Interviews / Presse





Informationen
Titel: MANOWAR- Tod den Ungläubigen
Datum: 1996
 
Text
Interview with Joey DeMaio
Published by : BREAK OUT Magazine Germany
Interviewer : SVEN LOHNERT
Published on : 1996
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MANOWAR- Tod den Ungläubigen
Nie war die mittlerweile allseits bekannte Diskussion über den Tod des Heavy Metals hinfälliger denn jetzt. Manowar haben wieder zugeschlagen. Von 0 auf Platz 7 in den deutschen Charts! Doch wer hätte hinter " Louder Than Hell" eine solche Brachialität vermutet? Und dennoch spaltet keine andere Band die Fans des Hartwurst- Lagers in dermaßen trennscharfe Gruppen. Kommt das Thema MANOWAR zur Sprache, gibt es diejenigen, die die Jungs vergöttern, und die, die nicht verstehen, was sich hinter Lautstärke, Muskeln und Fellhosen verbirgt- positiv denkende, lebensfrohe Menschen.
Mein Eindruck wird wieder einmal im Frankfurter Grand Hotel Arabella bestätigt, wo ich nun Joey DeMaio gegenüber sitze und einen erfrischenden Smalltalk führe,- mit einem Mann, der weder frauenfeindlich, chauvinistisch oder gar zynisch, dafür aber umso ironischer und unterhaltsamer ist.


Joey DeMaio: " Die größte Entwicklung in musikalischer Hinsicht ist unumstößlich die Anwesenheit von Karl. Mit seiner Erfahrung und seiner Auffassungsgabe stellt er eine unglaubliche Bereicherung dar. Und wenn du dich dann weiterentwickeln willst, ist es optimal, wenn du noch ein zusätzliches Genie in der Band hast, welches den gleichen Input wie du bringt. Mit Genies ist das nämlich so eine Sache, denn es ist unglaublich schwer, mit ihnen umzugehen. Deshalb ist es unabdingbar für ein optimales Bandgefühl, die richtige Chemie zu finden, bei der sich jeder den Ideen des anderen beugen und sich unterordnen kann."



Interviewer: Gibt es aus deinem Blickwinkel irgendwelche Experimente oder Veränderungen, was euren Sound betrifft?



Joey DeMaio: Keine Ahnung. Ich denke, daß es eben 100 % nach MANOWAR klingt. Das Ganze ist diesmal aber so roh wie es nur geht eingefangen worden. Also- ich höre es auf alle Fälle nicht, überlassen wir es doch einfach den Fans darüber zu urteilen.



Interviewer: Könnte es vielleicht sein, daß ihr eine andere Methodik, sprich: Arbeitsweise an den Tag gelegt habt, denn das Ergebnis ist bei weitem nicht so symphonisch wie " The Triumph Of Steel" oder " Kings Of Metal" ausgefallen.



Joey DeMaio: Ich sage immer: Je weniger du mit einem Song anstellst, daß er sich gut anhört, desto besser ist´ s. Und manchmal ist es so: Je länger du an deinem Material herumschraubst, es eindampfst und konzentrierst, desto steriler, klinischer klingt es, und umso mehr Natürlichkeit geht verloren.



Interviewer: Ist dir die Natürlichkeit eures Materials das Wichtigste, oder gibt es da andere Präferenzen wie Perfektion in spielerischer oder produktionstechnischer Hinsicht?



Joey DeMaio: Das hängt eindeutig nur vom Konzept ab. Du kannst deine Songs von einem Orchester einspielen lassen, daß es zwar natürlich, aber nicht fließend wirkt. Und was hast du davon, wenn es sich gut anhört, aber schlecht anfühlt? Das ist doch gerade auch das Problem mit vielen CDs: Da mußt du die Stereoanlage bis zum Anschlag aufdrehen, damit der Sound annehmbar rüberkommt- und doch fehlt irgendwie noch das authentische Gefühl. Und Musik ist nun mal nur eine Angelegenheit des richtigen Feelings. Ich muß gestehen, daß mir die Sache andersherum oft lieber ist. Natürlich ist’s gut, wenn du beide Effekte kombinieren kannst, aber es ist wichtiger, daß du merkst, wenn die Musik Seele besitzt und somit von Herzen kommt.. Da scheiße ich auch mal auf einen brillanten Sound. Weißt du, Musik ist für mich der Klang der Emotion, wohingegen Kunst das Auge der Emotion darstellt. Wenn du ein Kunstwerk betrachtest, siehst du, was der Künstler damit ausdrücken wollte; wenn du einen Song hörst, nimmst du wahr, was der Musiker damit sagen wollte.



