Interviews / Presse





Informationen
Titel: Loud Hailing!
Datum: 1984
 
Text
Interview mit Joey DeMaio und Ross the Boss
Herausgegeben von KERRANG MAGAZINE #61
Interviewer Malcome Dome
Herausgegeben in 1984
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Loud Hailing!

Die Ventile speien. Die Boxen verformen sich. Der Höhenregler zittert. Der Bassregler pulsiert.

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, als der Photograph, Ray Palmer, und ich in Begleitung von Manowar Gitarrist, Ross the Boss, und Bassist, Joey DeMaio, durch die Vergnügungen von New York in dessen feurigem Kampfwagen der schwarzen Rache fuhren (eigentlich war es der niedliche rote Sportwagen seiner Freundin). Während wir heiße Schokolade tranken, Unmengen Pizza und Austern aßen und dem Video des gerechten Excalibur huldigten (oder in Ray seinem Fall, davor einzuschlafen), wurden wir mit einem brutalen Playback des neuesten Manowar Opus „Hail to England“, beglückt.

Endlich, während die durchbohrenden Töne vom letzten Lied des Albums, „Bridge of Death“ ausklingen, dreht sich Joey DeMaio auf dem Beifahrersitz um und stellt die gefürchtete Fünfwort-Frage: „Und, was meinst du dazu?“ Für einige Sekunden verdunkelt die Stille den Horizont. Dann ertönt Palmers wohlklingende Stimme...

„Ich denke es ist genial. Um ehrlich zu sein, ist wahrscheinlich das beste Heavy Metal Album, das ich in den letzten 2 bis 3 Jahren gehört habe.“

Ich atme mit Erleichterung durch, da meine Meinung, die des ehrwürdigen Betrachters entspricht. Wenn Metallica „Tod“ bedeuten (vergleiche hierzu Ausgabe 48 für eine Erklärung dieser seltsamen amerikanischen Umgangssprache) dann bedeuten Manowar „Massenmord“. In anderen Worten, spalteten sich bei „Into Glory Ride“ die Balken, dann hinterlässt „HTE“ das Haus auf wahrhafte „Samsonische Art“ (nicht nach Paul, sondern im biblischen Sinne) in Schutt und Asche.

Während diesem Wortschwall der Superlative, blitzt ein kleines Grinsen über DeMaios Gesicht und sein eiskalter Griff auf dem breiten Schwert lockert sich. Jawohl, diese beiden „Kerrangsters“ sind noch einmal davon gekommen, statt als amüsantes Fressen für die Krieger des Todes zu enden...

Also gut, genug mit diesem Wahnsinn. Zurück zu den Fakten. „Hail to England“ wurde in nur 12 Tagen (die Kosten betrugen weniger als 20.000 Dollar) in den Phase One Studios in Toronto unter der Regie vom Produzenten, Jack Richardson, aufgenommen.

„Ich sag’s ganz offen zu dir,“ gibt DeMaio, während die Dämmerung über den New Yorker Stadtteil Queens hereinbricht, zu. „Diese Scheibe ist die Erste wirklich Gute, die wir aufgenommen haben.“ Wir haben eine Widmung auf der LP hinterlassen, worauf steht „Jack Richardson is God“. Und genau so denken wir über ihn. Er ist 54 Jahre alt und hat uns wie seine Söhne behandelt. Er hat für uns vier Bandmitglieder gekocht und uns durch sämtliche Stadien der Aufnahmen geführt.“

Eigentlich wollten wir, dass Jack unser erstes Album produziert, aber wir bekamen ihn nie zu fassen. Wir sind mehr als zufrieden wie alles mit ihm lief.

Es ist seltsam wie sich die Dinge ereignet haben. Anfangs wollten wir wieder mit Jon Mathias arbeiten, derjenige der „Into Glory Ride“ aufgenommen hatte. Er ist ein Freund von uns und er hatte uns erzählt wie sehr er das neue Album aufnehmen möchte. Als die Zeit für die Aufnahmen herannahte, kontaktierte ich ihn. Er sagte: „Yeah, ich bin dabei, ruf meinen Manger an und mach alles mit ihm klar.“ Also rief ich Jons Manager an und er fragte mich: „Ok, gut, wie viel an Vorschuss könnt ich zahlen?“ Als ich ihm sagte, dass wir kein Geld hatten, sagte er wortwörtlich: „Jon ist nicht interessiert“ und legte auf.

Ich habe nichts gegen Jon, er ist immer noch ein guter Kumpel, aber es war klar was passiert war. Er hatte sich einen Manager geholt, der ihm gesagt hatte, ja nichts ohne pünktliche Bezahlung zu übernehmen, egal wie freundlich er mit den involvierten Typen auskam. Es scheint, dass sich derzeit jeder einen Manager holt, der dessen Karriere vermiest. Bald verlierst du all deine Freunde und stehst alleine da. Wenn das passiert, dann lässt dich dein Manager mit der Begründung hängen, du würdest kein Geld mehr verdienen und du plötzlich stehst ohne alles da. Es ist uns mit Bill Aucoin so ergangen. Darum verstehe ich die Versuchung, jemanden zu holen, der das Geschäftliche übernimmt, aber auch dessen Gefahren. Aucoin hat uns fast vernichtet.

