Interviews / Presse





Informationen
Titel: MANOWAR The oath of metal
Datum: 1999
 
Text
Interview with Joey DeMaio
Published by : METAL HEART Magazine Germany
Interviewer : Michael Glandien, Kai Wollwert
Published on : 1999
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MANOWAR The oath of metal, Pt.1

Manowar blasen erneut zum Angriff. Dieser Tage erschien, nur gut ein Jahr nach "The Hell On Wheels", das zweite Live-Album der wahren Kings Of Metal. "The Hell On Stage" beinhaltet fast ausschließlich ältere Songs der Band, weshalb die echten Fans schon auf der letzten Tour, auf der das neue Opus mitgeschnitten wurde, an den Rand des Wahnsinns gerieten. Stücke wie "Guyana", "Bridge Of Death" oder "Blood Of The Kings" hatte man schon seit ewigen Zeiten nicht mehr live erleben dürfen. Was uns mit "The Hell On Stage" erwartet, was Manowar sonst noch so vorhaben, und wieso harte Männer auch den deutschen Schlager lieben, erfahrt ihr nun im Interview mit Joey De Maio, dem Bassisten und Sprachrohr der vier Amerikaner.


Interviewer: Das Bemerkenswerteste auf der letzten Tour war die "Setlist des Jahrhunderts" mit Songs wie "Metal Daze", "Dark Avenger" oder "Gates Of Valhalla". Was war der Grund für euch, diese alten Klassiker wieder einmal zu spielen?



Joey: Wir machten es nur für die Fans. Es war unsere Entscheidung, zu tun, wonach die Fans verlangten.



Interviewer: Die Veröffentlichung von "The Hell On Stage" war ja eigentlich für Ende 1998, zumindest noch vor Weihnachten, angekündigt. Nun erschien das Album doch erst am 1. Februar.



Joey: Nun, wir wollten "Hell On Stage" so bald wie möglich rausbringen, das war die Idee. Dabei wollten wir auch sichergehen, daß alles so verläuft, wie wir uns das vorstellen. Und wir sind sehr glücklich mit dem Teil, es ist ein absoluter Killer! Wirklich, für mich ist es ein großartig klingendes Album. Manche Leute nennen es jetzt schon einen Klassiker, in einer Reihe mit "Unleashed In The East" von Judas Priest oder "Alive" von Kiss. Wir sind sehr zufrieden, es klingt wirklich gut, und ich denke, ihr werdet es sehr mögen.



Interviewer: Warum erscheint denn dieses zweite Manowar-Live-Album nur ein Jahr nach "The Hell On Wheels"?



Joey: Ganz einfach: Weil es der zweite Teil von "Hell On Wheels" ist.



Interviewer: Was sagst du zu den Leuten, die behaupten, ihr wollt nur leicht verdientes Geld abzocken?



Joey: Wer sagt das? Bestimmt keine Manowar-Fans. Ich denke, es wäre etwas wirklich Lächerliches, wenn jemand so etwas behaupten würde. Es ist ja kein Geheimnis, daß wir für unsere Fans leben, und das allein ist der Grund für diese Platte.



Interviewer: Einige Freunde von mir hatten gewisse Probleme mit "Hell On Wheels", weil jeder Song bei einer anderen Show mitgeschnitten wurde, wodurch ein absolutes Live-Feeling nicht so recht aufkommen will.



Joey: Das ist nicht wahr. Das Album hat ein echtes Livekonzert-Feeling, denn obwohl die Songs in verschiedenen Ländern aufgenommen wurde, fließen sie vom einen zum anderen. Deshalb ist es ein Konzert, und dafür haben wir hart gearbeitet. Wie würden deine Freunde sich fühlen, wenn wir das Album beispielsweise komplett in Italien aufgenommen hätten und es keine Aufnahmen aus Deutschland enthielte? Wie würden sich die Leute in Portugal fühlen, wenn alle Aufnahmen aus Deutschland wären? Unsere Fans sind überall auf der Welt. Natürlich spielen wir mehr Shows in Deutschland, weil die Band hier bekannter ist. Wir sind stärker präsent, das ist ganz klar, und darauf sind wir stolz. Natürlich werden wieder einige Fans fragen, warum so viele Songs aus Deutschland auf dem Live-Album sind. Nun, weil wir mehr Shows in Deutschland spielen.