Interviewer: Klingt irgendwie logisch. Aber du wirst mir doch nicht weismachen wollen, daß eine Band, die ganz oben mitmischt, beim Songschreiben den Kopf von Kommerz vollkommen frei machen kann, ohne daß ein inneres Auge dabei auf den Kontostand schielt, und die Angst vor dem Mißerfolg wächst.



Joey DeMaio: Natürlich kannst du die kommerzielle Seite nicht völlig vernachlässigen jedoch äußert sich das bei uns nur in dem Anspruch, die Leute nicht zu langweilen. Du kannst beschließen, einen dreißigminütigen Song aufzunehmen, aber von der kommerziellen Seite macht es wenig Sinn, ein paar dieser Monumentalwerke auf CD zu pressen. Das mußt du doch zugeben- an irgendeinem Punkt ist immer zuviel des Guten. Was den verkaufspolitischen Gesichtspunkt betrifft, finde ich an Kommerz nichts negatives, solange er sich auf den Erfolg einer Truppe bezieht. Ein gutes Beispiel hierfür sind Led Zeppelin. Wenn du deine eigene Musik aufnimmst uns sie Millionen Leuten gefällt, die auch noch deine Scheibe kaufen, dann ist das doch phantastisch. Aber wenn du anfängst, das Business nach Millionensellern zu durchforsten, nach dem Motto: ´Wow, Guns´n ´Roses verdienen ja ein Schweinegeld- komm, laß uns Songs wie die schreiben, laß uns Klamotten wie die tragen...´; wenn du damit einmal angefangen hast, kommst du in Teufels Küche! Das hat nichts mehr mit eigener Überzeugung oder gar Musik zu tun.



Interviewer: Ihr habt euch also in eurer Karriere noch nie von einem renommierten Produzenten in die Suppe spucken lassen?



Joey DeMaio: Nein, denn solche Bands sind Idioten. Es ist doch das Gleiche, wenn da jemand reinkommt und dir deine Songs ändert, wie wenn er hineinstürmt und deine Freundin fickt. Mal ehrlich, was steht dir näher als deine eigene Musik? Die bekommen nur, was sie verdient haben, wenn sie das mit sich machen lassen.



Interviewer: Und was würdest du machen, wenn du eine absolut geile Songidee hättest, die allerdings nicht mit MANOWAR zu vereinbaren wäre? Würdest du deine " Familie" kurzzeitig verlassen?



Joey DeMaio: Dann tritt genau der Fall ein, der es legitimiert, eine Soloscheibe aufzunehmen oder den Titel deinem Verleger zu überlassen, mit der Auflage, einen geeigneten Interpreten zu finden, der ihn präsentieren kann. Stell dir doch mal das Unmögliche vor: Joey DeMaio hat einen großartigen Einfall für einen lateinamerikanisch angehauchten Song wie dieses Macarena- Teil. Dann wärst du doch mit Sicherheit ganz froh, wenn wir das nicht mit MANOWAR einspielen würden, ha ha. Mal ehrlich, die Leute haben eine gewisse Erwartungshaltung, was unsere Mucke betrifft.



Interviewer: Einigen Leuten fehlt der hörbare Fortschritt in eurer Musik , eine Anpassung an die Zeit, in der wir leben. Sie halten euch für die ewig Gestrigen.



Joey DeMaio: Um die entscheidende Frage vorwegzunehmen. Glaubst du, daß diese Typen jemals richtige Fans von uns waren? Jeder, der unsere Karriere von Anfang an verfolgt hat und mit uns mit gewachsen ist, der sieht, wo der Hase lang läuft. Weil die Leute sehen, wo wir am Anfang standen und wo wir jetzt sind. Aber jemand, der das nur so im Vorbeihören mitbekommt, der sagt: Aha, Heavy Metal.



Interviewer: Manche der echten Fans wünschten sich aber vielleicht doch ein paar kleine Neuerungen. Das gilt zwar nicht für mich, da mein Musikgeschmack ja eher konservativ, also altbacken ist, aber nicht jeder denkt so wie ich.



