Interviews / Presse





Informationen
Titel: Eric 1992
Datum: 1992
 
Text
Interview with Eric Adams
Published by : Unknown
Interviewer : Fränk Tröjän
Published on : 1992
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Es ist still geworden um die "Kings of Metal", wie sie sich gerne selbst bezeichnen. Man hätte fast auf den Gedanken kommen können, die Band hätte das Zeitliche gesegnet, doch dem ist nicht so. Immerhin drei Jahre sind ins Land gegangen, eine Zeit, die viele Veränderungen mit sich gebracht hat. MANOWAR können jedoch zumindest in Europa auf eine treue Fangemeinde bauen, die ihnen auch über die Durststrecke hinaus die Teue gehalten hat. Jetzt ist Land in Sicht, die Jungs um Ausnahmesänger Eric Adams sind im Endstadium der Produktion zur neuen LP - und voller Tatendrang. Fränk Tröjän unterhielt sich mit Eric, dem Träger des geweihten Ledertangas.


Eric: Nach der letzten Tour haben wir erstmal sechs Monate Pause gemacht. Die Gründe für die Verzögerungen lagen in allerserster Linie aber daran, daß wir uns hier unser eigenes Studio aufgebaut haben. Es ist ein volldigitalisiertes High-Tech-Studio, was natürlich eine Menge Geld und Arbeit gekostet hat. Dann haben wir mit dem Schreiben der neuen Songs begonnen, naja, und jetzt sind wir halt schon seit über acht Monaten mit den Aufnahemn beschäftigt.



Interviewer: MANOWAR zählen - weltweit gesehen nicht gerade zu den Megasellern. Warum baut man sich also ein sündhaft teures Studio?



Eric: Hauptsächlich, weil wir so an unserem speziellen Sound sol lange feilen können, bis er uns perfekt erscheint. Andererseits proben wir dort auch. Das bedeutet, wenn jemand mit einer Idee ankommt, können wir die sofort umsetzen und aufs Band bringen. Ob wir das Studio auch vermieten wollen? Hm, eigentlich nicht, es ist wirklich rein aus den genannten Gründen entstanden; später vielleicht mal, weil es sicherlich finaziell eine interessante Sache ist./p>

Interviewer: Nun hat mit Scott Columbus erneut ein Musiker die Band verlassen. Waren die berühmten "musikalischen Differenzen" mal wieder ausslaggebend?



Eric: Nein, definitiv nicht. Scott trug sich schon länger mit dem Gedanken, die Band zu verlassen. Er war tourmüde; außerdem wollte er einfach mehr Zeit für seine Familie haben. Er hat uns dann anfangs noch bei den Rehearsals geholfen. Aber eines Tages kam er dann doch zu uns, und teilte uns seine Entscheidung mit, daß er auf keinen Fall mehr auf Tour gehen wolle. Eines seiner Familienmitglieder ist sehr krank, und es ist einach wichtiger für ihn, zu Hause zu sein.



Interviewer: Das Problem des neuen Drummers wurde dann von Scott selbst gelöst...



Eric: Ja, er holte uns eines Abends ins Studio, wo er uns Rhino vorstellte - einen seiner Freunde, der übrigens die Angewohnheit hat, jedesmal sein Drumkit zu verbrennen, wenn er in eine neue Band einsteigt. Schon allein deshalb hoffen wir, daß Rhino lange bei uns bleibt, denn das Schlagzeug, das wir ihm besorgt haben, war nicht gerade billig... Als Scott Rhino seine Drumsticks übergab, kamen wirklich bei allen sentimentale Feelings hoch. Es war eine echt eigenartige Situation. Einerseits hatten wir das Drummerproblem gelöst, andererseits verloren wir mit Scott ein treibendes Element in der Band.



Interviewer: Es ist jetzt doch schon eine Zeit her, seit man euch das letzte Mal in Deutschland gesehen hat. Die all seits bekannten Christmas-Festivals waren Auslöser für einige Kontroversen. Ungeachtet der Livequalitäten der Band übertrieb man es damals wohl endgültig mit der Lautstärke. In Düsseldorf war es beispielsweise lo laut, daß der Sound total verzerrte und sich viele Fans frühzeitig aus dem Staub machten. Ist da nicht eine Grenze erreicht?



Eric: Wir stehen auf dem Standpunkt, daß Power einfach laut rüberkommen muß. Wir sind die lauteste Band der Welt, und die Leute wissen das. Wer keinen True Metal verträgt, sollte halt auf unsere Shows verzichten, MANOWAR sind nie Kompromisse eingegangen, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern!



Interviewer: Welche Bedeutung hat es für euch im "Guinness-Buch der Rekorde" als lauteste Band geführt zu werden?



Eric: Es macht uns stolz; außerdem sollen unsere Fans unsere Musik fühlen, nicht nur hören. Unsere Art von Musik ist für echte MANOWAR-Fans, nichts für Weicheier und Poser. MANOWAR stehen für True Metal, und das wird auch immer so bleiben.



Interviewer: Nun waren aber auch von Seiten der damals beteiligten anderen Bands nicht immer freundliche Worte zu hören bezüglich der Art und Weise, wie sich MANOWAR als Headliner präsentierten. Überschätzt ihr vielleicht doch selbst euren Status?



