Interviews / Presse





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Titel: HeavyHardes interviewt Karl Logan
Datum: 26 Februar 2005
 
Text
Im Rahmen ihrer Pressekonferenz am 20.02.2005 präsentierten die Kings of Metal die geplante Open Air Show für das Earthshaker Festival in Geiselwind. Dabei konnte ich Gitarrero Karl Logan auch direkt befragen, wie es sich denn so mit nur einer Gitarre lebt und über was man mit Christopher Lee so alles plaudern kann.

Interviewer: Karl, ihr werdet im Sommer als Headliner beim Earthshaker Festival auftreten. Wie Joey auf der Pressekonferenz erzählt hat, kam er selbst nach Geiselwind und hat sich von der Qualität und der Begeisterung der Organisatoren ein Bild gemacht. Wie hat er euch dann überzeugt?



Karl: Nun, ursprünglich wollten wir in diesem Jahr überhaupt keine Konzerte spielen. Aber vom Earthshaker Festival mussten wir nicht mehr großartig überzeugt werden. Wir sind schon seit zwei Jahren nicht mehr aufgetreten, also ist jeder von uns extrem scharf drauf, wieder auf der Bühne zu stehen, wenn alles passt. Als Joey uns die Konzepte der Familie Strohofer vorstellte, diese Professionalität und diese Ehrlichkeit, konnten wir diesen Gig einfach nicht ablehnen. Immerhin gibt uns das die Gelegenheit, mit jemand zusammenzuarbeiten, der genauso viel Wert auf Professionalität und Qualität legt wie wir. Wir haben eine sehr gute Beziehung zu unseren Fans, und die Strohofers wollten eine Band, die genau das zu bieten hat. Bei vielen Festivals ist das Gelände und die Organisation für die Fans nicht gerade hochklassig, aber den Bands ist das egal, so lange sie ihre Kohle bekommen. Wir wollen, dass unsere Fans so gut behandelt werden, wie sie das verdient haben. Immerhin tun viele Leute unglaubliche Dinge, um zu unseren Shows zu kommen. Einmal haben ein paar Fans aus Finnland ein Taxi nach Deutschland genommen, um unser Konzert zu sehen; zu uns kommen Leute aus Australien und Japan, andere fahren per Anhalter quer durch Europa. Einer hat sogar Fahnenflucht begangen – und das in der serbischen Armee. Der wurde dafür beinahe exekutiert... was ich damit meine: wir haben die besten Fans der Welt. Wir wollen unbedingt wieder auftreten, und das bietet uns die ideale Gelegenheit dafür: eine Organisation, die wirklich das beste bieten will.



Interviewer: Gefällt dir die Zusammenstellung auch sonst, was meinst du zu den anderen Bands?



Karl: Darauf habe ich wenig Einfluss, ich bin eher der musikalische Kopf der Band, um die geschäftlichen Dinge kümmert sich Joey. Wir sind froh, dass wir Rhapsody an Bord haben, das sind schließlich Label-Kollegen, und die Möglichkeit, gleich zwei Gastauftritte mit Christopher Lee zu absolvieren ist natürlich gigantisch. Ich denke, es wird eine sehr gute Show, gut abgerundet, und vor allem die Tatsache, dass wir in allen unterschiedlichen Line-ups von Manowar auftreten, bietet den Fans einen echten Höhepunkt. Mit dem Orchester und dem Chor – das wird fantastisch!



Interviewer: Wie war die Zusammenarbeit mit Christopher Lee bislang?



Karl: Er ist eine unglaubliche Persönlichkeit. Man kann nur hoffen, dass man in diesem Alter auf ein genauso erfülltes und erfolgreiches Leben zurückblicken kann. Gestern Abend haben wir uns sehr lange über seine Erfahrungen unterhalten, über seine Zeit hier in Deutschland während des Krieges. Diese Zeit interessiert mich immens, ich beschäftige mich sehr intensiv damit, und wir haben sehr lange darüber gesprochen. Er ist ein perfekter Gentleman, sehr kultiviert, sehr höflich – seine Frau genauso, die ihn derzeit begleitet. Ich freue mich sehr darüber, mit ihm zusammenzuarbeiten – der Mann ist über 80 und betritt ein für ihn völlig neues Feld. Das ist faszinierend; ich kann‘s kaum abwarten!



Interviewer: Gibt es Pläne, dass er auf einem neuen Manowar-Album vertreten ist?



