Interviews / Presse





Informationen
Titel: Der Heilige Krieg
Datum: 1983
 
Text
Interview mit Joey DeMaio und Ross The Boss
Herausgegeben von: METAL FURY MAGAZINE #19
Interviewer : Paul Palmer
Herausgegeben in: 1983
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Der Heilige Krieg
Wenn du glaubst, dass Sabbath völlig abdrehen kann, dann solltest du dir mal diese Jungs reinziehen. WOA! Mächtiges Zeug! Nein. Das reicht nicht – Mega PPOOOWWEERRFFFUUUUL!
Das ist viel besser. Man stelle sich vor, San Fransisco würde bei einem Erdbeben in Schutt und Asche versinken, das wäre eine etwas präzisere Beschreibung. Eigentlich, wenn ich darüber nachdenke, reicht nicht mal das aus, aber ich denke ihr habt’s kapiert.

Und anscheinend habt ihr britischen Headbanger die Botschaft wirklich verstanden. Und warum zum Teufel auch nicht. Als MF in Druck ging, landete Manowars Album in den britischen HM Charts auf Platz 5 – alles andere wurde aus dem Weg gefegt. Das ist mit Gewissheit nur ein Anzeichen, dass Manowar ein weiteres Stück gottverlassene Erde erobern will, um schlussendlich alles zu beherrschen. Und eins ist sicher, wenn das vollzogen ist, wird es keine „Wimps“ oder „Poser“ mehr geben.

Aber um abzuschließen, konnte ich die Jungs natürlich nicht gehen lassen, ohne sie ein bisschen von der Seite an zu labern. Außerdem ist ja ihr Pressevertreter im Raum anwesend, so durfte ich wohl auf der sicheren Seite sein – ich hoffe es zumindest. So lieber Joey, was würdest du tun, wenn dich einer auslacht?

„Lass mich es mal so sagen. Wenn dich einer auslachen würde, wie lange würdest du zusehen? Wenn einer lacht ist das schon in Ordnung, aber eigentlich würde ich hoffen, dass sie uns ernst nehmen und uns zuhören, was wir zu sagen haben und was wir vorhaben.“

Die Menschen haben eine ganz einfache Wahl. Wir können ihre beste Freunde oder ihre schlimmsten Feinde werden. Es liegt an ihnen.“

Ich verließ sie in Eile, sicherte ihnen aber zu, dafür zu sorgen, dass ihr Album in England gut ankommen würde. So liebe Leser (niemand kauft dieses Magazin, wenn er nicht lesen kann – Anm. Red.), ich flehe euch an. Geht los und kauft das Album. Ich glaube nämlich nicht, dass ich noch so eine Schwert wetzende Session mit dieser Band überstehen würde. Ich meine, ich bin ja noch jung. Ich will nicht sterben müssen. Warum konnten die eigentlich nicht Pippa das Interview machen lassen…?

Langsam lichtete sich der Nebel. In der Ferne, hinter einer kleinen Ansammlung von Bäumen, näherten sich vier Reiter. Bekleidet in Felle und Leder, ritten sie vorsichtig durch das trübe Wasser, die sprudelnde Stellen, die unbekannte Gefahren enthielten, sorgsam vermeidend. Die noch schwache Sonne wurde im brillanten Stahl ihrer mächtigen Schwerter reflektiert und manchmal wurden ihre dekorierten Torsos durch das blubbernde Wasser vergrößert. Die Aura von Macht und Stärke, die die Männer umhüllte, war ein Beweis, dass sie es ernst meinten…

Als sie näher kamen, ritt einer von ihnen nach vorne. Das Schwert hoch in der Hand gehalten, galoppierte er mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit auf uns zu. Im Einklang mit dem monotonen Gesang seiner Kameraden, begann der einsame Reiter einen Eid zu sprechen, seine Stimme die finstere Stille der Dämmerung durchbrechend.

„Wir kämpfen bis zum Tode. Bis zum letzten Mann. Bis zum letzten Atemzug. Death to False Metal. INTO GLORY RIDE.“ Danach drehte er seinen steigenden Hengst um, salutierte seinen Kameraden und gemeinsam verschwanden sie im Nebel, genauso schleierhaft wie sie erschienen waren... Während der Nebel sie verschluckte, schien es so, als ob sich der Sprecher noch mal umdrehen und zurück schauen würde. Im Halblicht stand er da, gottähnlich, darauf wartend was jeglicher Hass bringen würde, bereit jeden Feind zu bekämpfen, der sich in seinen Weg zu stellen wagte… Sein eiskalter Blick ließ darauf schließen, dass wir diesen Mann wieder sehen würden…

Ein paar Wochen später, war euer unerschrockener Schreiberling auf dem Weg zu dem wohl erschreckensten Interview seines Lebens. Der durchschnittliche New Yorker war sich nicht bewusst, dass das Böse am ausbrechen war, er machte einfach so weiter wie bisher. Ich wusste es aber besser. Sie wissen es nicht, aber diese zwei Gentlemen im Office in Broadway sitzend, sind nicht einfach irgendwelche Typen. Nein, nein. Das ist nur mehr als wahr.

Joey DeMaio und Ross the Boss sind nämlich zwei des pelzigen Quartetts, die vor ein paar Wochen ihre Terror Campagne an dem kalten Morgen begannen. Joe, der heute mit normalen Klamotten bekleidet ist, ist der Anführer der neuen amerikanischen Hard Rock Band Namens Manowar. Er war es der diesen glorreichen Gesang über True Metal begonnen hatte. Der eiskalt dem Rücken herunter laufende, Angst einflössende, Schädel brummende Gesang, der sogar die Schafe erschrocken hatte. Schweißperlen trieften auf meiner Stirn hinunter wie fette Regentropfen, als ich Joey fragte, was das Ganze Gerede von Real Metal eigentlich bedeuten sollte?

