Interviews / Presse





Informationen
Titel: Die Geschichte von Manowar in Joey DeMaio's Worte
Datum: 1987
 
Text
Interview mit Joey DeMaio
Herausgegeben von METAL HAMMER
Interviewer David Ling
Herausgegeben in 1987
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Die Geschichte von Manowar in Joey DeMaio's Worte

Die Geschichte von Manowar ist eine lange und stürmische, mit vielen Hochs und Tiefs. Man huldigte sie als die lauteste Band auf der ganzen Welt. Sie gingen sogar soweit, dass sie ihre Verträge mit ihrem eigenen Blut unterschrieben haben. Sie wurden von drei Plattenfirmen missverstanden, verspottet von der Musikpresse wegen ihrem Gothic Image und ihrer „no compromise“ Einstellung, Manche würden sagen es grenzt schon an ein Wunder, dass sie immer noch Platten aufnehmen. Hier erzählt Bassist Joey DeMaio die Geschichte der Band, vom ersten Tag an, als sie sich entschlossen hatten „Gegen die Welt zu kämpfen (Fighting the World).“

DER METALLISCHE BEGINN
„Ich habe unseren Gitarristen Ross the Boss im April 1980 in der Newcastle City Hall zum ersten mal getroffen. Ich habe als Pyrotechniker für Black Sabbath gearbeitet und war dabei Geezer Butler mit seinem Bass Equipment auszuhelfen. Ross the Boss spielte in der Vorgruppe „Shakin’ Street und als ich zum Mischpult ging um sie mir anzuhören, dachte ich mir was für eine beschissene Band. Die hatten echt talentierte Musiker, aber als Band passten sie einfach nicht zusammen. Ross the Boss spielte live eine Höllengitarre und gab einfach alles. Später Backstage hat uns dann Ronnie James Dio miteinander bekannt gemacht, da wir beide Amerikaner waren. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und ich sagte zu ihm: „Du bist echt ein geiler Gitarrist, komm’ lass uns was zusammen auf die Beine stellen.“ Eric Adams kannte ich schon mein ganzes Leben lang und deshalb gab es nie einen Zweifel wer Sänger werden sollte. Unseren ersten Schlagzeuger Donnie Hamzik haben wir durch einen Techniker in Florida kennen gelernt.

DER ERSTE GIG
Ich kann mich sehr gut an unseren ersten Live Auftritt erinnern und die Besitzer des Lokals wohl auch. Der Laden hieß „Summers on the Beach“ in Fort Lauderdale, Florida und es war im Juni 1982. Wir hatten bereits unser erstes Album „Battle Hymns“ aufgenommen und wollten ein paar warm-up Gigs spielen. Wir waren dermaßen heiß auf den Gig, da wir schon 2 Jahre zusammen waren und noch nie Live gespielt hatten. Also haben wir unser frisch gekauftes Equipment mitgebracht und aufgebaut. Es sollte zuerst eine Band spielen, dann wir und dann wieder die Erste. Nach unserem Soundcheck kam der Manager zu mir und sagte, dass sie uns nicht spielen lassen wollten. Ich sagte: „Ich kann’s ihnen nicht verübeln.“ Der Gips hatte sich gelöst und die Frontscheiben waren kurz davor zu zerspringen. Danach kam der Typ auf mich zu und sagte, „das war das Beste war ich je gesehen habe…aber denkt nicht daran zurückzukommen“. So waren wir nach unserem ersten Gig Manowar.

RATTEN VERLASSEN DAS SCHIFF
„Nach dem das erste Album im Kasten war, sollten wir 1982 auf dem Reading Festival spielen. Wir wurden aber von EMI verlassen und hatten keine Kohle. Ratten verlassen immer ein sinkendes Schiff und so wurden wir nach dem die Plattenfirma uns fallen ließ, auch noch von unserem Management und der Agentur im Stich gelassen. Wir standen alleine und ohne Freunde da, bis auf die Fans die das Album mochten und der englischen Musikpresse – und das ist kein Witz. Jeder sagte uns, dass wir es stecken sollen, aber ich schaute all die untalentierten Versager an und dachte mir „warum WIR – die sollen doch aufhören“. Das alles war Grund genug um weiterzumachen und die Scheiße aus dem Weg zu räumen. Unser „Death To False Metal“ Motto kam zur Zeit des zweiten Albums heraus. Wenn du dir das Innere der Plattenhülle durchliest, dann weißt du worüber ich spreche. Scott Columbus übernahm das Schlagzeug auf dem zweiten Album. Herausgebracht von Music For Nations. Zu der Zeit waren einige kleine Plattenfirmen an uns interessieret – MFN schien das Beste zu sein. Zur damaligen Zeit hatte ihr größtes Album jedoch lediglich 5000 Exemplare verkauft. Sie waren ein sehr kleines Label, wobei sie nun ein großes kleines Label sind. Manowar hat bereits am ersten Tag 5000 Alben verkauft. Wir waren gerade auf unserer ersten Tour durch Großbritannien. Es war eine grandiose Tour - ein Traum wahr geworden. Es war fantastisch in den großen Hallen, wie Hammersmith Odeon, aufzutreten. Jeder der kam, war wegen Manowar dort. Wir wissen sehr wohl, dass wir nie vor einer riesigen Menge Leuten auftreten werden. Wir wissen auch, dass wir nicht jedem gefallen. Wir werden nie eine Woche lang im Hammersmith auftreten – die breite Masse ist nicht unser Ding. Wir sind jedoch nach sieben Monaten zurückgekommen und die Menge war ein wenig gewachsen.“

