Interviews / Presse





Informationen
Titel: Back for the attack
Datum: 1992
 
Text
Interview with Eric Adams
Published by : METAL HAMMER Magazine Germany
Interviewer : Andreas Schöwe
Published on : 1992
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Back for the attack

Vielleicht mit Ausnahme der Engländer sehen alle Nationen dieser Metal - Welt mit Spannung der Veröffentlichung des nunmehr siebten MANOWAR Albums entgegen. Andreas Schöwe hielt MANOWAR Sänger Eric Adams für eine Weile vom Streß der Endproduktion des bewußten Longplayers ab und ließ sich telefonisch über den aktuellen Stand der Dinge Auskunft geben.


Interviewer: Mittlerweile das vierte Jahr haben wir auf den KINGS OF METAL- Nachfolger zu warten. Logische Frage: Warum?



Eric: "Wir haben wirklich sehr hart an unserem neuen Album gearbeitet, denn schließlich wollten wir uns dafür etwas mehr Zeit nehmen, um sicherzustellen, daß auch alles perfekt ist. Es ist unser siebtes Album- und wir haben einen Ruf zu verteidigen! Tja, und dann haben wir noch in der Zwischenzeit unser eigenes Studio in der Nähe von New York errichtet. Wir wollen es ganz für uns alleine nutzen, denn es ist ausschließlich auf die Bedürfnisse unseres eigenen, typischen Sounds zugeschneidert. Natürlich nahm der Bau dieses Studios einige Zeit in Anspruch, und es dauerte auch eine Weile, die neuen Songs zu schreiben. Und last, but not least mußten wir noch mit unserem neuen Drummer Rhino proben."



Interviewer: Warum hat eigentlich euer langjähriger Schlagzeuger Scott Columbus MANOWAR verlassen? Die einzige Verlautbarung, die wir diesbezüglich zu hören bekamen, waren "gewisse familiäre Probleme."..



Eric: "Ja richtig. Sein Sohn ist sehr krank. Und Scott hielt es für richtig, sich nach den Rehearsals zum neuen Album lieber intensiver um ihn zu kümmern und bei seiner Familie zu bleiben. Wirklich schade... Er kam zu uns, erzählte uns von seinen Problemen, seinem Entschluß- und stellte uns gleich einen seiner Freunde aus Nashville als Ersatz vor: Rhino. Und was wir gleich bei der ersten Probe hörten, konnten und wollten wir eigentlich gar nicht glauben: Er ist wirklich großartig! Es ist unheimlich toll, daß er ein Freund unseres alten Drummers ist und Scott ihn uns empfohlen hat! Wir arrangierten dann in unserem Studio eine Art "Übergabezeremonie": Um Mitternacht händigte Scott seine Drumsticks Rhino aus und übertrug ihm somit symbolisch den Titel ´Drummer from MANOWAR´ sowie die Berechtigung, fortan die ´Steel Drums Of Doom´ zu bedienen. Für uns alle war das ein sehr bewegender Moment... Rhino ging dann nach draußen und fackelte sein altes Drum Kit ab. Ich fragte ihn ´ Warum machst du das?` und er antwortete: ´ Das ist das einzige Schlagzeug, auf dem ich jemals gespielt habe. Ich ziehe damit unter meine Vergangenheit einen Schlußstrich! ´..."



Interviewer: Ein ziemlich teures Hobby...



Eric: "Ja, und weißt du was er noch gesagt hat? `Wenn ich einmal auf einem anderen Kit oder in einer anderen Band spielen sollte, verbrenne ich euer Schlagzeug ebenfalls!`, hahaha!"



Interviewer: In welchen Bands hat Rhino denn vor MANOWAR gespielt, und hat euer neuer Drummer auch einen Nachnamen?



