Interviews / Presse





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Titel: Über die Tour, Gods of War und True Metal
Datum: 10 März 2007
 
Text
Seit 27 Jahren steht die US-amerikanische Band „Manowar“ für orchestralen Bombast-Heavy Metal. Ende Februar haben sie ihr zehntes Studioalbum „Gods of war“ (VÖ: 23.2.07) mit Verspätung herausgebracht - wegen eines Unfalls des Gitarristen Karl Logan. Auch die geplante Tournee musste zum Leidwesen der Fans verschoben werden. Am Mittwoch (14.3.) hat die „Demons, Dragons & Warriors“-Tour in Tschechien begonnen. Ab Donnerstag, 22.3., wird die Band auch sieben Konzerte in Deutschland geben. Zwischen CD-Veröffentlichung und Tourstart haben „Manowar“ sowie ihre Supportbands „HolyHell“ (USA) und „Rhapsody of Fire“ (Italien) fünf Tage lang in Wetzlar bei der Veranstaltungsfirma Hico geprobt. Christian Lademann hat bereits hinter die Kulissen geblickt, die große Wikingerschiff-Kulisse begutachtet, den ohrenbetäubenden Sound der lautesten Live-Band der Welt (laut Guinness-Buch der Rekorde) miterlebt und mit „Manowar“-Sänger Eric Adams über die Tournee, das Album und seine Definition von True Metal gesprochen.



Christian L.:Hast Du dir Wetzlar angeschaut?



Eric:Nein, wir sind zu beschäftigt. Wir stecken mitten in der Generalprobe für die fetteste Show, die wir jemals hatten. Wir müssen wirklich Zeit in die Proben investieren. Ich kann nicht viel über die neue Show erzählen. Wir machen etwas, was bislang keine andere Band versucht hat. Am Ende der Show nehmen wir das ganze Publikum direkt mit nach Walhalla. Es ist etwas, was viel Vorbereitungsarbeit gekostet hat. Aber wir denken, es wird funktionieren und wir sind schon ganz schön aufgeregt.
Ich hatte also noch keine Zeit, die Stadt anzugucken, obwohl ich das gern tun würde. Das bisschen Freizeit, was ich momentan habe, versuche ich meistens mit dem Kissen unterm Kopf zu verbringen.



Christian L.:Warum tourt ihr hauptsächlich durch Deutschland und Tschechien?



Eric:Wir spielen in Tschechien, in Deutschland, in Athen und gehen dann mit zwei Shows nach Moskau. Deutschland ist unser Hauptspielort, unser zweites Zuhause. Hier ist unsere Fan-Basis, wir haben hier sehr viele Fans, die von Anfang an bis heute hinter der Band stehen.
Normalerweise liegt Deutschland am Ende einer Tournee, aber wir freuen uns sehr, diesmal hier anfangen zu können. Wir wollen die Welt über Zeitungen und Magazine erfahren lassen, was wir in dieser Show machen. Was wir hier in Deutschland bieten, ist exklusiv für deutsche Fans. Die Fans sollen nach Deutschland kommen, um diese Show zu sehen. Unser Teil der Show ist allein zweieinhalb Stunden lang. Die Band "HolyHell" wird etwa eine halbe Stunde spielen, und "Rhapsody of Fire" packen auch nochmal eine Stunde drauf.



Christian L.:Du magst also Deutschland?



Eric:Sehr, sehr gerne. Ich habe auch Freunde hier. ich war tatsächlich schon einmal hier, um Urlaub zu machen - zwei Wochen in Süddeutschland.



Christian L.:Was gefällt dir an Deutschland?



Eric:ch bin Jäger. Ich mag die Wälder - etwa den Schwarzwald - und die Architektur. Die Geschichte, die hier steckt, ist einfach unglaublich. Da stehe ich drauf. Und ich habe hier sehr viele hübsche Frauen kennen gelernt. (lacht)

Worin siehst du den Hauptunterschi



Christian L.:Worin siehst du den Hauptunterschied zwischen Deutschland und den USA?



