenen‘ Geoff Tate umherschob und ihn bei seinen ‚Anfällen‘ beruihgte. Auch auf kleinem Platz wurde eine Super Show geboten.
Mit Eyes Of A Stranger als letztes Stück vom ersten OM-Album wurde nochmal richtig Gas gegeben. Schade, daß nach 8 Liedern und einer dreiviertel Stunde Spielzeit schon wieder Schluß war – aber dieser Auftritt verlangt nach mehr. Ich hoffe doch sehr, das der fünfer aus Sattle – mit Pamela Moore! – nächstes Jahr das komplette Programm nochmals hier auf unsere Bühnen bringt.

Unsere und die der wenigen anderen Queensryche Fans angestimmten Zugabe-Rufe wurden leider von den Whitesnake-Fans niedergepfiffen. Leider hat halt der Durchschnitts-Whitesnake-Hörer nicht unbedingt den größten musikalischen Horizont. Aber dazu noch später.

Nachdem wir uns erfrischt hatten und ein obligatorischen Queensryche-Shirt (leider auch hier die Auswahl nicht sonderlich groß – dafür aber von Whitesnake umso mehr) begaben wir uns wieder in die Halle, suchten uns aber diesmal einen Sitzplatz an der Außenseite. Jetzt seh ich Mr. Coverdale also schon zum dritten oder vierten Mal – und immer nur weil er irgendwie als Headliner halt dabei ist. Und überzeugt hat er mich bisher noch nie. So auch dieses Mal.

Als Opener kam der Deep-Purple Klassiker Burn – damit hatten sie in meinen Augen sowieso schon all ihr Pulver verschossen. Natürlich wurden alle Hits aus den 80ern gespielt – Crying in the rain, Slide it in, Guilty of love, Still of the night, Give me all you’re love, Is this love, Fool for you’re loving, Now you’re gone und noch einige andere in ungeordneter Reihenfolge.
Und immer mehr hab ich mich gefragt, warum ein "Vollblutmusiker" wie David Coverdale so unprofessionell auf der Bühne agiert. Mal trifft er den Ton nicht, mal das Mikro nicht und man hört gar nix. Mal bricht seine Stimme – ui ui ui. Seine Band war Klasse, alles hervorragende Musiker - vor allem Doug Aldrich und Reb Beach konnten an den Gitarren überzeugen.
Nach Ain’t No Love In The Heart Of The City – ein Klassiker der auch sehr gut rüberkam aber vom Publikum nur lahm mitgesungen wurde (da wär ich wieder beim Horizont) – war für uns Schluß. Eine Stunde Coverdale reicht vollkommen – und unsere Kiddies waren froh, das wir nicht so lange weg waren.

Alles in allem war es ein schöner Concert-Abend mit hervorragend spielenden Queensryche und ein mit Hits gespicktes Programm von Whitesnake.