Eric: "Ich glaub´ schon, daß er einen Nachnamen hat, doch wir alle kennen ihn bloß unter ´Rhino´. Und MANOWAR ist seine erste Band! Sonst hat er bloß zuhause wie ein Tier geprobt. He is a man without a past, and without a family name, hahaha!"



Interviewer: Scott dürfte dem, was ich jetzt entnehme, aber immer noch ein guter Freund der Band sein...



Eric: " Ja, natürlich! Er besucht mich sogar dieses Wochenende in meinem Haus. Früher war er on the road mein bester Freund...Nun ja, jetzt ist er happy, daß er sich intensiv seinem kranken Sohn widmen kann- und wir alle sind happy, wenn er happy ist...Du weißt, was ich meine? Wir sind alle sehr eng befreundet, wir nehmen gegenseitig Anteil an unseren Problemen, und es war sehr schwer für uns, ´Goodbye´ zu ihm und ´Hello! ´ zu einem neuen Drummer- auch wenn Scott höchstselbst ihn uns vorstellte- zu sagen...Doch nun ist Rhino unser neuer Drummer, wir sind zufrieden mit ihm und besonders mit seinem phantastischen Drumming, und wir freuen uns schon sehr darauf, mit ihm auf Tour zu gehen und ihn einige Soli spielen zu lassen!"



Interviewer: Na dann laß uns mal noch weiterhin in die Zukunft blicken: Was kannst du uns schon über das neue Album erzählen? Gibt es bereits einen Albumtitel, wie viele Songs sind darauf enthalten...



Eric: "Gute Frage! Ich kann dir zur Zeit weder den Albumtitel noch irgendwelche Songtitel nennen, denn bis jetzt haben wir für alles nur irgendwelche Arbeitstitel, und nichts ist definitiv sicher! Einzig und allein über den Sound kann ich dir etwas sagen: Er wird den nächsten logischen Schritt in unserer Entwicklung nach KINGS OF METAL darstellen. Das Album wird noch Scotts Input beinhalten, aber Rhinos Drumspiel. Scott machte noch sämtliche Recordings mit, aber Rhinos Spiel ist für die Band wie frisches Blut. Wir sind wirklich zufrieden mit der neuen LP, sie klingt sehr heavy, und sie ist wirklich nicht kommerziell ausgefallen! Du weißt ja: MANOWAR könnten niemals kommerzielles Zeugs spielen!"



Interviewer: Habt ihr wie auf dem letzten Album, wieder einige Parts eingebaut, die eigentlich eher untypisch für Heavy Metal sind? Kirchenorgeln? Kinderchöre?



Eric: " In erster Linie spielen wir erneut asskicking Metal! Das volle Brett Gitarren, einige akustische Klampfen, einen tierischen Drumsound- unsere ´Drums of Doom´ haben einen ganz speziellen Klang! Natürlich haben wir auch einige Überraschungen für die Fans drauf, daher möchte ich hier noch nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern...Sobald das Album erschienen ist, werdet ihr das ja mitbekommen, hahaha! Alright? Okay, ich muß jetzt wieder ins Studio! Vielen Dank für das Interview, see you on tour, du kommst doch hoffentlich auch zu einer unserer Shows!?"



Interviewer: J-Ja, ja selbstverständlich...A-a-aber ich habe da noch ein paar mehr Fragen...



Eric: "Oh! Äh, ja, bitte entschuldige..."



Interviewer: Wer hat euer neues Album produziert?



Eric: "Ganz einfach: Wir selbst, denn wir selbst wissen inzwischen am besten, wie was klingen muß und wie wir was zu tun haben!"



Interviewer: Ich könnte mir vorstellen, daß wieder eine Vorabsingle erscheint...



Eric: "Ja, und wahrscheinlich wird zu dieser Single auch ein Vorabvideo gedreht.. Aber welcher Song, und so weiter...Das einzige, was ich die mit Sicherheit sagen kann, ist, daß wir im Oktober auf Tour gehen..."