Eric:Für uns ist der größte Unterschied, dass wir hier mehr Fans haben. Wir haben zwar schon Fans in den Staaten, aber wir spielen dort nicht so große Locations wie hier. Heavy Metal spielt in den USA keine so große Rolle. Die Musikszene in den USA ist derzeit ziemlich armselig. Ich würde gerne irgendwo hin umziehen, um dort raus zu kommen. Wenn ich könnte, hätte ich hier ein Haus. Europa ist der Ort, an dem Musik ihren Ursprung hat. Mit Wagner, Tschaikowsky, Beethoven und all diesen Meistern der Musik - damit hat alles begonnen, alles andere ist nur kopiert. Die Menschen hier sind mehr auf Musik eingestellt. Sie erwarten mehr und sind offener für verschiedene Arten von Musik. In der Musik von „Manowar“ verheiraten wir orchestrale Sounds mit harten Gitarrenklängen. Europa und Deutschland haben das angenommen und das finde ich cool. In Amerika zählt nur HipHop - das ist nichts für mich.



Christian L.:„Gods of war“ ist euer zehntes Studioalbum. Was ist anders im Vergleich zu den Vorgängeralben?



Eric:Es ist das erste Mal, dass wir ein Konzeptalbum gemacht haben - und das Konzept erzählt eine Geschichte von Anfang bis Ende. Einige Leute haben zu mir gesagt, ich habe Track vier und fünf gehört und ich komme da nicht rein, weil sie sie dann vielleicht eine Erzählpassage mit Blitz, Donner und Sturm hören. Joey (DeMaio) erzählt etwas, führt etwa Todesengel „Loki“ ein, und dann spielen wir „Loki“, den Gott des Feuers. Und dann fasst man das auch. Aber warum die Erzählpassage? Meine Erklärung lautet, es ist wie ein Buch. Man kann kein Buch aufschlagen und mit Kapitel 5 beginnen. Man muss mit der Einleitung anfangen und den ganzen Roman lesen, um zu begreifen, was der Autor vermitteln will.

Als wir „Gods of war“ geschrieben haben, hatten wir die Idee im Kopf, den Leuten eine Geschichte aus der Mythologie zu erzählen: die Legende von Odin und wie er seine Kraft erlangt hat. Und wir schrieben dieses „Buch“ bis zu Odins Ableben. Wenn man den Donner und den Blitz hört, dann bringt das einen im Kopf genau dort hin, wo man sich befinden muss, um die Geschichte von Odin zu hören. Wenn er auf dem Baum ist und neun Tage kopfüber hängt, verletzt, das Blut kommt aus seinen Wunden und rinnt auf den Boden. Die vier Söhne Odins, das achtbeinige Pferd Sleipnir, Odins Blutsbruder „Loki“ - um der ganzen Geschichte folgen zu können, mussten wir viel recherchieren. Ich denke es ist gut. Wenn man dasitzt und das Album das erste Mal anhört, denkt man, nun ja, das ist okay. Beim zweiten Mal denkt man: „Ich begreife das nicht“. Ein Journalist aus Norwegen hat zu mir gesagt, er habe das Album zehn Mal angehört um das Interview führen zu können, weil er es nicht fassen konnte. Er sagte, er könne das Album nicht loslassen, er bekomme es nicht aus seinem Kopf, weil es wirklich wie ein vertontes Buch ist. Wenn er es jetzt höre, sei er in seiner Vorstellung genau dort, wo er sein solle. Das ist ein wichtiger Teil unseres Live-Sets. Wir wollen das auch live schaffen, die Leute dort hinzubringen, wo sie sein sollen. Wenn man das live schafft, dann sagt das wirklich etwas aus.



Christian L.:Spielt ihr das ganze Album bei der Show?



Eric:Nein, nur Teile davon. Wenn die Fans kommen, um uns spielen zu sehen, dann besitzen die alle Alben und haben mit jedem Album gelebt. Sie wollen auch das hören, was sie früher schon gehört haben. Wir werden also Teile des Albums präsentieren, gemischt mit dem bekannten Set. Wir werden die Live-Show auch für ein Live-Album aufnehmen, irgendwann später, nicht jetzt. Mehr kann ich nicht erzählen, das würde zu viel vorweg nehmen. Eines kann ich dir aber sagen: Wenn die Leute nicht zur Show kommen, werden sie davon hören. Denn das, was wir machen, wird die Leute erstaunen. Sie werden nach Hause gehen und sagen „Heilige Scheiße, so etwas habe ich noch nie gesehen.“ Es ist einfach nur cool.



