Interviews / Presse





Informationen
Titel: RockHard 1997
Datum: 1997
 
Text
Interview with Joey DeMaio
Published by : ROCK HARD MAGAZINE GERMANY
Interviewer : Götz Kühnemund
Published on : 1997
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Rund 17 Jahre haben MANOWAR mit der Veröffentlichung ihres ersten Live-Albums gewartet-höchst ungewöhnlich in einer Zeit, in der andere Bands nach jeder dritten Studio-Scheibe Konzert-Mittschnitte auf den Markt werfen. Aber MANOWAR waren noch nie wie andere Bands.

Joey DeMaio sitzt mir in einem Hotel in Los Angeles gegenüber - unweit des Studios, in dem er gerade am Mix von "Hell On Wheels - Live" feilt. Vor zwei Stunden haben wir uns 18 fertig abgemischte Stücke angehört - und eigentlich hätte auch der Rest längst im Kasten sein sollen. Aber wie immer hat der Produktionsprozeß länger als erwartet gedauert - obwohl keinerlei zusätzliche Aufnahmen bzw. Overdubs hinzugefügt wurden.

"Es ist viel arbeitsaufwendiger, ein Live-Album zusammenzustellen, als ich erwartet hatte", erklärt Joey, "zumindest wenn man 60 Shows aufnimmt und dann jede einzelne komplett analysieren muß. 60 Versionen von Manowar, 60 Versionen von Kings Of Metal, 60 Versionen von Kings Of Metal, 60 Versionen von Kill With Power ... - da kommt einiges zusammen. Außerdem wollten wir so viele Länder wie möglich bei der Auswahl berücksichtigen, damit die Fans die jeweiligen Reaktionen miteinander vergleichen können. Das fanden wir viel reizvoller, als ein einziges Konzert aufzunehmen. (Anm. d. Verfassers: Im Kasten findet ihr die genaue Tracklist mit dem jeweiligen Auftrittsort und -datum.) Der Hauptteil unserer Arbeit bestand also daraus, die Livetapes durchzuhören und festzustellen, welcher Song wo am besten klang. Das habe ich zusammen mit Paul Bona, meinem Assistenten und Bass-Tech, erledigt. Wichtig war vor allem die Energie der Songs, nicht unbedingt die reine Performance. Die Magie zwischen Band und Publikum war ausschlaggebend - und ich hoffe, es ist uns gelungen, die besten Momente herauszufiltern."
Wobei es in bezug auf die Publikumsreaktionen noch eine Besonderheit gibt: "Der Track Warriors Of The World ist eine Collage aus Fangesängen und ähnlichem, die zeigt, wie das MANOWAR-Publikum in verschiedenen Ländern reagiert. So haben wir die Möglichkeit, alles gebündelt zu präsentieren und können die gewonnene Zeit zwischen den Songs für zusätzliche Musik verwenden."
Wie akribisch Joey arbeitet, zeigt u.a. die Tatsache, daß er sich nach jedem einzelnen Konzert im Tourbus hinsetzt und den Auftritt noch einmal per Video und Livetape Revue passieren läßt.
"Nach der Show trinke ich ein paar Gläschen und schau mir dann alles noch mal in Ruhe an. Auf diese Weise kann ich Fehler im Sound oder in der Lightshow am schnellsten abstellen. Die anderen Musiker und unsere Roadies verfluchen mich dafür manchmal", lacht Joey, "aber das ist mir egal. Ich will das Beste für die Fans, und da sind ein paar "Überstunden", selbstverständlich."
Daß Joey gerne alle Fäden in der Hand hält, ist bekannt. Wieviel Mitspracherecht hatten denn Eric, Scott und Karl bei der Songauswahl und beim Mix fürs Livealbum?
"Alle drei sind natürlich hier in L.A. im Studio gewesen und haben sich die Aufnahmen angehört - und es gab keinerlei Probleme. Für den reinen Mix haben wir sowieso nicht viel Zeit gebraucht, da die Songs unverfälscht klingen sollten. Es gibt keine Overdubs oder Ausbesserungen - und daß alle Instrumente und der Gesang gut zu hören sein müssen, versteht sich ja von selbst. Da hat es noch nie Probleme bei uns gegeben - schließlich wollen wir den typischen MANOWAR-Sound, den wir immer gehabt haben, nicht verändern."