Joey DeMaio: Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich meine, Richard Wagner war Richard Wagner. Was wäre, wenn AC/DC sich dem Zeitgeist öffnen würden? AC/DC sind AC/DC- und das ist doch der Punkt. Du bist, wer du bist- und der bleibst du auch. Da kannst du anstellen, was du willst. Guck dich mal an. Du hast lange Haare. Würdest du zum Frisör gehen, hättest du einen anderen Haarschnitt. Aber du wärst immer noch Sven, oder nicht? Obwohl du zugegebenermaßen etwas seltsam aussehen würdest, ha ha. Das Gleiche kannst du auf uns übertragen. Wir haben ein Image, einen Stil und ein bestimmtes Aussehen. Und egal in welcher Band wir auch spielen, wir sind immer wir selbst. Wenn Scott in einer Jazzband trommeln würde, könntest du sein Drumming doch unter Tausenden heraushören. Um es mal ganz einfach zu machen: Eine Kuh gibt Milch, das ist ein Fakt. Du kannst aus einer Kuh kein Rennpferd machen. Auch nicht, wenn du ihr einen Sattel auf den Buckel schnallst und ´hüh´ brüllst- die Kuh wird niemals so schnell rennen können. Genauso verhält es sich mit den Menschen, die sich nach Veränderungen sehnen. Eigentlich wissen die nicht, wo sie hingehören, weil sie von ihrem Umfeld beeinflußt werden. Menschen, die wissen, was sie wollen und mögen, werden ihre Haltung bis auf den letzten Blutstropfen verteidigen.



Interviewer: Ist für dich eigentlich ein festes Image die Garantie, erkannt zu werden und zu überleben?



Joey DeMaio: Das ist doch das Wichtigste an allem. Du mußt dich in so vielen Gesichtspunkten wie möglich von anderen Bands unterscheiden. Nur dann behält man dich in Erinnerung. Wenn du die Kopie einer Kombo verkörperst- dann ist alles aus. Ich kenne Unmengen von Led Zeppelin – Plagiaten, und alle sind scheiße. Das ist auch der Grund, warum so viele Bands scheitern, weil sie ihre eigene Identität aufgeben, um anderen Menschen ein Leben vorzugaukeln, welches gar nicht ihr eigenes ist.



Interviewer: Schon in Orlando hatte ich dich auf euer Macho- Image angesprochen, das ein nicht unerheblicher Teil der Leser verurteilt. Das läuft dann in etwa so ab :`Die Musik ist zwar gut, aber das sind doch selbst die größten Poser!´



Joey DeMaio: Ich denke, daß ich dies nicht nachvollziehen kann. Woher sollen diese Kritiker wissen, was wir fühlen, wenn wir unsere Musik spielen? Und was das Zerreißen meiner Bass- Strings angeht, so ist das meine überschüssige Energie, die mir nach einem geilen Konzert geblieben ist. Das ist für viele Dinge symbolisch. Die Fans sollen sehen, daß ich ihnen alles gebe, was ich zu geben habe, so daß nichts mehr übrigbleibt. Das ist das großartigste Finale, das ich geben kann und gleichzeitig das größte Dankeschön an die Fans. Wenn dies manchen Leuten nicht gefällt, bitte schön. Und was das Posing betrifft, sprechen wir doch- wie ich denke- über die Sorte Bands, denen es wichtiger ist, sich zwei Stunden vor Konzertbeginn die Haare zu kämmen, anstatt sich mit Fingerübungen warm zu spielen, daß sie den Zuschauern von Anfang an das volle Brett geben können.
Die nehmen sich wichtiger als ihre eigenen Fans- und das ist Bullshit.



Interviewer: Dann gib mir doch einmal deine konkrete Definition von dem Begriff Poser.



Joey DeMaio: Poser nenne ich Menschen, die feige und falsch sind, sich weder um die Musik noch um ihre Anhänger kümmern, nur um das, was sie umgibt: Limousinen, Hotels, Groupies. Nach dem Motto: Wie soll ich mich diese Woche kleiden , um noch mehr Platten zu verkaufen? Wie ist die neueste Mode, damit ich die ja nicht verpasse!



Interviewer: Wenn ihr keine Poser seid, könnte mancher auf die abwegige Idee kommen, euch für Rockstars zu halten.