Eric: Nein, ich denke nicht. Ich würde gerne selbst mit den Typen reden, die das behauptet haben. Ich meine, jede Band, die sich an solch einem Projekt beteiligt, kann sich doch ausmalen, daß man Abstriche machen muß. Es hat beispielsweise oft nicht für genügend Soundchecks gereicht, aber das hatte einfach organisatorische Gründe, denn bei fünf Bands herrscht schon ein ganz schönes Chaos auf und hinter der Bühne. Dann lagen die Dates aus finanziellen Gründen sehr eng zusammen, was das Ganze hektischer machte.



Interviewer: Würdet ihr sowas nochmal durchziehen?



Eric: Ja, warum nicht? Ich fand, es hat viel Spaß gemacht. Es ist nur schade, wenn man später hört, was hinter dem Rücken gesprochen wird. Aber man kann es halt nicht allen recht machen.



Interviewer: Eine Standardfrage, die man euch einfach stellen muß, ist die nach eurem Status. Ihr habt im Prinzip zum gleichen Zeitpunkt angefangen wie Metallica, Anthrax oder Slayer. Verglichen mit diesen aber habt ihr weltweit nie den großen Sprung geschafft.



Eric: Der Grund ist ganz einfach: Alle diese Bands hatten jeweils die große Chance, eine Major-Band zu supporten, während wir grundsätzlich nur als Headliner spielen. Wir haben nur eine einzige Tour eröffnet - für Ted Nugent -, wurden dann aber nach vier Shows gekickt, da viele Kids nur wegen uns gekommen waren und sauer wruden, als wir nur 40 Minuten spielen durften. Klar wäre es für uns eine Riesenchance, mal Guns N´Roses oder Judas Priest zu supporten, aber wir machen keine Kompromisse, und wer ließe uns schon unsere ganzen Marshalls aufbauen... Nein, wir bauen weiter auf unsere treuen Fans und gehen halt einen wesentlich schwieriegeren Weg.



Interviewer: Einen wahrlich schwierigen Weg, doch man ist (logischerweie) optimistisch im Lager von MANOWAR. Seit über acht Monaten nun areitet man am Nachfolgewerk von "Kings Of Metal", an einen Album das (selbstverständlich) alles in den Schatten stellen soll, aber mit Sicherheit schon mal mit dem Erwartungsdruck zu leben hat, den die treue Fangemeinde nach solch einer langen Durststrecke an den Tag legt.



Eric: Klar ist der Erwartungsdruck enorm, aber damit können wir leben. Wir sind Perfektionisten, und daher brauchen wir einfach diese Zeit, um das Material vernünftig aufnehmen zu können.



Es folgten die übliche Lobhudeleien
("Das Beste, was wir je gemacht haben!" - ...) die wir uns an dieser Stelle sparen wollen.

Eric: Die Songs stehen soweit, haben allerdings alle noch Arbeitstitel, die nicht unbedingt endgültig sind, daher möchte ich auch keine Tracks nenen. Musikalisch wird sich das Album nahtlos an das letzte anschließen - das heißt MANOWAR - Fans können sich auf harten, brutalen Stoff gefaßt machen.



Interviewer: Gut, aber ihr werdet hoffentlich nicht den Fehler machen, euren eigenen Kram zu kopieren. Wo liegen also eventuelle Weiterentwicklungen?



Eric: Nun, es wird einfach ein anderes Album werden, weil wir zwei neue Leute in der Band haben. Rhino selbst konnte zwar keinen großen Einfluß auf die Sache nehmen, aber für David ist dieses Album ja die erste wirkliche Sudioarbeit, und ich glaube schon, daß er den Stil beeinflussen wird, auch wenn die Songs wieder von Joey stammen. Im Sudio aber arbeiten wir als Band, und dieses Album wird definitiv unser bis dato bestes sein.



Interviewer: Ob das aber reicht um fast drei Jahre Abwesenheit vergessen zu machen? Eine solch lange Abstinenz ist normalerweie tödlich für eine Band.



Eric: Ich denke, alle MANOWAR - Fans werden uns die Treue halten und können es gar nicht abwarren, bis das neue Album erscheint (was voraussichtlich im September/Oktober geschehen wird). Nein, ich denke, wir werden keine Schwierigkeiten haben. Ich merke doch an der Fanpost, wie groß das Interesse ist, und auch unser Label bemerkt anhand der Nachfragen, daß wir immer noch aktuell sind.



Interviewer: Stand eigentlich nie zur Debatte, Ross The Boss wieder in die Band aufzunehmen?



Eric: Ach, weißt du, den habe ich das letzte Mal vor einem Jahr gesehen, und soweit ich weiß, macht er im Moment gar nichts. Wir sind mit David hochzufrieden, und MANOWAR mit zwei Gitarristen könnte ich mir auch gar nicht vorstellen. Allerdings könnten wir dann noch ein bißchen lauter spielen...



Interviewer: Eure treuen europäischen Fans sind sicherlich ganz ausgehungert nach euren Lautstärkeorgien. Wann vergewaltigt ihr denn wieder unsere Ohren?



Eric: Tja, wenn alles klapt, wollen wir im Spätherbst nach Europa kommen - auf jeden Fall so schnell wie möglich nach Release der Scheibe, denn auf der Bühne zu stehen ist doch immer noch reizvoller als im Sudio zu arbeiten.