Joey, der während der "Heaven and Hell"-Tour als Roadie für Black Sabbath gearbeitet hat, spielt hier auf das Gerücht an, Ronnie James Dio habe sich während des Mixes von "Live Evil" heimlich ins Studio geschlichen, um seinen Gesang lauter und Tony Iommis Gitarre leiser zu drehen - eine Geschichte, die Dio natürlich bestreitet...
Aber zurück zu "Hell On Wheels": Joey betont immer wieder, daß dies ein echtes Live-Album ohne zusätzliche Aufnahmen und deshalb absolut repräsentativ für ein MANOWAR-Konzert sei. "Overdubs waren schlicht und einfach überflüssig, weil wir genügend brauchbares Material hatten", versichert er - und fügt lachend an: "Wenn das bei 60 Shows nicht der Fall gewesen wäre, sollten wir uns wohl besser auflösen!"
Wie eingangs erwähnt, haben MANOWAR mit der Veröffentlichung ihres ersten Livealbums runde 17 Jahre (vom ersten Demo an gerechnet) gewartet - im Schnitt gut und gerne zehn Jahre länger als andere Bands.
"Ein Livealbum ist etwas Besonderes in der Karriere einer Band und funktioniert nur dann, wenn das Publikum mitspielt", sagt Joey todernst. "Nur wenn die Fans ein fester Teil der Songs geworden sind, macht sowas Sinn. Nach zwei Studioscheiben ist man einfach noch nicht lange genug dabei, um ein Livealbum zu veröffentlichen. Unsere Fans kennen alle Songtexte, und sie machen einen Großteil der Atmosphäre bei MANOWAR Konzerten aus. Es ist also eine Frage des Timings: Die Guten warten, bis die Zeit reif ist..."
Eine solch lange Wartezeit hat aber auch zur Folge, daß die Band nicht jeden Song, der von den Fans gefordert wird, spielen kann, weil sich natürlich über die Jahre zuviel Material angesammelt hat. Besonders zwei Songs werden dabei von älteren MANOWAR-Fans immer wieder vermißt.
"Einer ist bestimmt Bridge of Death", rät Joey.
Exakt. Und der zweite? "Defender?"
Knapp daneben...
"Guyana (Cult of The Damned)?"
Genau! Werden wir diese beiden Klassiker in diesem Leben noch einmal zu hören bekommen?
"Wir spielen sie ganz einfach auf der nächsten Tour! Wir haben sowieso vor, eine ganz spezielle Setlist zusammenzustellen: Songs, die unsere Fan Club-Mitglieder aussuchen können. Wir bekommen oft Anfragen nach Stücken, die wir zum Teil noch nie live gespielt haben - und einige davon werden wir jetzt ausgraben."
Werdet ihr wieder ohne Support kommen und dafür länger spielen?
"Die beiden Sets pro Abend auf der letzten Tour haben gut funktioniert. Und wenn wir ein paar längere Songs wie eben "Bridge Of Death" einbauen wollen, werden wir wohl kaum unter zweineinhalb Stunden von der Bühne kommen. Außerdem gefällt mir die Idee mit den beiden Sets pro Konzert: Wer will, kann in der Pause zum Bierstand oder aufs Klo gehen, ficken oder sonstwas tun - und verpaßt trotzdem nichts. In der Oper oder im Musical ist das genauso: Überall gibts zwei Akte..."
Ob die Pause in der Oper ebenfalls für Quickies im Foyer genutzt wird, lassen wir mal dahingestellt sein, aber ansonsten hat Joey wohl recht: MAOWAR-Fans ziehen es sicher vor, ihre Lieblingsband doppelt so lange spielen zu sehen und dafür auf eine Vorband zu verzichten.
Außerdem ist es bekannt, daß MANOWAR auf ihren Tourneen nicht gerne Kompromisse machen und stundenlang für den Aufbau und die Soundchecks brauchen. Da kann es denn schon mal passiren, daß der Support keinen Soundcheck mehr bekommt und sich hinterher lautstark über den Headliner beklagt...