Joey DeMaio: Äh, nicht wirklich. Ich habe mich zumindest noch nie wie ein Star gefühlt. Das ist nicht mein Weg zu denken. Weißt du, ich komme daher, wo jetzt die Menschen stehen, die uns unterstützen. Ich stand damals auch in der ersten Reihe, und die Masse hinter mir hat mir an der Absperrung fast die Eier abgequetscht. Und wie ist es jetzt? Heute bin ich gerade mal fünf Meter weiter vorne. Das ist doch wirklich ein Klacks.



Interviewer: Das ist wahr. Manchem fällt es vielleicht trotzdem schwer, dir zu glauben, denn immerhin steigt ihr in noblen Hotels ab, habt Groupies und fahrt dicke Harleys. Der Kontrast zwischen dem , wie ihr wirklich seid und wie ihr nach außen wirkt, ist schon immens. Das könnten einige Leute falsch interpretieren.



Joey DeMaio: Das stimmt schon. Auch wir haben ein paar japanische Mädchen, die uns quer durch Europa nachfliegen. Die Menschen, die die Band kennen, sind die Fans. Für die ist das nicht schwer, die Wahrheit über uns herauszufinden. Eine andere Gruppe sind Leute wie du. Du kennst uns privat, wie wir im normalen Leben sind. Wir haben zusammen zu Nacht gegessen, tranken das eine oder andere Bierchen und hatten jede Menge Spaß. Du hast uns so gesehen, wie jeder andere halbwegs Normale lebt und seine Freizeit verbringt. Dieses Privileg haben leider nicht viele. Also ist es ja wohl an dir, den Leuten detailgetreu zu vermitteln, wie wir tatsächlich sind. Keine aufgedunsenen Sesselfurzer, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, keine überspitzten Schönlinge, die in ihr Spiegelbild verliebt sind, und keine arroganten Arschlöcher, die in ihrer eigenen Traumwelt leben. Natürlich sitzen wir hier in einem noblen Hotel, das bringt unser derzeitiger Status mit sich. Aber es gab auch Zeiten, in denen wir in den letzten Drecklöchern hausten. Wir haben die ganze Welt betourt. Darunter waren erstklassige Gigs, aber auch hundsmiserable Shows. Die Band hat es auch damals nicht gestört, bei strömendem Regen im Vorprogramm von Motörhead zu spielen. Wir gehen den Weg, den wir gehen müssen, egal wie er gepflastert ist.



Interviewer: Gefiel dir eigentlich die Vergangenheit besser als die Gegenwart?



Joey DeMaio: Nein. Es gab viel Schönes in der Vergangenheit, aber auch ziemlich viel Shit. Es gibt viel Schönes in der Gegenwart und immer noch viel Scheißdreck. So ist das Leben. Wie Ying und Yang. Gutes bringt Böses, und Böses bringt Gutes. Alles wiederholt sich.



Interviewer: Ich habe das auf musikalische Gesichtspunkte beschränken wollen. Gerne denke ich an das " Gloves of Metal"- Video zurück. Damals waren wir alle eine große Familie, und keiner fragte, ob Metal tot sei oder nicht.



Joey DeMaio: Tja, das ist ein Zeitabschnitt deines Lebens, an den du dich da erinnerst. Da stimme ich dir zu, es war eine großartige Zeit. Aber sind es nicht gerade Leute wie du und ich, wie MANOWAR, die den Spirit dieser Vergangenheit mit in die Neunziger genommen haben und ihn hier wieder aufleben lassen? Wenn du zu einem MANOWAR – Konzert gehst, ist es noch genau wie damals. Oder glaubst du, da steht jemand im Publikum und fragt uns, ob der Metal tot ist?



Interviewer: Das würdet ihr bei der Lautstärke sowieso nicht hören, also wäre es logischerweise sinnlos.



Joey DeMaio: Ich weiß, was du meinst und was dir damals gut gefiel. Ich verstehe das. Und trotzdem gehöre ich nicht zu denjenigen, die mit einer Zeitmaschine zurückreisen wollten. Oder wolltest du Geschwüre wie Ratt, Quiet Riot, Cinderella- Scheiße gab es auch damals schon.



Interviewer: Öh. Ich dachte, wir sprechen von wahrem Metal.