Interviewer: Nun könnte ich mir vorstellen, daß ihr nach wie vor keinen Millimeter von eurer ´Death to False Metal´ Devise abrückt. Was ist heute für euch gerade im Bezug auf die Fusion verschiedenster Musikstile auch im Heavy Metal eigentlich heutzutage ´False Metal´?



Eric: "´False Metal ist für mich beispielsweise, wenn jemand auf die Bühne geht, und überhaupt nicht spielen kann! Desweiteren ist für mich ´False Metal´, wenn jemand auf der Bühne einen Gimmick nach dem anderen anstelle von Rock ´n´Roll-Power abläßt- denn das ist das, was Metal ist: pure Power! Und ´False Metal´ ist für mich auch, wenn jemand sein Geld, das er von den Schallplattenverkäufen, aus dem Merchandising oder mit seinen Shows verdient hat, ausschließlich in Häusern, Swimmingpools oder Sportwagen anlegt, statt einen Teil davon auch in die nächste Show, in die nächste Produktion oder in die nächste Schallplatte zu investieren, so daß auch die Fans wieder etwas davon haben. That´s what i call ´False Metal´!"



Interviewer: Da gibt es aber noch ein Phänomen in den Staaten: Die meisten Bands nehmen Balladen auf, um damit vordergründig die Charts zu stürmen. Und die Kids, die dann nur aufgrund dieser Balladen in die Konzerte dieser Bands kommen, sind zumeist ziemlich irritiert über das , was diese Acts wirklich machen- siehe Mr. Big! Wie sieht eigentlich euer Verhältnis zu Balladen aus? Habt ihr nicht die Befürchtung, daß aufgrund einer vielleicht gecharteten Ballade die falschen Leute zu euren Konzerten kommen?



Eric: "Wir hatten bis jetzt auf jedem unserer Alben einen ruhigeren Song- mir macht es zum Beispiel Spaß, zur Abwechslung solche Sachen zu singen. Ob wir diesmal eine Ballade raufnehmen, wissen wir noch nicht; wir haben zwar eine in der engeren Auswahl, aber wir werden uns da erst noch entscheiden. Doch die Kids kennen uns und unsere Reputation inzwischen sehr genau. Und wenn wir einen langsameren Song schreiben, muß das nicht unbedingt bedeuten, daß wir die Wörter ´I love you- what we gonna do?´ oder ähnliches nutzen, hahaha! Denn wir wissen: The kids come to us to see the loudest and proudest band of the world!"



Interviewer: Soviel ich weiß, haben MANOWAR noch nie eine Cover-Version aufgenommen. Warum? Reizt es euch nicht, einmal ein Remake zu machen?



Eric: "Das ist uns irgendwie zu billig: Wir hatten niemals Probleme, eigenes Material zu schreiben und dieses auch auf Vinyl zu bringen. Wir haben es nicht nötig, irgendjemanden zu kopieren- wir haben unseren eigenen Stil, wir haben unsere eigene Show, und andererseits glaube ich, daß es auch niemand schaffen wird, MANOWAR zu kopieren!"



Interviewer: Für viele eurer alten Fans ist INTO GLORY RIDE eines eurer besten Releases. Doch zur Zeit gibt es nur teure CD-Bootlegs dieses Albums. Warum wurde INTO GLORY RIDE bis heute nicht offiziell re-released?



Eric: "Das hat etwas mit der damaligen Plattenfirma zu tun, die da mit drinhängt. Aber ich schätze mal, daß das nur eine Frage der Zeit ist, denn BATTLE-HYMNS ist ja hier jetzt auch auf CD wieder veröffentlicht worden..."



Interviewer: Laß uns einmal zu eurer KINGS OF METAL- Maxi zurückkehren. Die Lyrics des dortigen Bonus-Tracks ´Pleasure Slave´ haben viele Leute als eindeutig gegen das weibliche Geschlecht gerichtet empfunden...



