Interviews / Presse





Informationen
Titel: Ich habe Ross The Boss’s Thunfisch-Sandwich gegessen
Datum: Juni 1987
 
Text
Interview mit Joey DeMaio / Ross The Boss
Herausgegeben von: SOUNDS USA
Interviewer: Roy Wilkinson / Fin Costello
Herausgegeben im: Juni 1987
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Ich habe Ross The Boss’s Thunfisch-Sandwich gegessen

Ganz ehrlich meine Headbanger, MANOWAR ist zum Kampf gegen die Horden von „False Metal“ bereit. ROY WILKINSON kreuzt sein Schwert und mixt Zaubertränke mit ROSS THE BOSS und JOEY DeMAIO -
FIN COSTELLO

Auf ihr Schurken, tretet nun in die Domäne von Manowar ein. Die Geschichte bis dahin: Die mächtige SAS (Sword and Sorcery) Gemeinschaft der Vier, haben ihrer Heimat Amerika abgeschworen und sind nun in Europa auf „Axe Assault“ (Promotion Concert Tour). Nach den auffälligen Siegen in Gallien und Germanien, ist die glückliche Bande von Brüdern in Britannien gelandet, um anschließend in den feindseligen Niederlanden den Kampf aufzunehmen, wo jeder es wagt ihren Namen auszusprechen „The Odeons“ genannt wird. Bevor dieser Plan durchgesetzt wird (mit ungeheurer Bühnen- und Lautstärke), haben sich der „Commander of the Guitars“ Ross The Boss, und Feldgeneral, Joey DeMaio, in den Niederungen der WEA Records niedergelassen, um dort Gericht zu halten. Eben dort treffen wir auf den „He-Manowar“ (männlichen Krieger) Ross, der uns, während reichlichem Essen und Trinken, über seine Zukunftspläne und über seine illustere Vergangenheit ergötzt. Das Königreich von Manowar ist brutal, ein Ort in dem Lautsprecher explodieren, das Schlagzeug wie der Untergang klingt und die Gitarren laut schreien (laut dem Guinness Buch der Rekorde, ist Manowar die lauteste Band schlechthin!). Aber in furchterregenden Landschaften des „Heavy Metalia“ und der Schallplattenindustrie haben Manowar sich schon viele Feinde auserkoren. Die Heimtückischsten, die lockere Gemeinschaft der Kräften des False Metal, haben Manowar unmissverständlich mit ihrer aktuellen Single „Blow Your Speakers“ den Weg gewiesen. „Der, der nicht den Weg der Mittelmäßigkeit wählt, der steht alleine da, auf ewig ein Ausgestoßener. Er bringt Veränderung, Veränderungen, die denen Angst machen, die mit der Mode gehen. Ihre Stärke kommt von anderen, nicht von ihnen selbst. Sie sind Falsch! Wehe denen, denn die Bringer von Veränderungen, sind eins. Die Zeit ist gekommen! Man kann uns nicht aufhalten! Wir reiten vorwärts, nach dem Willen der Menschheit. Die Schlacht tobt – wähle deine Seite. DEATH TO FALSE METAL."