Karl: Die Chance ist natürlich immer da, aber wer weiß, was er in sechs Monaten macht? Wahrscheinlich wieder einen neuen Film. Das ist natürlich immer noch seine Hauptbeschäftigung.



Interviewer: Ihr habt uns vorhin einige Szenen aus Eurer neuen DVD Hell On Earth Part IV gezeigt. Was sind für dich die Highlights dieser DVD?



Karl: Nun, es sind zwei Discs mit insgesamt 4,5 Stunden Spieldauer, 12 Sprachen, 5.1 Sound, 11 Live-Songs, Kommentar der Bandmitglieder - das ist insgesamt ein sehr gutes Package, in der Qualität, die wir immer anstreben. Tja, Highlights – ich habe das alles durchlebt und war bei jeder Szene dabei und erinnere mich natürlich an alles gerne. Einzelne Dinge herauszuheben, das würde heißen, dass es auch weniger spektakuläre Momente gibt, und das ist nicht der Fall. Ich will uns jetzt nicht selbst loben, aber wir haben jede Menge Zeit und Arbeit in diese Scheibe investiert, um die höchstmögliche Qualität herauszuholen.



Interviewer: Eine Szene ist aus TV Total, wo ihr 2002 ein Interview hattet...



Karl: ... ja, bei diesem Stefan Raab...



Interviewer: ... der dann später bei einem Konzert auf die Bühne kam und einen seiner Songs mit Euch gespielt hat.



Karl: Ja, das war wunderbar, der Typ ist klasse, sehr lustig und ein guter Gastgeber. Wir haben sehr gerne mit ihm gespielt, wir haben bestens zusammengearbeitet. Ich glaube auch Oli Pocher ist auf der DVD – ich glaube gestern hab ich ihn hier im Fernsehen gesehen? Es sah aber nach einer neuen Show aus. Er ist nicht mehr so verrückt und wild wie früher.



Interviewer: Derzeit erlebt der traditionelle Metal ein echtes Revival in Deutschland, auch neue Bewegungen wie Metalcore werden immer populärer, auch Gothic Metal ist groß im Kommen. Ist das für dich nur eine Modewelle, so wie Nu Metal, der kam und ging?



Karl: Was da passiert, ist einfach: die Leute haben den ganzen Mist durchschaut, der ihnen als Metal verkauft wurde. Diese ganzen Unterscheidungen, Metal dies, Metal das, für mich ist das alles Quatsch. Für mich gibt es nur guten oder schlechten Metal. Ich mag keinen Metal, der mit Rap vermischt ist, ich mag keinen Metal mit Samples, die die Musik völlig überlagern, ich mag keinen Metal, der versucht trendy zu sein. Ich kann Metal nur schwer definieren, aber ich weiß es einfach, wenn ich guten Metal höre. Das Comeback von echtem Metal zeigt sich auch bei Manowar: wir haben jetzt unser elftes Studio-Album, und nach einer sehr langen und sehr harten Karriere war diese Scheibe unser erfolgreichstes Album überhaupt bislang – es hat in einem Jahr Goldstatus erreicht, einfach so. Die Leute haben erkannt, wenn Du nicht kommerziell wirst, Dir die Haare schneidest, ins Radio willst und unbedingt neue Fans erreichen willst, dass du dann einfach du selbst bist, dass du dir selbst treu bleibst. Das akzeptieren die Leute wieder – sie denken: vergiss den ganzen Scheiß im Radio, das ganze modische Zeug, sei einfach du selbst. Es gibt einfach keinen Ersatz für zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug – haha, und das von mir, der in einer Band mit nur einer Gitarre spielt... Keyboards können durchaus interessant sein. Ich hab gerade den neuen Rammstein-Song gehört, das ist verdammt cool, die Keyboard-Passagen sind hervorragend, sehr unheimlich... dagegen habe ich absolut nichts. Aber der Heavy Metal ist einfach wieder dahin zurückgekehrt, wo er hingehört. Das tun die Leute im Leben schließlich auch, sie probieren neue Sachen aus, kommen aber immer wieder auf die wirklich wichtigen Dinge zurück.