Christian L.:Es wird also viele Überraschungen geben...?



Eric:In unseren Shows gibt es immer Überraschungen. Aber diesmal werden es besonders spektakuläre sein. Es braucht viele Proben, um das möglich zu machen.



Christian L.:Kann ich mir das Konzert wie eine Heavy Metal-Oper vorstellen?



Eric:Es ist keine Metal-Oper. Es ist eine Manowar-Show wie jede andere auch, bloß mit mehr Magie. Es ist magischer als je zuvor. Wir machen diese Magie lebendig. das ist wirklich geiles Zeug.



Christian L.:Wie entstand die Idee zu „Gods of war“?



Eric:„Gods of war“ entstand, als Karl (Gitarrist Karl Logan) seinen Unfall hatte. Er hatte sich bei einem Motorradsturz den linken Ellenbogen zerschmettert. Wir hatten 80 Prozent eines Albums fertig, was wir heraus bringen wollten. Als er seinen Arm gebrochen hatte, hatten wir Zeit, uns zurückzulehnen und uns noch einmal in Ruhe anzuhören, was wir bereits aufgenommen hatten. Die Fans waren darüber natürlich erstmal angepisst. Sie hatten schon Konzertkarten, Flugtickets und Hotelzimmer - und wir mussten absagen. Sie waren sauer, weil sie Geld verloren hatten. Also haben wir uns überlegt, dass wir für die Fans was ganz Besonderes machen müssen. Wir haben daraufhin entschieden, ein Konzeptalbum zu machen. Wir haben also noch einmal von vorne angefangen. Die Songs, die wir bis dato aufgenommen hatten, liegen zu Hause in unserem Studio für ein späteres Album. Denn sie haben einfach nicht zu dem Konzept von „Gods of war“ gepasst.
Das war für als Band etwas Besonderes, ähnlich wie die Motorräder, die wir in Deutschland haben bauen lassen. Wir vermieten diese an Fans. Alle diejenigen, die von außerhalb Deutschlands zu unseren Deutschland-Konzerten kommen, erhalten ein T-Shirt. Wir geben den Fans etwas, von unserem eigenen Geld, statt ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.



Christian L.:Ich habe gelesen, dass das Konzept-Album Teil eines Zykluses sein soll. Werden weitere Konzeptalben folgen?



Eric:Das weiß ich noch nicht. Die ganze Geschichte kann nicht in 72 Minuten erzählt werden. Es verlangt eigentlich danach, „Buch II“ von „Gods of war“ herauszubringen, um die komplette Sage fortzusetzen. Jede Nation hat mythologische Legenden. Es verlangt danach, dass wir uns Zeit nehmen, etwas über diese Legenden zu erfahren - aus Südamerika, aus Deutschland, aus Griechenland. Geschichten, die vor vielen, vielen Jahren aufgeschrieben wurden, die vielleicht schon verfilmt wurden, aber von denen sich noch niemand die Mühe gemacht hat, sie auf ein Album zu packen. Das Konzept ist, diese Idee fortzusetzen. Ich weiß nicht, wie viele Alben es brauchen wird.



Christian L.:Du sagst von dir, du seiest großer Richard Wagner-Fan.



Eric:Ich liebe ihn!



Christian L.:Warst du jemals in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen?



Eric: Ich war noch nie bei dem Festival, weil wir immer zu beschäftigt waren. Ich würde aber sehr gern einmal die Wagner-Festspiele besuchen. Ich war bestimmt schon sieben oder acht Mal in Bayreuth. Jedes Mal, wenn ich dort bin, gehe ich zu Wagners ehemaligem Wohnhaus. Warst du schon mal dort? Es gibt dort ein rundes Zimmer mit seinem Klavier. Man kann sich dort hinsetzen und sich ein Stück wünschen, welches vorgespielt werden soll. Ich mache das jedes Mal. Setze mich dort hin, höre ein Stück und lasse mich inspirieren. Es ist eine wahnsinnige Inspiration.



Christian L.:Und deshalb habt ihr euer Studio in Auburn „Wanfried“ [Wagners Haus heißt „Wahnfried“] genannt?