Joey DeMaio: Tun wir ja auch. Aber fälschlicherweise nahmen die Leute früher an, daß die Musik dieser Krücken Metal sei. Besonders in Amerika. Für Amerika war das Metal. Du hast Glück, daß du in Europa groß geworden bist. Wenn du über dem großen Teich nicht wie Poison geklungen hast, hast du keinen Plattenvertrag bekommen, deine Lieder wurden nicht im Radio gespielt, du hattest keine Chance. Mit dem Effekt, daß haufenweise gute Bands ignoriert wurden. Und diese Arschgeigen haben mit ihrer Happy – Mucke sechs Millionen Platten verkauft, bloß weil sie radio- und fernsehkompatibel waren. Aber schau an, was mit ihnen passiert ist. Sie wurden gefickt, sie sind tot und im Klo runtergespült- wie ein großer Haufen Scheiße. Und wir sind immer noch da und werden jeden Tag größer und stärker.



Interviewer: Nun ja. Aber du warst nicht schon immer hier. Also, wie ist denn ein Joey DeMaio überhaupt zum Baß- Spiel gekommen?



Joey DeMaio: Das ist eine lange Geschichte. Ich entschied mich, Baß zu spielen, weil ich in einer Band sein wollte. Ich hatte mir gerade eine Gitarre gekauft und ganze zwei Unterrichtsstunden genommen. Als ich in einem Gebäude einen Typen traf, der nur ein paar Jahre älter war als ich und eine Sonnenbrille am Abend trug, dachte ich: " Hey, ist der cool. Anstatt mich normal mit ihm zu unterhalten, fragte ich ganz aufgeregt :`Spielst du in einer Band? `Er nickte stumm und vielsagend. `Cool`, schrie ich. `Was macht ihr denn so?` `Wir spielen im Red Carpet`. `Was im Red Carped?` Ich dachte, der Kerl sei der Käse, weil er stinkt. Er sagte: `Wir suchen einen Bassisten.` `Ich spiele Bass´, platzte es aus mir heraus. `Hast du überhaupt einen Baß?´ ´Ich kauf mir gleich morgen einen.´ ´Hast du einen Verstärker?´ ´Den krieg ich doch dazu´, war meine Antwort. `Vielleicht kannst du´s ja mal bei uns probieren.` Ich brüllte: `JA, das ist es! `und rannte aus dem Geschäft direkt nach Hause zu meinen Eltern.
Ich sagte zu meinem Vater: Einen Bass, ich brauche einen Bass. Ich spiele ab jetzt in einer Band. Er antwortete mir: Du hast gerade vor zwei Wochen eine Gitarre gekauft. Ich entgegnete nur: Nein Baß, ich will Baß lernen. Sie mußten sich mein ganzes Gepienze und Betteln anhören. Um es kurz zu machen: Sie kauften mir noch am selben Wochenende das Instrument, und mein Vater zog mich auf die Seite und sprach:
Höre, mein Sohn, das ist das Ende. Klavier war nicht das richtige, mit deiner Trompete hat es nicht funktioniert, wenn du jetzt mit dem Baß nicht bei der Stange bleibst, bekommst du nie wieder ein Musikinstrument von uns.
Nun, der Sonnenbrillentyp outete sich als Dummschwätzer, denn logischerweise spielten wir nie im Red Carpet.. Auf jeden Fall landete ich in der Band als Viersaiter. Weil ich keine Ahnung von Fingertechnik hatte, war ich gezwungen mit Plektrum zu spielen. Woraus mein heutiger Stil resultiert. Eines Nachts spielten wir beim ´Battle of the bands´, und wir waren einfach schrecklich. Denn wir hatten einen furchtbaren Sänger, der zu allem Übel auch noch Saxophon spielte. Alles endete damit, daß ein bulliger Kerl auf die Bühne stürzte, verkündete, unser neuer Sänger zu sein, sich das Mikro schnappte und indianische Regentänze vollführte. Zu allem Überfluß bekamen wir für diese Präsentation auch noch den zweiten Platz, so daß der Kerl fest bei uns einstieg.
Doch dann stellte sich heraus, daß er ein stadtbekannter Schlägertyp war, den mein Vater, der in übrigen Polizist ist, kurz zuvor wegen Randalierens eingebunkert hatte. Es war eine Show, das Gesicht meines Vaters zu sehen, als er dann den Typ jedes Mal auf dem Weg zur Probe in seinem Auto mitnehmen durfte. Dieser Kerl half mir, mein Leben zu ruinieren. Er zeigte mir, was Zigaretten, Alkohol und Mädchen bedeuten. Und da war ich gerade zwölf Jahre alt.



Interviewer: Irgendwann ging es dann wohl mit Manowar ernsthaft los. Wo hast du denn Scott und Eric aufgegabelt?



