Interviews / Presse





Informationen
Titel: Ross The boss Kerrang 1982
Datum: 1982
 
Text
Interview mit Ross the Boss
Herausgegeben von KERRANG MAGAZINE #22
Interviewer Steve Gett
Herausgegeben in 1982
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Während die amerikanischen Radiowellen von den sauberen, glatten Sounds von Bands wie Foreigner, Journey and REO Speedwagon (und unzähligen mehr!) beherrscht werden, ist es interessant das Auftauchen einer Band wie Manowar zu beobachten, die bei ihrem musikalischen Werdegang am Format des Heavy Metals festhalten.
Es gibt sehr viele gute hard-rocking Bands in den USA, die durch Bars und Clubs tingeln, aber nur selten schaffen es welche tatsächlich groß rauszukommen. Letztendlich liegt es daran, dass die Plattenfirmen sich davor scheuen Bands unter Vertrag zu nehmen, die nicht radiotauglich sind. Manowar hatten das Glück einen großen Plattenvertrag an Land zu ziehen. Trotzdem ist Ross the Boss mit der Musik Business in den USA deutlich unzufrieden.

„Jeder hat Angst!“, sagt er mit einer schweren Stimme voller Abscheu. „Die Plattenfirmen, aber auch die Radiosender, haben Angst. Ganz oben auf der Liste, sind es die Bands selber. Sie sind es nämlich die den Schaden anrichten und ich glaube, dass die heutige Generation gar nicht die Chance hat, das große Feeling des Rock n’ Roll zu entdecken.

„Wir haben keine Angst – wir scheren uns einfach einen Dreck drum!“ Es ist sicherlich anmaßend, aber wir nehmen einen unnachgiebigen Weg. Es ist unsere Mission!“
Das Feeling, das ich spürte, als ich Bands wie Cream oder die Yardbirds anhörte, war einfach unglaublich. Irgendwie müssen wir diese Momente an die heutige Generation weitergeben.

„Aber das Problem ist, dass viele Musiker faul geworden sind. Sie wollen lieber auf der sicheren Seite sein. Wenn dein Sound glatt, unaufdringlich und in das vorhandene Raster passt, dann bist du eben auf dieser sicheren Seite. Das Endergebnis ist eine Musik ohne „Gesicht“, gespielt von Bands, ohne eigene Identität und ohne Eier!“

Gewiss harte Worte, aber Ross the Boss kämpft seit vielen Jahren für seine musikalischen Werte. In den Siebzigern spielte er in einer Rockband aus New York „The Dictators. Am Ende der Dekade war er in einer französischen Band „Shakin’ Street“, die einigen von euch als Vorgruppe von Black Sabbath, während ihrer Tour durch die UK, bekannt sein dürfte.
Aber wie „The Dictators“ , kam diese Band nie groß raus und Ross the Boss wurde bald frustriert. Es war während der britischen Tour, wo der Axeman mit dem Bassisten Joey DeMaio, die Ideen für Manowar schmiedete. In dieser Zeit arbeitete Joey als Pyrotechniker.

„Er war der einzige aus New York und wir verstanden uns auf Anhieb!“ erinnert sich Ross. „In dieser Zeit fand ich heraus, dass er Bass spielte. Eines Tages hörte ich ihn in der Umkleide spielen und dachte mir Holy F---in Shit! Der Typ ist ja unglaublich! Und allmählich schmiedeten wir einen Plan – ich würde „Shakin Street“ verlassen, um mit Joey zusammenzuarbeiten. Ich wollte schon immer ein „ultimatives power Trio“ formen – eine Musiker Band. Sehen wir es so, meine andere Bands waren einfach nicht so. Bei Ihnen dachte ich immer, dass ich mich zurückhalten müsste – vor allem Live.

Die beiden arbeiteten sehr bald sehr hart an ihrem Projekt, welches den Namen Manowar erhielt. „Wir hatten das Gefühl, mit unserem Namen ein Statement abgeben zu müssen.“ Erklärt Ross. „Hätten wir es nicht getan, wäre es einfach nicht richtig gewesen. Beim Namen Manowar, wussten wir: das ist es! Manowar beschreibt uns, so wie wir sind.