Interviewer: Also steckt dahinter nur, alle Fans zufriedenstellen zu wollen?



Joey: Das ist der einzige Grund, und den hatte die Band schon immer. Wir scheißen auf Magazine, Radiostationen, fuckin’ MTV und den anderen Bullshit. Manowar ist eine Band aus Heavy Metal-Leuten. Wir haben als Fans angefangen, und wir sind noch immer Heavy Metal-Fans.



Interviewer: Was ist mit kleinen Fehlern in den Songs, werdet ihr Overdubs benutzen, um diese zu entfernen?



Joey: Nein, es gibt keine Zusatzaufnahmen im Studio, so ein Zeug machen wir nicht.



Interviewer: Ich habe mal von (wahrscheinlich nur neidischen) Musikern gehört, daß euer Drummer Scott irgendwelche technischen Hilfsmittel braucht, weil Gitarre und Bass so laut seien, daß ansonsten das Schlagzeug nicht richtig zu hören sei. Ist an diesen Gerüchten irgendwas dran?



Joey: (lacht) Nein, das ist nicht wahr. Er ist auf der Welt sicherlich einer der Drummer, die am härtesten spielen, wenn er nicht sogar der Härteste ist. Es ist unmöglich, ihn nicht zu hören.



Interviewer: Auf dem Cover ist ein neuer Dämon zu sehen. Wer ist das, und was ist mit dem "Metal Warrior"?



Joey: Oh, der Metal-Warrior wird natürlich wieder auf dem nächsten Studioalbum sein. Er repräsentiert den Geist des Heavy Metal in jedem, deshalb hat er ja kein Gesicht. Der Typ auf dem Cover des Live-Albums ist der "Hell On Wheels-Demon". Es ist der "Hellfight" der Band, wenn wir auf Tour kommen, und der "Hellfight" der Fans. Es ist lediglich eine andere Figur, die von Zeit zu Zeit rauskommt, so wie wir von Zeit zu Zeit ausrasten.



Interviewer: Die "Hell On Stage"-Scheibe ist ja die Premiere für euer neus Label Nuclear Blast. Glaubst du, daß sie eich nochmal ein paar Schritte weiter in eurer Karriere bringe können?



Joey: Nun, für uns sieht es so aus, daß niemals jemand anders uns weiterbringt, denn Manowar ist Manowar. Aber: Das gute an diesem Label ist, daß die Leute Fans von Heavy Metal sind, sie verstehen Heavy Metal, sie mögen die Musik, und deshalb sind wir bei ihnen. Das ist der einzige Grund.



Interviewer: Habt ihr keine Probleme damit, daß Nuclear Balst früher nur Death Metal veröffentlicht haben?



Joey: Nein, das sind alles Klassetypen. Sie wollten Manowar auf ihrem Label haben, und wir wollten mit ihnen zusammenarbeiten, weil sie ein "no-bulls-hit"-Label sind.



Interviewer: Manchmal hat man den Eindruck, daß ihr nach jedem Album das Label wechselt.



Joey: Tatsächlich mußten wir oft das Label wechseln, weil die Plattenfirmen nicht verstehen, daß Manowar keine Kompromisse eingehen. So sieht’s nun mal aus, niemand schreibt uns vor, was wir zu tun haben. Wir hören nur auf unsere Fans.



Interviewer: Aber ihr habt schon vor, etwas länger bei Nuclear Blast zu bleiben?



Joey: Das hoffen wir - aber die Sache ist so: wenn alles cool läuft, bleiben wir, wenn nicht, gehen wir. Ganz einfach. Denn wir haben schließlich die besten Fans der Welt, und müssen uns von keinem irgendwas gefallen lassen. Egal, wo wir spielen, wir wissen, daß unsere Fans da sein werden, um den Heavy Metal zu unterstützen.



Interviewer: Auf den letzten Touren habt ihr immer ohne Vorgruppe gespielt. Wird das auch zukünftig so bleiben?



Joey: Manchmal bringen wir andere Bands mit, manchmal nicht, das kommt ganz auf die Stimmung der jeweiligen Tour an. Auf der "Hell on Wheels"-Tour hatten wir die Harleys dabei, eine Riesenbühne und viele Dinge, um die man sich kümmern mußte. Mit so einer großen Produktion ist es sehr schwierig. Auf der "Hell On Stage"-Tour spielten wir einen Set von 2 Stunden. Wir sprachen mit Fans übers Internet und in den Fanclubs und fragten sie, ob sie lieber noch eine andere Band sehen wollten, oder eine Stunde mehr Manowar. Die Antwort dürfte wohl klar sein...