DIE 10 DEBAKEL
„Da „Into Glory Ride“ und „Hail to England“ jeweils ein Erfolg waren, sind wir zu 10 Records gewechselt. Wir haben die Scheibe „Sign Of The Hammer“, die wir für sie machten zur selben Zeit wie „Hail To England“ aufgenommen. Wir hielten die Songs jedoch auseinander. Die Alben waren sich sehr ähnlich, aber man konnte sehen, dass unsere Musik gewachsen war. Wir wollen stets versuchen in den Schranken des True Metal zu expandieren und zu wachsen. Die Firma schien uns verpflichtet zu sein. Allerdings ist nicht immer alles so wie es aussieht. Die „All Men Play On 10“ Single hatte eine besondere Hülle, weshalb sie höhere Tantiemen von uns verlangten. Ohne irgendwas zu investieren haben sie dann Manowar fallen gelassen. Um zu zeigen, was das für ein Haufen Versager sind, muss man sich mal anschauen was die mit der Karriere von Gary Moore gemacht haben. Ein brillanter Künstler wie er – ich hoffe ihr versteht mich richtig, ich mag alles von ihm, sein Songwriting und sein Gitarrenspiel – und die haben überhaupt nichts für ihn getan. Warum investieren sie kein Geld und machen ihn in Amerika bekannt? Und schau dir den Witz mit Warrior an. Sie haben eine halbe Million Dollar für sie ausgegeben, aber nur Hunderttausend für uns. Sie haben vielleicht weltweit 5000 Alben verkauft, Manowar dagegen hat 100.000 ohne jegliche Promotion geschafft. Du musst verstehen, dass es schon schwierig ist, wenn man ständig gegen die gesamte Welt ankämpfen muss. Es ist nicht leicht, aber ein paar F**kers müssen es tun.

ÜBER DEM ATLANTIK
„Wir kamen aus Amerika zurück und entschlossen uns, dass wir nun eine Firma mit „Eiern“ brauchten. Jason Flom von Atlantic hatte Twisted Sister unter Vertrag genommen und das war Beweis genug. Ob du nun Twisted Sister magst oder nicht, du musst zugeben, dass sie eine sehr ausgefallene Band sind. Er hat uns live gesehen, fand uns gut und nahm uns für zehn Platten unter Vertrag. Das Beste daran ist, dass wir nicht schon wieder bei einer halblebigen Firma landen wollten. Wir waren auf dem Weg die Sache so zu machen, wie wir es wollten. Sie ließen uns das neue „Fighting The World“ Album produzieren und digital aufnehmen und zu dem noch das Frontcover gestalten. Sie sind eine richtige Firma – sie stehen hinter uns. Nach fünf Alben ist das ein gutes Gefühl.“

ZURÜCK IN EUROPA
„Manowar wird spät im Mai oder Anfang Juni zurück in England sein. England hat die Band auf die Beine geholfen und wir werden dort jedes Jahr spielen. Wir haben ein besonderes Gefühl in unseren Herzen – es ist wie ein Nachhausekommen. Im Lied heißt es „We met on English ground“ (wir haben uns auf englischem Boden getroffen). Das ist wo ich Ross kennen gelernt hatte und es ist eine besondere Stelle für uns. Wir werden dort immer spielen und wenn das irgendeinem F**ker nicht passt, dann soll er verrecken. Es ist mir Scheißegal, ob uns dort fünfhundert, oder zweihundert, ja sogar einhundert Menschen sehen wollen, wir werden dort immer spielen. Und obwohl ich nichts verraten werde, kann ich euch sagen, dass wir einige Überraschungen auf Lager haben.