Interviewer: Du hast es selbst angesprochen, im Gegensatz zur "klassichen" Metal-Besetzung Bass und zwei Gitarren schwingst Du bei Manowar allein die Axt. Kannst Du auch so alles verwirklichen was Du willst, und gibt Dir der Auftritt beim Earthshaker Festival mit allen Ur-Bandmitgliedern, also auch Ross the Boss, nun mehr Möglichkeiten?



Karl: Wir werden nicht das ganze Konzert mit zwei oder mehr Gitarren spielen, 80 Prozent des Konzerts werden in der gewohnten Besetzung mit vier Leuten ablaufen. Ich denke schon, dass wir auch mit einer Gitarre alles so realisieren können, wie wir uns das vorstellen. Bei Studioaufnahmen und beim Songschreiben haben wir immer schon die Live-Umsetzung im Kopf – unsere Songs sollen schließlich auch live so rüberkommen wie auf CD und nicht schlechter wirken, nur weil sie auf CD überproduziert oder künstlich aufgeblasen sind. In meinen früheren Bands hatte ich in der Tat andere Gitarristen, mit denen ich zusammengespielt habe, aber das brauche ich eigentlich nicht, wie sich ja bei Manowar zeigt. In einigen Songs, wo das gut hineinpasst, spielt Joey seinen Bass wie eine zweite Gitarre, die mich begleitet, in anderen klingt er wieder wie ein typischer Bassist. Wenn ich Leads spiele, "fehlt" natürlich die zweite Gitarre, aber dann kommen die Leads nur um so besser zur Geltung.



Interviewer: Ihr werdet beim Festival mit einem hundertköpfigen Orchester und einem ebenso starken Chor auftreten. Auch auf Euren Studioalben habt Ihr schon diese Form von Untermalung eingesetzt. Aktuell bringen jede Menge Bands, vor allem aus der Gothic-Ecke, orchestrale Arrangements in ihren Songs unter. Fühlt Ihr Euch wie wieder mal wie Pioniere?



Karl: Nicht als Pioniere, schließlich gab es schon vor uns Metal Bands, die mit Orchester gearbeitet haben. Aber wir setzen die klassischen Elemente anders ein als viele Bands: das Orchester und der Chor sollen die Musik nicht bestimmen, sondern die Songs, die sich dafür eignen, untermalen und ergänzen. Schließlich macht es überhaupt keinen Sinn, ein Stück wie "Kill With Power" mit Orchester zu kombinieren, weil das Orchester nur die Stärken der Songs untermalen soll. Das Orchester kommt nur, wenn es wirklich passt – also auch nicht bei "Sign Of The Hammer".



Interviewer: Ihr habt auf Eurer Website witzige Merchandise-Dinge. Gibt’s auch dieses Jahr zu Weihnachten wieder einen Manowar Chocolate Fudge [fast ungenießbares Schoko-Gebäck]?



Karl: Haha, ich hab mir die Website einige Zeit nicht mehr angeschaut, aber ich weiß dass da die wildesten Sachen eingestellt sind. Das mit dem Schokoladenzeug hab ich gehört, mir ist aber nicht klar wer so was da reinstellt - klingt aber interessant.



Interviewer: Bist Du immer noch ein so passionierter Motorrad-Rennfahrer? [Karl Logan ist begeisterter Motorrad-Fahrer und hat diverse Championships gewonnen. Dabei hat er sich allerdings auch schon ernsthafte Verletzungen zugezogen.]



Karl: Oh ja, das ist meine große Leidenschaft. Ich fahre Motocross, mitten durch die Wälder. Wir nennen das Hare Scrambles, also kreuz und quer durch die Wälder rasen wie ein Hase. Ich fahre 2-Stunden-Rennen, jede Woche von April bis Oktober.



Interviewer: Jede Woche? Wie findest Du dafür die Zeit? Ihr habt doch bestimmt einen vollen Terminkalender.



Karl: Die Zeit nehme ich mir einfach. Wenn ich an der Startlinie stehe und darauf warte, Gas zu geben, das ist einfach ein erhebendes Gefühl. Das gibt mir einen Adrenalin-Stoß, wie ich ihn sonst nur kenne, wenn wir hinter der Bühne warten, während das Orson-Welles-Intro "Ladies and Gentlemen - Manowar" schon läuft und die Fans "Manowar – Manowar" brüllen. Ich liebe Motorrad-Rennen, das ist für mich der größte Kick.



Interviewer: Danke fürs Gespräch und viel Erfolg beim Festival.



Karl: Dir auch, hoffe wir sehen uns dort.