So, wer sind eigentlich diese Leute, wo kommen sie her und warum tragen sie enge Satinhosen. Ross gibt die Antworten.
“Musiker, die Musik aus den falschen Gründen machen – Egoismus, Geld, Frauen, Partys – Gründe die mit der Sache eigentlich nichts zu tun haben – das ist False Metal.“
Sicherlich nicht. Diese Werte sind doch nicht nur Teil des Heavy Metal, diese Schandflecke gibt es doch in jeder Musikrichtung.
„Es ist nicht die Musikrichtung. Es sind die Individualisten. Im Blues nennt man es „shucking & jiving“. Ich glaube es ist…ich weiß nicht, einfach falsch. Es ist eigentlich nur ein Motto, das wir vor langer Zeit angefangen haben – es blieb einfach haften. Früher hatte es mehr Bedeutung, als jetzt.”
Ross möchte eigentlich keine Namen nennen, aber es gibt ein paar, die die Antithese des False Metal gemäß Manowars Zustimmung gerecht werden.
„Die Thrasher – Metallica, Anthrax, Slayer – die sind heiß dabei, aber es gibt auch ein paar Sachen, die die Band Europe macht, die ich ganz gut finde! Ich dreh jetzt nicht wegen ihnen durch, eigentlich wegen keiner Band zurzeit. Um ehrlich zu sein, mag ich persönlich die älteren englischen Bands, wie Queen, Black Sabbath und Led Zeppelin.“
Diese metallische Vielfalt gibt eigentlich nur eine sehr vage Richtlinie zum Königreich des True Metal. Sicherlich wird Manowars neues Album, das den ominösen Titel „Fighting The World“ trägt, eine genauere Beschreibung über die vollkommene Art des „Headbanging“ geben. Es ist eine Scheibe voller „Violence and Bloodshed“ (Gewalt und Blutvergießen), wo Ross & Co. den „Holy War“ (heiligen Krieg) ihren Gegnern erklären und das Lied „Carry On“ (weitermachen!) in den Ohren der Manowar Spöttern erschallt. Im Lichte dieses Liedes ist es leicht den Untertitel „Fighting The World“ als „Carry On Metal“ zu erkennen – Spinal Tap Go Wild 10.000 BC (Wildes vorchristliches Rückgrat-Gehabe). Du wirst allerdings enttäuscht sein, wenn du glaubst, dass Manowar in ihrer Freizeit dieses Höhlenmensch-Gehabe an den Tag legen. Ross gibt darüber Auskunft, warum die Band nicht wie Menschen des Altertums leben.
„Töte oder werde getötet, jage oder werde gejagt, das ist ziemlich altertümlich, nicht sehr modern. Ihr könnt uns nicht als Krieger oder Wikinger klassifizieren. Es ist nur unser „Tough Image“. Ich meine, ich will nicht als Wikinger oder Barbar bezeichnet werden. Oh Gott, nein! Wir sind hart, wie eben Krieger – wir spielen unsere Musik und die, die sie nicht mögen: „they can fuck off“!
Neben den Hammer mäßigen Sound Effekts und dem 4-, 8-saitigen und Piccolo Bass auf „Fighting The World“, ist eine großartige Stimme zu hören, die zum Fanfarenaufruf von Manowar beiträgt. Orson Welles, der vor seinem Tod ein bedeutsamer Manowar Fan war, spricht das Intro zu „Defender“. Die Arbeit mit einer legendären Persönlichkeit war bestimmt sogar für Manowar beeindruckend. Ross stimmt zu.
“Hey, ich erzähle dir mal wie beeindruckend er war – er war so beeindruckend, dass wir ihn mit dem Lastaufzug hoch karren mussten (Gelächter). In 1982 haben wir überlegt wer seine Stimme für „Dark Avenger“ hergeben könnte. Irgendeiner schlug Orson vor und so schickten wir ihm unsere Musik und Texte, welche ihm sehr gut gefielen – er sagte Manowar wären wie Soldaten auf dem Schlachtfeld des Lebens. Wir haben ihn zur gleichen Zeit überredet „Defender“ einzusprechen und haben nun das Lied auf unserer neuen Scheibe veröffentlicht. Es war unglaublich, dass ihn Hollywood nicht mehr wollte. Er musste nach England kommen, um Werbungen zu machen. Sie wollten „Star War’s“ und er wollte Brillanz, wie „Citizen Kane“. Solche Sachen. So wie wir.”
Zusammen mit dieser etwas ungewöhnlichen Aufnahme auf “Fighting the World”, hat Manowar auf bereits veröffentlichten Alben seltsame Danksagungen hinterlassen. Auf „Hail To England“ danken sie dem ärztlichen Team von Manowar. Ich frage Ross, ob sie deshalb notwendig wären, da sich die Band beim Üben mit ihren Schwertern öfters verletzt.
„Nein. Wir arbeiten mit ihnen zusammen – sie untersuchen die Band and wir sagen ihnen einfach Danke. Es ist ja nicht so, dass wir ständig beim Arzt sind, da wir irgendwelche Geschlechtskrankheiten haben...“

So, dass MANOWAR Interview ist vorbei. Zeit, dass dieser kleine, aber perfekt geformte New Yorker mit seinem Mittagessen weitermachen kann. Aber bevor ich gehen darf, besteht Ross darauf mit mir zu teilen. In Erwartung großer Stücke von rotem Fleisch, bin ich etwas überrascht, als ich sein delikates Thunfisch Sandwich entdecke. Ich verabschiede mich gebührend, nehme eins mit und der Rest ist Geschichte.