Interviewer: Werdet ihr das "Hell On Stage"-Album mit einer Tour promoten?



Joey: Wir werden diesen Sommer wieder auf Tour gehen, wenn auch nicht dirket für das neue Live-Album. Nichts kann dies aufhalten. Wir werden auch auf dem Dynamo spielen.



Interviewer: Werdet ihr mit dieser großartigen Setlist weitermachen?



Joey: Hatten wir jemals eine schlechte Setlist? Aber letztes Mal war es schon etwas Besonderes. Wir wollten länger spielen als jemals zuvor, um die Tour-Absage wiedergutzumachen. Es ist natürlich beinahe unmöglich jede Nacht 2 Stunden zu spielen. Aber wir machten es trotzdem, um uns auf unsere Art bei den Fans zu bedanken und die ausgefallene Tour zu entschuldigen.



Interviewer: Wird man irgenwann auch noch andere alte Songs, wie "The Oath"oder "Mountains", von euch hören können?



Joey: Die Möglichkeit besteht natürlich. Wenn man alle anderen Songs gehört hat, ist es nur logisch, daß man irgendwann auch diese Stücke zu hören bekommt.



Interviewer: Stimmt es eigentlich, daß "Mountains" der Lieblingssong eures Sängers Eric ist?



Joey: Keine Ahnung, mag schon sein. Aber eigentlich ist er in dieser Beziehung wie ich: ich hab keinen Lieblingssong. Das ist wie mit Kindern. Wie kann man sagen, dieses ist mein Lieblingskind? Du liebst sie alle. Sie sind alle ein Teil von dir. Benau wie mit deinen Eiern. Wie kannst du sagen, welches dein liebstes ist? Du brauchst sie beide! Oder wie mit Mädchen: Wie kannst du sagen, welche Freundin deine liebste ist? Das kannst du nicht!



Interviewer: Gibt es eigentlich Länder oder spezielle Orte, wo ihr noch nie gespielt habt?



Joey: Klar, es gibt eine Menge Länder, wo wir gerne noch spielen würden. Ich bin mir sicher, daß wir das auch tun werden, aber es braucht eben, wie alle Dinge, seine Zeit. Wir planen eine weitere große Welttour. Danach werden wir hoffentlich das Live-Video machen, auf das ich mich schon riesig freue. Es soll ein richtig langes Video werden, das nicht nur die Band zeigt, sondern vor allem die Manowar-Fans auf der ganzen Welt. Danach werden wir ins Studio gehen und an neuen Songs arbeiten. Vielleicht machen wir aber auch zuerst das neue Album und dann das Live-Video. Ich weiß es noch nicht genau. Das ist bei Manowar immer so. Wir planen nicht, was wir tun werden, bis wir wissen, daß wir es tum. Das ist der beste und natürlichste Weg. Es ist wie beim Ficken: Du weißt, daß du es in vielen verschiedenen Stellungen tun wirst. Du brauchst aber nicht zu planen, welche zuerst kommt.



Interviewer: Manowar ist immer noch unbestritten die lauteste Band der Welt. Mittlerweile könntet ihr aber bestimmt auch den ersten Platz für die längste Metal-Show belegen.



Joey: Ich glaube, diesen Rekord halten wir tatsächlich: die erste Show der letzten Tour dauerte 3 Stunden und 45 Minuten. Es war geil, die Leute sind total ausgerastet.



Interviewer: Eure alte Plattenfirma hat vor ein paar Wochen die erste Manowar-Best-Of mit Songs von allen Alben rausgebracht. Warst du an der Auswahl der Stücke beteiligt?



Joey: Ja, ich war in die Auswahl der Songs eingebunden. Sie hatten mich um Hilfe gebeten, und ich fragte, ob sie einen Haufen Scheiße oder eine gute Platte für die Fans machen wollten. Ich finde das Teil gut.



Interviewer: Ihr habt 1996 die Maxi-Single für den Song "Number 1" veröffentlich, worauf als Bonustracks Live-Versionen von "Blood Of My Enemies" und "Kill With Power" sein sollten. Letztendlich waren dann aber die Studioversionen der beiden Stücke drauf.