Eric:Ja, richtig, das ist gut, sehr gut! Jetzt nennen wir es „Hell“ [Hölle]. Auf der Tür zum Studio, wo wir unsere Aufnahmen machen, steht das Wort „Hell“. Auf unserem Booklet steht deswegen auch „aufgenommen in der Hölle“. (lacht)



Christian L.:Ihr habt einen Eintrag im „Guinness-Buch der Rekorde“ als lauteste Live-Band der Welt. Habt ihr diesen Titel immer noch inne?



Eric:Ja. Aber nachdem wir das probiert haben, hat das Team diese Rekordmessung eingestellt, weil es zu gefährlich wurde. Als wir das gemacht haben, war die Guinness-Redaktion da, und CNN. Die Fans blieben solange außerhalb des Gebäudes. Wir mussten vor der Aktion warnen und sicher sein, dass jeder im Gebäude Ohrschutz trug. Wir hatten einen Countdown, damit sich niemand erschreckt. Als die Verstärker losdröhnten - das war unglaublich. Wie ein Donnerschlag.



Christian L.:Ihr bezeichnet eure Musik als „True Metal“ (echten Metal). Was versteht ihr darunter?



Eric:Für mich gibt es zwei Dinge, die "echten" Metal ausmachen. Erstens: Für mich ist „True Metal“ die Fähigkeit, auch das live zu spielen, was man im Studio macht. In anderen Worten: es gibt zu viele Bands, die mit Tricks und Zugaben im Studio arbeiten, aber wenn sie live spielen wollen, verarschen sie die Fans, weil sie es nicht können. Die Fans fragen sich, was ist denn da passiert? Sie haben nicht das Talent, das zu performen, was sie im Studio gemacht haben. Die sollten von der Bühne verschwinden, die haben da nichts zu suchen. Die ziehen den Fans das Geld aus der Tasche, und hauen dann wieder ab. Die Fans bekommen bei denen nicht die Musik, für die sie bezahlt haben. Das ist für mich „False Metal“ (falscher Metal).

Zweitens: „False Metal“ ist für mich, wenn Leute für den Geldbeutel spielen und nicht aus dem Herzen. Ich kann ehrlich nur sagen, dass wir aus dem Herzen spielen. Wir spielen, was wir fühlen. Es kann sein, dass das nicht die populärste Musik ist. Aber das macht uns nichts aus. Es ist einfach in unseren Herzen drin und deshalb spielen wir das.

Die anderen sind nur aufs Geld aus, wollen Spielzeit im Radio und in die Videorotation im Fernsehen kommen. Die wollen immer nur. Wo bleibt da die Kreativität? Die spielen nicht aus dem Herzen, sondern nur das, was die Plattenbosse wollen. Das ist „False Metal“. Ich kann das nicht tun, weil ich aus dem Herzen spiele. Wenn man unseren Song „Blood brothers“ vom neuen Albums hört, wie ich den Refrain singe (Eric beginnt zu singen) „Think of me wherever you are“, dann kommt das direkt aus meinem Herzen. Als ich das aufgenommen habe, hatte es richtig gekribbelt, es gab Gänsehaut. So muss das sein, wenn ich etwas aufnehme. Wenn es nicht so ist, dann funktioniert das nicht. Das ist True Metal. Es kommt vom Herzen, von innen. Man bringt die Emotionen nach außen. Und man hofft, dass diese Emotionen in der Musik übersetzt werden. Ich glaube, dass es uns deshalb so lange gibt. Weil die Fans wissen, dass wir aus dem Herzen spielen.



Christian L.:Kommt euer orchestraler Sound von Synthesizern oder von einem Live-Orchester?



Eric:Gute Frage! Einiges ist vom Orchester, einiges ist von den Keyboards. Beim Earthshaker-Festival in Geiselwind hatten wir ein richtiges Orchester und einen hundertköpfigen Chor dabei. Bei Live-Shows jetzt in Deutschland haben wir Keyboards mit dabei. Man kann kein komplettes Orchester mit auf Tour nehmen, das macht aus finanzieller Sicht keinen Sinn. Wir haben nur einen kleinen Männerchor dabei. Und wir haben drei Keyboarder als Gastmusiker für einige dieser Orchesterparts mit dabei.




Quelle: http://www.schallbecher.de
Interviewer: Christian Lademann