"Das sind alles Pussies!" regt sich Joey auf. "Gerade bei Festivals ist es nunmal üblich, daß alles auf den Headliner ausgerichtet ist und die anderen Bands das Beste aus ihrer Sitauation machen müssen. Da ist es scheißegal, ob man einen Soundcheck bekommt oder nicht. Man geht auf die Bühne und spielt, denn die Fans haben bezahlt. So einfach ist das!"
Habt ihr einen Soundcheck bei den Onkelz-Open Airs bekommen?
"Nein, natürlich nicht - und wir haben auch keinen verlangt. Das waren die Shows der Onkelz, deren Bühne und deren Set - also haben wir uns mit der Situation abgefunden, sind auf die Bühne gegangen und haben gespielt!"
Ebenso ereifert sich Joey über Leute, die der Band und ihren Fans Dummheit und Sexismus vorwerfen:
"Egal ob das Magazine, Musiker, Radioleute oder Promoter sind - die meisten, die über uns lästern, sind ganz einfach neidisch darauf, daß wir solch ein treues Publikum haben! Wer zu einem MANOWAR-Konzert geht, will ganz einfach Spaß haben - und den bekommen unsere Fans. We´re all here to rock, drink and fuck!"
Irgendwann im nächsten halben Jahr wollen MANOWAR auch ein offizielles Homevideo veröffentlichen. Die Aufnahmen werden zum Großteil auf der kommenden Tour entstehen: "Wer also bei keiner der "Hell On Wheels" - Shows dabei war, bekommt eine zweite Chance auf der nächsten tour. Wir werden wieder sämtliche Konzerte aufnehmen und filmen und dann ein nettes Viedeo daraus zusammenbasteln."
Der Starschuß für die deutschen Dates fällt im Januar - und zu dieser Tour hat sich Joey etwas ganz Besonderes einfallen lassen:
"Ein Fan hat die Möglichkeit, uns eine Woche lang zu begleiten - und zwar in seinem eigenen Tourbus und mit all seinen Freunden! Der Bus hat 14 Schlafkojen, die der Gewinner verteilen kann, wie er will. Und wir garantieren eine Menge Spaß!"
Wie dieser Spaß aussieht, könnt ihr euch vorstellen. Und daß der Fahrer des Fanbusses nach dieser Woche reif für die Klapsmühle sein wird, ist wohl auch jedem klar...
HELL ON WHEELS -LIVE:
Manowar - aufgenommen am 5.4.97 Prag
Kings of Metal - aufgenommen am 23.3.97 Düsseldorf
Kill With Power - aufgenommen am 15.4.97 Madrid
Sign of the Hammer - aufgenommen am 29.4.97 Brüssel
My Spirit lives on - aufgenommen am 3.4.97 Budapest
Piano Interlude - aufgenommen am 18.4.97 Barcelona
Courage - aufgenommen am 20.4.97 Valencia
Spirit Horse of the Cherokee - aufgenommen am 27.3.97 Böblingen
Blood of my Enemies - aufgenommen am 15.11.96 Sao Paulo
Hail and Kill - aufgenommen am 22.4.97 Cascais
Wheels of Fire - aufgenommen am 23.11.97 Buenos Aires
Metal Warriors - aufgenommen am 22.4.97 Cascais
Army of the Immortals - aufgenommen am 2.4.97 Wien
Black Arrows, Parts -1 bis 3 - aufgenommen am 29.3.97 Hanau,
am 15.4.97 Madrid, am 29.4.97 in Brüssel
Fighting the World - augenommen am 25.4.97 Zürich
Thor the Powerhead - aufgenommen am 25.4.97 Zürich
King - aufgenommen am 7.9.97 Essen
The Gods Made Heavy Metal - aufgenommen am 4.4.97 Passau
Black Wind Fire and Steel - aufgenommen am 20.4.97 Valencia
Return of the Warlord - aufgenommen am 21.3.97 Halle
Carry On - aufgenommen am 18.4.97 Barcelona
Battle Hymn´ - aufgenommen am 7.6.97 Milan
Warriors of the World - aufgenommen jeden Abend an jeden Ort in jeder Stadt....