Der nächste Schritt sollte sein, einen Sänger zu finden. Diese Stelle wurde mit Eric Adams besetzt, der früher als Metzger und Fleischer arbeitete! Ross klärt auf: „Wir waren ganz einfach der Meinung, dass seine Stimme so unglaublich klang und er damit der richtige Mann für den Job wäre. Seine Stimme war im Einklang mit unserem Spiel. Er war in der Lage einer solchen starken musikalischen Band gerecht zu werden, weil er ganz einfach singen konnte. Eric kommt aus der Selben Stadt wie Joey. Die beiden hatten früher schon in einigen Bands zusammen gespielt.

Nach dem klar war, dass Donnie Hamzik die Felle bearbeiten sollte, wollte Manowar nun ein Demoband aufnehmen. Als es fertig war, wurde EMI-America darauf aufmerksam. „Es war eine sehr rohe Aufnahme, die uns 250 Dollar gekostet hatte. Sie war aber gut genug, um die Songs vorzustellen und ein bisschen Interesse zu wecken. Letztendlich erhielten wir von EMI ein Demo-Budget und gingen zurück ins Studio. Danach nahmen sie uns unter Vertrag.

Ach ja, dieses Interview findet hoch über den Straßen in den schicken Büroräumen des Aucoin Managements statt. Diese Firma war (bis vor kurzem) für die Angelegenheiten der weltbekannten Rockband Kiss verantwortlich. Wie kam es dazu, dass sie sich um Manowar kümmerten?

Ross: „Bill (Aucoin) erhielt unser Demoband und es gefiel ihm sehr gut. Wir hatten Angebote von anderen Managern, aber am Ende haben wir uns für ihn entschieden, da er sich im Heavy Metal sehr gut auskennt. Er weiß wie eine Band vermarktet werden muss und ich schätze seinen Geschäftsverstand sehr. Ich glaube er wurde auf uns aufmerksam, weil wir originell waren und wegen unserem Statement. Unserem Gesamtkonzept eben. Wann genau wurde Bill mit der Band involviert?

„Er schaute während den Aufnahmen vorbei und tat viel für das Cover und der Graphik. In der Zwischenzeit ist er für die gesamte Produktion verantwortlich, genau so wie wir uns diese vorstellen und selbstverständlich für alle Geschäftsangelegenheiten.

Bill hat eine sehr eindrucksvolle Bilanz. Wie er aus Kiss eine Megaband formte, war ein brillanter Schachzug. Oft schaute man herab auf die „maskierten Wunder“ , aber egal wie man über ihre Musik denkt, muss man ihre Vermarktung bewundern. In weniger als fünf Jahren, wurden sie zu einer der reichsten Bands überhaupt. Aucoin möchte ohne Zweifel Manowar den Weg weisen. Es scheint seine Intention zu sein, Manowar als die HEAVY METAL Band schlechthin darzustellen – ohne jeglichen Firlefanz.

Ein kurzer Blick auf das Cover der ersten Platte „Battle Hymns“ ist hierfür ein unwiderlegbarer Beweis. Während die Frontseite einen mächtigen Kondor zeigt, der seine Flügel majestätisch spreizt, ist auf der Rückseite ein muskelbepackter Arm zu sehen, der ein Schwert hält. Da weiß man sofort, was man hat – dies kann unmöglich die neuste Scheibe von „Bucks Fizz“ sein!

Und was gibt es über die Musik zu sagen? Wie vorher schon erwähnt, spielt Manowar geradlinigen Heavy Metal. Mit Liedtiteln wie „Death Tone, „Shell Shock“ und „Dark Avenger“ würde man ja auch nichts anderes erwarten. Wenn wir Vergleiche starten müssten, dann denken wir an Sabbath in jungen Jahren oder andeutungsweise an Iron Maiden. Es gibt keinen Zweifel daran, das was Manowar tun, tun sie gut. Adams hat eine sehr kräftige weitreichende Stimme und das Gitarrenspiel von Ross the Boss ist sehr lobenswert. Aber die Produktion, welche sie selbst in die Hand nahmen, lässt zu Wünschen übrig.
Was hatte sie veranlasst, die Sache selber in Angriff zu nehmen?