„Egal, so wie es sich herausstellte, war Jack eine fantastische Wahl. Wir arbeiten sehr schnell im Studio. Wir gehören eben nicht zu den Bands, die am Drum Sound immer und immer wieder herumbasteln. Für uns zählt Spontaneität. Und wir wollen keine wertvolle Zeit im Studio damit vergeuden Arrangements auszuprobieren. Das meiste Zeug fürs Album war schon fast ausgereift lang bevor wir ins Phase One gingen. Der Besitzer, Doug Hill, erzählte uns schreckliche Geschichten, die passierten als Anvil „Forged in Fire“ dort aufnahmen.

Anscheinend haben die alleine fürs Studio 140.000 Dollar hingeblättert, damit sie es 6 Wochen lang Tag und Nacht benutzen konnten. Und, was haben sie gemacht? Sie kamen gegen 3 Uhr nachmittags an und rauchten ein bisschen Dope. Danach fragte einer: „Und wer hat Lust, heute mal was zu arbeiten?“ Kein Wunder, dass „FIF“ so schlecht wurde.

Für uns zählt die Musik. Wir glauben an bestimmte Werte und halten an diesen fest - ohne jeglichen Kompromiss. Manowar versucht 6 bis 10 minütige Symphonien zu kreieren, die technisch aufwändig sind, im Gegensatz zu simplen Riffs. Ich bin ein großer Fan von Ennio Morricone (Komponist von Soundtracks zu Filmen wie „Für eine Handvoll Dollar“ und „Zwei Glorreiche Halunken“). Ich höre mir sehr gerne seinen dramatischen orchestralen Stil an und hoffe, dass Manowar etwas davon auf dem neuen Album einbringen konnten.

„Unglücklicher Weise scheint heutzutage das Image wichtiger zu sein, als die Musik. Schau dir die Szene in Los Angeles an. Dort sind die Menschen eher damit beschäftigt pfundweise Haarspray zu versprühen, unzählige Schichten von Make Up aufzutragen und an den richtigen Stellen zu posieren, als sich mit richtigem Heavy Metal auseinander zu setzen. Sei mal ehrlich, kann man dieses Bands als Heavy Metal Bands bezeichnen? Es gibt eine einzige Band in L.A. für die ich mir Zeit nehme. WASP, weil sie eine Attitüde aufweisen, welche richtig zu sein scheint.

Diese massiv entschlossene Einstellung hat viele potentielle Verbündete von Manowar in der Musikindustrie entfremdet. Die Band wird allerdings steinhart bleiben, damit nichts zwischen ihnen und ihren Prinzipien kommt – koste es, was wolle.

„Logisch, wollen wir einen großen Plattenvertrag, aber zu unseren Konditionen“, behauptet DeMaio.

„Hail to England“ könnte das Album sein, das der Welt zeigt, dass Manowars erschütternd extreme „heaviness“ eine rosige Zukunft besitzt. Mit Sicherheit könnten solche Lieder wie das „Schockwellen Shanty“ Titellied (mit 20-köpfigem Chor im Hintergrund), „Bridge of Death“ („der ultimativ satanistische Song,“ so der Bassist. „Dieser Song geht einen Schritt weiter, als Venom und Mercyful Fate. Hoffentlich, toppen sie ihn, um uns zu zwingen mit einem noch verblüffenderen Stück aufzuwarten!“) und DeMaios faszinierendes Solo auf „Black Arrows“ (Ich spielte es in einem Stück auf einem Piccolo Bass, der eine Oktave höher gestimmt war, als ein üblicher Bass), die Menschen von der unbestreitbar vorzüglichen Leistung der Band überzeugen.

Aber der Titel des Albums „Hail to England“ könnte sich doch als politisch einschränkend erweisen?

Das interessiert mich nicht. Jetzt schau mal, der Grund weshalb wir das Album „Hail to England“ nannten ist der, dass wir mit den Menschen sein wollten, die mit uns sind. Als „Battle Hymns“ herausgebracht wurde, wurden wir von den Idioten bei Capitol Records fallen gelassen, weil sie keine Ahnung hatten, wie sie uns vermarkten sollten. Wir würden für tot erklärt und wären vermutlich auch eingegangen, hätten wir den Support aus England nicht erhalten. Die Presse dort, besonders „Kerrang!“, hielt uns am Leben. Wir schulden unsere Existenz den englischen Heavy Metal Fans und dies ist unser Weg, ihnen allen zu danken.

„Sollten wir groß rauskommen, dann wird es in England beginnen. Manowar gilt bereits bei vielen Amerikanern als eine englische Band und der einzige Weg nach vorne führt von England aus. Um ehrlich zu sein, können wir es kaum erwarten dort unsere nächste Tour zu starten. Es wird der aufregendste Punkt in Manowars Karriere sein.

Die Tour durch die UK ist nicht ein Trittstein, sondern eher als ein „make it or break it event“ anzusehen. Einige gute Konzerte, könnten ihre Zukunft sichern. Ein Versagen dagegen ist in DeMaios Augen unvorstellbar.

„Wir haben schon so viel darüber geredet, wie gut wir Live sind und nun sollen die Fans die Möglichkeit bekommen beeindruckt zu werden. Das einzige was ich zu den Kids sage ist, kauf ein Ticket und check uns out – erfüllen wir deine Erwartungen nicht, dann hast du das Recht uns zu sagen, dass wir dein Land auf Nimmerwiedersehen verlassen sollen.

Wir wissen ganz genau wie lebenswichtig diese Tour für uns ist und wir stecken gemeinsam auch alles hinein, um Erfolg zu haben. Wir machen gerade Body Building mit dem früheren Mr. New York und unser PA System wird eine 50K Ausrüstung sein. Ich verspreche euch, dass die Lautstärke auf der Bühne bis zu 160 Dezibel sein wird (lauter als die Landung einer Concorde)!“