Joey DeMaio: Ach Gott, Eric kenne ich, seit ich denken kann. Wir haben mit vielen lokalen Bands zusammen gespielt, und nachdem sich MANOWAR formiert hatten, suchten wir nach einem Schlagzeuger. Weil Donnie Hamzig die Band verlassen hatte und meine damalige Freundin zu mir sagte: Ich habe gestern einen Typen in der Bar getroffen, der behauptet, sein Kumpel sei ein ultraharter Schlagzeuger. Ich fragte sie, wo er denn herkäme, und sie entgegnete: Ganz in der Nähe, wo du wohnst.
Für mich war klar, daß der Kerl nur ein dummer Farmer sein könnte. Dennoch konnte er nicht schlechter sein als die, die wir bereits getestet hatten. Also rief ich ihn an. Ich sagte: Hey, hier ist Joey von MANOWAR. Schon mal was von uns gehört?. Er verneinte, und ich dachte: Wo lebt der bloß? Ich fragte ihn, welche Bands er möge, und er traf damit genau meinen Nerv. Ich wollte wissen, wie er aussehe, und er erklärte: Groß, gutaussehend, mit einem Dr. Fu- Manchu- Schnurrbart und nicht dumm. Ich sagte zu Eric, daß der Kerl einen Knall haben müsse. Aber als er reinkam, sich hinters Drumkit klemmte und wir zu jammen begannen, war es sofort klar, daß Scott unser Mann ist.



Interviewer: Fast jeder weiß mittlerweile von deiner Vorliebe für Klassik und insbesondere für Wagner. Was fasziniert dich so an ihm?



Joey DeMaio: Ich mag an ihm, daß er die Musiklandschaft seiner Zeit analysierte und bemerkte, daß die meisten Mucker totale Stümper waren, die nur bezahlt wurden, aber von Spieltechnik keine Ahnung hatten. Das war seine erste große Errungenschaft- die Orchester auf Vordermann zu bringen. Danach stellte er fest, daß die Konzertsäle, aufgrund ihrer verkrutzten Architektur, eine lausige Akustik aufwiesen.
Also entwarf und baute er sein eigenes Opernhaus. Das war großartig. Niemand reichte an den Standard, den er sich selbst auferlegt hatte, heran. Er brauchte dafür zwar sein ganzes Leben lang, aber am Ende hatte ein einziger Mann gezeigt, daß alle anderen Scheiße waren. Wie gut und heavy er war, kannst du heute noch sehen, denn wie viele Sänger oder Musiker sind im Stande , eine Wagner- Oper authentisch zu reproduzieren? Die kannst du an einer Hand abzählen.



Interviewer: Warum schreibst du dann nicht selbst einmal eine Oper?



Joey DeMaio: Man weiß nie, was noch passiert. Ich bin der Überzeugung, daß ich im Moment das tue, wozu ich mit meinen Fertigkeiten in der Lage bin. Falls es mir möglich ist, meine persönlichen Grenzen zu überschreiten- wer weiß, wer weiß, ha ha. Ich wünschte, daß mehr Leute wie du denken würden. Eines kann ich dir aber trotzdem versprechen: Wenn ich die notwendige Lust, Laune und Zeit finde, werde ich ein solches Projekt in Angriff nehmen. Eine klassische Oper würde dabei zwar auf keinen Fall entstehen, da ich meine Vorliebe für Rock- Musik niemals unterdrücken könnte, aber wie gesagt- wer weiß?



Interviewer: In der Vergangenheit schwirrte so ein klangvoller Name wie Orson Welles um die vier Amerikaner herum. Würde es euch nicht reizen, wieder einmal mit einem solch qualifizierten Darsteller zusammen zu arbeiten?



Joey DeMaio: Mit Sicherheit, denn alle diese Leute sind gut trainierte Schauspieler, um nicht zu sagen Koryphäen. Leider konnten wir mit Orson Welles nicht persönlich arbeiten, waren aber trotzdem sehr glücklich, die Tonbandaufnahmen seiner Stimme verwenden zu können. Wenn wir jemals wieder einen Erzähler einsetzen, muß er die Klasse von ihm haben. Das wird sich allerdings sehr schwierig gestalten, da er meiner Meinung nach die beste und vor allem eine einzigartige Erzählstimme hatte. Alles starb mit ihm. Christopher Lee und Vincent Price sind unbestreitbar wahre Genies, aber sie strahlen eine andere Art von Magie aus, als die, die ich mir wünsche.