Eric: "Diese Lyrics haben wir ganz einfach nur gemacht, um den Leuten zu zeigen, daß Frauen im wahrsten Sinne des Wortes PLEASURE Slaves, nicht zu verwechseln mit Sklaven sind! Ja, wie soll ich das am besten erklären? Jedes Mädchen, das uns Backstage getroffen hat, wird dir bestätigen, daß wir jede Frau als Lady behandeln. Wir haben absolut nichts gegen Frauen! Natürlich haben wir auch nichts gegen ein bisschen Sex, äh, Safe Sex, hahaha! Und ich denke einfach nur: Frauen bringen Vergnügen!"



Interviewer: Und die Pleasure-Slave-Backstage-Pässe mit dem gefesselten weiblichen Nackedei sollte man folglich auch nicht so verbissen sehen...



Eric: "Genau! War nur´ n kleiner Gag! Vielleicht klatschen wir auf den nächsten Backstage Pass ´n paar Eier drauf, hahaha! Entschuldige bitte, aber die anderen Jungs winken mich wieder ins Studio zurück, wir müssen so langsam Schluß machen..."



Interviewer: Okay, abschließend nur noch drei Fragen quer durch den Gemüsegarten...Schaut man sich die Verkaufszahlen von Guns´n´Roses und Metallica an, müßten doch diese Bands ´The real Kings of Rock´n´Roll´ beziehungsweise ´...Heavy Metal´ sein..



Eric: "Metallica haben ein wirklich gutes Album herausgebracht. Die Fans wissen das auch dementsprechend zu honorieren. Wenn aber unser neues Album herauskommt, werden sie sehen, wer die wirklichen ´Kings of Metal´ sind.! "



Interviewer: Bis jetzt ist noch kein MANOWAR - Home- Video auf dem Markt...



Eric: " Stimmt, aber ein Home- Video ist ebenfalls gerade, wie wir uns hier unterhalten, in Arbeit. Und unsere Plattenfirma wird es zum nächsten geeigneten Zeitpunkt herausbringen."



Interviewer: Was ist eigentlich aus Ross The Boss geworden, der MANOWAR nach der Produktion von KINGS OF METAL verlassen hat, weil er sich mehr seinen Blues- Roots zuwenden wollte?



Eric: "Er spielte tatsächlich eine Zeitlang in einer Blues- Band hier in New York. Doch diese Band brach auseinander, und soviel ich weiß, hat Ross daher seine Gitarre endgültig an den Nagel gehängt."



Interviewer: Und nun die wirklich letzte Frage für heute: MANOWAR sind durch ihre Armada von Marshall- Lautsprechern als Bühnenkulisse geradezu berühmt- berüchtigt. Nun gibt es aber auch Leute, die behaupten, nicht jeder von ihnen sei angeschlossen und bei den meisten von ihnen handele es sich schlichtweg um Attrappen...



Eric: "Ach, Quatsch! Meine Antwort darauf ist: Komm vor unseren Shows backstage und mach ´ dir selbst ein Bild davon! Und bilde dir anhand der Lautstärke selber ein Urteil! Alle Speaker sind angeschlossen! Jedem, der das Gegenteil behauptet, sage ich glattweg ins Gesicht, daß er ein kleiner, mieser, dreckiger Lügner ist! Um diese Band herum gibt es keinen Fake, so was würde niemand von uns dulden!"



Interviewer: Also ist MANOWAR trotz der vierjährigen Ruhe immer noch die lauteste Band der Welt?



Eric: "Na klar! Ihr werdet´ s ja sehen und hören...!"



( PS: Bliebe nur noch nachzutragen, daß Horr-OHR Staude das Geschäft seines Lebens auf sich zukommen sieht, indem er erwägt, sämtliche in Deutschland verfügbaren OHRopax- Vorräte aufzukaufen und vor den Konzerthallen für das Zehnfache zu verscherbeln...)