„Es ist sehr einfach“, fängt er an. Mein Gott, seine Stimme klingt ja normal. Kein seltsamer Ton, obwohl ich hätte schwören können, dass mein Aufnahmegerät am Schluss des Interviews gequalmt hatte. „Als eine Gruppe glauben wir wirklich an das was wir tun. Wir haben nun ein Ziel und eine Gemeinsamkeit, welche keiner von uns zuvor hatte. Das ist für jeden von uns etwas Besonderes.“

„Was das in einer Band anrichten kann, ist sehr einfach. Es macht uns zu eins, wie eine Armee. Für viel zu lang haben wir zugeschaut, wie man die Menschen übers Ohr gehauen hat und - das stinkt. So haben wir uns entschlossen etwas dagegen zu tun.“

„Zum ersten Mal im Leben spiele ich nun mit Menschen, die ihre Musik lieben, ihre Instrumente beherrschen und einen ganzen neuen Sound kreieren können. Es tat uns einfach weh, als wir die ganzen Amateure anschauen mussten und die Zuschauer, die diese Musik wie Schwämme aufsogen, anstatt ein Teil des Ganzen vom dem was wirklich geschah, zu werden.“

„Das ist unser Motto. Wir müssen die Poser loswerden, die Menschen, die mit dem ganzen Schmutz hausieren gehen. Die teure Lightshows und Effekte vieler Bands ist ein Hohn, ein Zerrbild. Das wollen wir nicht. Anders als andere Bands, beherrschen wir unsere Instrumente, und das ist alles.“

Sehr heftige Worte und in der Tat sieht Joey von meiner Warte aus, wie ein sehr heftiger Typ. Als er mir seine Hand gab, dachte ich, dass meine Tage als Schreiber vorüber waren, solche Macht war in diesem Handschlag zu spüren. Riesige Muskeln sind ja „in“, aber diese Typen haben eher die „Schlag-drauf“, statt antrainierte Muckis.

Also, was hatte die ganze Verkleidung auf sich. Manowar ist doch auch ohne diese ganzen Pelze finster genug, oder?

„Es gibt nichts Böses an Manowar. Das will ich gleich mal klar stellen. Es gibt viele Bands, die sich im Bereich der dunklen Seite von Mythos und Legenden weitaus mehr bewegen, als wir. Von all den verschiedenen Mächten, die auf der Welt präsent sind, repräsentieren wir keine der dunklen Seite. Wir glauben an die Vormachtstellung des Guten gegen das Böse.“

„In Bezug auf die Kostüme wurden wir in den Staaten beschuldigt, den Film „Conan“ kopiert zu haben. Das war aber nicht der Fall. Wir hatten schon viel früher, als die Filmemacher, die Idee zu diesen Charakteren.

„Diese Kostüme bringen uns zu einer breiteren Ansicht über das was unsere Musik bedeutet. Sie repräsentieren unsere innersten Gefühle. Wir müssen alle arbeiten, wir müssen uns verbinden, um von unserer Union einen Nutzen zu haben. Wir müssen die Helden in uns selbst finden und das Gute durch unsere Musik preisgeben bzw. jeder von uns auf die für ihn einfachste Art und Weise.“

„Wir wollen animalischer werden. Näher zu einer mächtigen Form der Gerechtigkeit. Du brauchst nicht daran zu zweifeln, dass wir unsere Schwerter, um uns oder unsere Familien zu schützen, einsetzen würden.

Die Rechtfertigung hierfür steht in der Bibel: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Was könnte gerechter sein. Wir haben keinen negativen Ausblick, denn das würde unsere Sinne trüben. Wir sind diejenigen, die den Tag retten, die ihre Schwerter für das Gute einsetzen, die ihre Macht benutzen, um zu intervenieren dort und wann wir es tun müssen. Es gibt keine schwachen Glieder im Konzept von Manowar.

So langsam war ich erstaunt. Diese Jungs waren nicht der Haufen von Glam Rock Posern, die ich erwartet hatte, da war etwas anderes da, etwas Besonderes aus der Matrize der Rock ‚n’ Roll Fantasie. Plötzlich und auf einmal hatte ich eine schreckliche Einsicht. Ich wusste um was es bei Manowar ging. Wie anders sie waren - Angst einflössend. Lieber Gott, dachte ich mir. Diese beiden glauben tatsächlich an das was sie tun. Mutter, hilf mir. Sie meinen es ernst. Der New Yorker Himmel schien sich zu verdichten und die Luft wurde schwer. Ich machte mir Sorgen. Manchmal hört man ja schlimme Dinge…

Als wir über das Album „Into Glory Ride“ sprechen, wird klar, dass Joey die Scheibe sehr ernst nimmt und das zu Recht, wie ich bemerken darf. Was immer du über Manowar denkst, ihre Musik geht unter die Haut. Als ich mir die Scheibe zu Hause anhörte, beschwerten sich die Nachbarn und die Stadt wollte die Straßen evakuieren. Und ich habe immer noch 24 Stunden am Tag Polizeischutz, um zu verhindern, dass hysterische Metal Maniacs mir die Scheibe entreißen, bevor sie offiziell auf den Ladentisch kommt.