„Nach der ganzen Zeit, in der ich viele Alben gemacht hatte und mich als Opfer von Produzenten fühlte, dachte ich, dass wir es selbst machen sollten,“ gibt Ross an, „und ich glaube, dass es gut funktioniert hat.“

Leider muss ich ihm in diesem Punkt widersprechen. Ich möchte ja kein schlechtes Feeling verbreiten oder Ross provozieren, aber das nächste Mal sollte sich Manowar eines Außenstehenden bedienen. Martin Birch oder Eddie Kramer könnten Wunder für die Band vollbringen.

Während „Battle Hymns“ eben erst auf den Markt gekommen ist, machen sich Manowar bereits über das nächste Album Gedanken. Ross: „Stufe 2 für die Band ist bereits geplant. Wir haben Musik auf Lager, die diese wie „Mary Poppins“ aussehen lassen wird. Wir gehen im Oktober nach Großbritannien. Vielleicht auch eher, wenn wir die Chance bekommen auf dem Reading Festival zu spielen. Danach wird die Scheibe aufgenommen.“

Zurück zu „Battle Hymns“. Einige Filmfans werden sich für den Auftritt vom legendären Orson Wells beim Lied „Dark Avenger“ interessieren. Wie konnten sie den „King of Sherry“ dazubewegen auszuhelfen?

„Wir brauchten eine eindrucksvolle Stimme,“ erklärt Ross, „und wir dachten uns, dass es hierfür nur einen Mann auf der Welt geben würde. Wir setzten uns mit seinem Manager in Verbindung und schickten ihm eine Kopie des Liedtextes. Orson fand es genial und stimmte zu. Er kam ins Studio und war bereits nach 20 Minuten fertig (eben ein wahrer Profi). Er hat danach ein weiteres Lied aufgenommen.

Zu diesem Zeitpunkt spielt Manowar lediglich in ein paar Clubs, während sie in Florida das Album aufnehmen. Bald jedoch, werden sie on Tour mit Ted Nugent sein. Ross behauptet, dass seine Band, die lauteste der Welt ist (gähn) und wir können gespannt sein, was „The Nuges“ Antwort darauf sein wird.

„Warten wir es ab – wir sind auf jeden Fall bereit. Das es am Anfang hart werden könnte, darauf sind wir eingestellt. Das einzige was zählt ist, dass die Band spielen darf – das ist alles was uns interessiert. Für Manowar ist das Live Auftreten die höchste Ehre für einen Heavy Metal Musiker. Die Bühne ist heiliger Boden. Viele Musiker nehmen diese Tatsache auf die leichte Schulter. Sie denken sie tun den Leuten einen gefallen, sind aber mehr mit dem Verkauf ihrer T-Shirts beschäftigt. Ich kann dir sagen, während den Gigs in Florida waren wir dabei die Dächer der Clubs abzudecken. Es war dermaßen eindrucksvoll. Und mit den Frauen sind wir auch gut ins Geschäft gekommen.

Nein, nein, nicht eine weitere „Rods“. Bei der Erwähnung von Rock Feinsteins Vorliebe für „wimmin“ (Frauen) macht sich ein seltsamer Gesichtsaudruck bei Ross breit.

„“The Rods“ beanspruchen Frauen für sich?“ Dann lass dir mal was gesagt sein (jetzt geht’s los!). Wenn die Frauen beanspruchen, beanspruchen wir Allahs Harems, wenn du weißt, was ich meine. Manowar ist eine männliche Band, die auf Männlichkeit basiert – glaub’s mir!“

Eine sehr kuriose Terminologie. Was bedeutet eigentlich Männlichkeit?

Die Männlichkeit ist in diesem Land verloren gegangen. Es ist aber die Gesinnung, die wir haben. Für mich sind viele ethische Grundsätze des Heavy Metal verleugnet worden. Heavy Metal ist die mächtigste Musik auf dieser Welt – es ist die Herrlichste, neben Klassik. Großer Metal wird nie sterben!“