Interviewer: Es ist erwiesen, daß MANOWAR wahre Perfektionisten sind und nichts dem Zufall überlassen. Bist du mit " Louder Than Hell" eigentlich noch hundertprozentig zufrieden, oder würdest du nachträglich gern noch etwas an dem Album verbessern wollen?



Joey DeMaio: Ich kann es mir nicht mehr anhören, aber das will nichts besagen, weil ich immer so verfahre. Erst wenn es Zeit ist, eine neue Platte in Angriff zu nehmen, sichte ich das ältere Material, um eventuell begangene Fehler ausmerzen zu können. Das Prozedere beginnt dann bei " Battle Hymn" und endet mit " Louder Than Hell". Dadurch kann ich einen repräsentativen Gesamteindruck erstellen, durch dessen Interpretation ich merke, woher wir kamen und wohin wir gehen werden.



Interviewer: Wenn du die Möglichkeit hättest: Würdest du etwas an den alten Releases verändern?



Joey DeMaio: Nein, unter gar keinen Umständen, weil jedes Album den Zeitpunkt der Vergangenheit repräsentiert, an dem unser damaliges Können seinen Höhepunkt erreicht hatte. Und wir hätten nie eine Platte veröffentlicht, wenn wir nicht voll hinter ihr gestanden wären. Würdest du etwas verändern wollen, müßtest du deine eigene Inkompetenz zugeben- das werden wir nicht tun. Natürlich versprüht jede Scheibe ihren eigenen Charme. " Battle Hymns" war " Numero Uno", der Zeitpunkt, wo alles begann, wo wir uns zusammenfanden. Wir starteten auf einem Major- Label, das war ein echter Triumph.
" Into Glory Ride war ein hartes Brot, denn wir wurden wieder gedroppt.
Jeder war gegen uns, es gab keinerlei Unterstützung, und jeder sagte: Die sind keinen Pfifferling wert. Wenn sie von einer großen Firma entlassen werden, kräht kein Hahn mehr nach ihnen." Zu dieser Zeit gab es eben keine kleinen Firmen, bei denen du unterkommen konntest. Das war nicht so wie heute, wo jeder Depp mit seiner Kellercombo einen Plattenvertrag in der Tasche hat. Damals versprühte der Begriff " Recorddeal" noch wahre Magie, denn nur einem auserwählten Kreis wurde dieses Privileg zuteil. Wenn du dann wieder auf der Straße gesessen hast, war es schwer, neue Motivation zu finden. Dennoch ließen wir uns nicht entmutigen und waren sechs Monate nach dem Eklat wieder zurück- mitten in die Fresse der Fans. An " Hail To England " erinnere ich mich gerne zurück, weil wir dort das erste Mal die Möglichkeit hatten, in Europa zu touren und mit " Sign Of The Hammer" erstmals Deutschland unsicher machten.



Interviewer: Ihr habt damals gute Erfahrungen gemacht. Kam der Erfolg, die überschwenglichen Reaktionen überraschend?



Joey DeMaio: Oah, das war unvorstellbar. Wir wußten zwar, daß wir bei vielen Menschen beliebt waren, aber das Resultat war umwerfend, um nicht zu sagen erschreckend. Niemand von uns hätte geglaubt, daß die Hallen berstend gefüllt wären, und das Publikum jede Zeile unserer Songs in- und auswendig lauthals mitgrölen könnte. Seit dieser Zeit sind wir von Deutschland schwer beeindruckt. Nach unserem Weggang von Virgin und einer Durststrecke von zwei Jahren tat uns " Fighting The World" sichtlich gut.
Mit Geffen/ MCA hatten wir das erste Mal ein Label, welches unser europäisches Verkaufspotential erkannte und deswegen ein kleines bisschen mehr in uns investierte. Als sie den Erfolg sahen, steckten sie noch etwas mehr in " Kings Of Metal", welches alles bisher Dagewesene locker toppte. " The Triumph Of Steel" war unsere Antort auf die Umwälzungen im Musikgeschäft. Uns ging diese Alternativ- Grützkacke mächtig auf den Zeiger, wo ein Song keine Soli haben und die drei Minuten Marke nicht überschritten werden darf. Wir hingegen schrieben ein dreißigminütiges Epos- einen deftigen Mittelfinger gegen alle Trends!"