Joey: Ja genau! Irgendein dummes Arschloch bei der Plattenfirma hat Scheiße gebaut. Wir haben die Platte aber später mit den richtigen Songs neu rausgebracht.



Interviewer: Auf der "Triumph Of Steel"-CD war der Song "Metal Warriors" mit "Brothers Of Metal Part One" untertitelt, aber auf dem darauffolgenden Studioalbum "Louder Than Hell" wurde der Song "Brothers Of Metal" ebenfalls als "Part One" bezeichnet.



Joey: Da wurde auch Scheiße gebaut. Die Nummer auf "Louder Than Hell" ist der eigentliche Teil 1 und "Metal Warriors" ist Teil 2, denn dieser Song wurde zwar später geschrieben, aber früher veröffentlicht.



Interviewer: Kannst Du schon etwas über den Stil auf dem nächsten Studio-Album verraten? Wird es eventuell wieder etwas epischer sein, wie z.B. "Hail To England" oder "Sign Of The Hammer"?



Joey: Jedes Manowar-Album ist anders. Es gibt keine zwei, die sich gleichen. Das ist besser, als sich mit der Absicht hinzusetzen, eine Platte zu machen, die beispielsweise wie "Into Glory Ride" klingt. Ich liebe jede unserer Platten, weil sie genau das widerspiegeln, was zu der Zeit mit der Band und den Fans los war. Sie zeigen den Geist des Metals zu dem jeweiligen Zeitpunkt. Und wie auch immer die neue Platte wird, so wird sie eben. Es wird auf jeden Fall Heavy Metal werden und kein kommerzieller Bullshit, wie ihn die anderen Penner spielen, darauf kannst du deinen Arsch verwetten.



Interviewer: Du bist ja als großer Richard Wagner-Fan bekannt. Was hältst du davon, mal mit einem Orchester zusammen Stücke wie "Ring der Nibelungen" und "Bridge Of Death" zu spielen?



Joey: Das wäre total wahnsinnig. Das ist eine großarige Idee, klassische Musik ist alles für mich. Ich glaube zwar nicht, daß das schon nächste Woche passieren wird, aber vielleicht irgendwann. So etwas bedeutet einen immensen Zeit- und Arbeitsaufwand.



Interviewer: Kannst du dich daran erinnern, als Arno Hofmann dir den Song "Der Hund von Baskerville" von Cindy und Bert vorspielte (ist eine Coverversion von "Paranoid")? Du wolltest diese Schlagerikonen ja mal anrufen, damit sie auch mal einen Manowar-Song covern (lacht).



Joey: Ich habe sie zwar noch nicht angerufen, aber ich fand den Song wirklich lustig. "It’s Schlagershit". Einer von diesen Typen ist ziemlich cool, er bumst viele Frauen. Dieter Thomes Kuhn, kennst du den Kerl? Der macht sich doch eine schöne Zeit, oder?



Interviewer: Na klar. Kennst du auch Guildo Horn?



Joey: Ja ja, diese Typen ficken viel rum und haben eine Menge Spaß. Exzellent! Es ist mir scheißegal, ob sie Schlager spielen, Hauptsache sie haben Spaß. Wenn Mädels ihnen ihre Unterwäsche und Blumen auf die Bühne bringen, ist das cool, es ist zum Totlachen. Mit Schlager ist es ähnlich, wie mit jeglicher Art von Rockmusik. Leute gehen auf ein Schlagerkonzert, um sich zu beracken, zu poppen und eine gute Zeit zu haben. Was soll daran schlecht sein?



Interviewer: Wie sieht’s bei dir mit der Frau fürs Leben aus?



Joey: Noch habe ich sie nicht gefunden, doch ich bin immer auf der Suche nach ihr. Es ist sehr schwierig, die richtige zu finden, aber ich habe viel Spaß beim Suchen. Das Leben ist zu kurz, um keinen Spaß zu haben. Als wir zum Beispiel neulich in Budapest waren, stand ich nach der Show mit drei Mädels unter der Dusche, als die Alte von der Plattenfirma reinkam. Die wäre fast gestorben (lacht). Ich meinte nur: "Komm’ doch rein, wir haben gerade viel Spaß!" Da ist sie einfach weggerannt (lacht).