Interviews / Presse





Informationen
Titel: Interview mit Eric Adams: "Ich liebe es wenn die Menge mitsingt !"
Datum: 15 Mai 2002
 
Text

Vorwort: Ich erinnere mich noch genau an mein erstes richtiges Auseinandersetzen mit Manowar. Es war, als Battle Hymns gerade herausgekommen war und ich auf meinem Weg nach Hause von der High School war. Mein Bruder fuhr und knallte eine Kassette mit „Metal Daze“ darauf rein. Ich wurde einfach weggeblasen durch die Power der Musik und durch die überirdische Stimme von Eric Adams. Wir beide headbangten so wild, dass wir die Kontrolle über das Auto verloren und fast eine große Schlucht runterstürzten. Wir hatten jedoch Glück, und so folgte ich der Band jahrelang, kaufte die Klassiker wie „Into Glory Ride“, „Hail to England“ und „Sign of the Hammer“ – wirklich echter Heavy Metal! Die Band war im letzten Jahrzehnt nicht so produktiv gewesen, jedoch vor kurzen waren sie wieder einmal auf einer US-Tour und veröffentlichten das brandneue Album „Warriors of the World“, um ihre Fans weltweit zu befriedigen. Eric legt sein Schwert nieder, um mir einen schnellen Überblick über den Stand der Kings of Metal zu geben.



Interviewer: Warst du zufrieden mit der letzten US-Tour mit Immortal?



Eric: Oh ja, ich meine, wir werden überall spielen, wo es einen Manowar Fan gibt. Es ist schon lustig, die erste Show, die wir gemacht haben, war vor 4 Leuten, und sie bekamen die gleiche Show wie die Fans später in der Dallas Reunion Arena. Es ist die gleiche Show, egal, wenn sie Fans sind, dann gehen wir raus um in den Arsch zu treten. Überall auf der Welt ist es das Gleiche, deshalb heisst dieses Album „Warriors of the World“. Ein Manowar-Fan ist ein Manowar-Fan, egal wo du bist. Einige der Shows waren keine großen Veranstaltungen, jedoch waren die Leute da, und andere schon, so ist es eben.



Interviewer: Eine Sache, die mich immer wieder überrascht ist, bevor ihr Jungs auf die Bühne kommt, brüllt irgendwer aus der Menge eine Zeile eurer Songs und sofort singen alle den Rest des Verses mit.



Eric: (lacht) Yeah, das ist wirklich großartig! Ich liebe das, das ist einer der besten Moment des Abends, wenn die Menge mit uns mitsingt. Sie haben die DVD’s gesehen, sie haben die vorigen Shows gesehen, und sie wissen! Wir erwarten das, wir schreiben die Songs für die Fans, wir schreiben Hymnen auf jedem Album und wir hoffen, dass sie dadurch mit uns mitsingen, und das funktioniert wirklich sehr gut.



Interviewer: Wie hältst du deine Stimme fit?



Eric: Nun, was tu ich? Ich denke, viel Muschi-Saft. (lacht) Ich weiss nicht, ich singe die ganze Zeit. Ich trainiere, ich habe immer Hanteln bei mir auf der Tour. Ich geh nicht einfach raus auf die Bühne und singe los ohne mich aufzuwärmen. Ich singe backstage, mache ein paar Oktaven und wärme mich auf. Ich rauche nicht, ich gebe auf mich acht, und glücklicherweise war es mir möglich, mir über die Jahre hinweg eine ziemlich gute Stimme zu erhalten. Was so besonders am Warriors of the World-Album ist, das ist, dass ich auf diesem Album wirklich verdammt viel singen muss.



Interviewer: Ich weiss, dass ihr Jungs immer eine besondere Liebe zu Bands wie Black Sabbath, Deep Purple und Kiss gehabt habt, aber gibt es auch neuere Metalbands, zu denen ihr euch besonders hingezogen fühlt?




Eric: Ah, Hölle, da gibt es einige, aber ich habe vor einiger Zeit gelernt, das ein Profi keine Band-Namen nennt. (lacht) Es versetzt mir immer einen Kick, wenn jemand Manowar in einer negativen Weise erwähnt. Ich denke dann: ohhh, das ist gut – die haben grade eine Menge Manowar-Fans angepisst. (lacht)



Interviewer: Lass mich noch einige Dinge über eure bekanntesten Alben fragen. Battle Hymns – in diesem Album liegt eine solche Zuversicht, die wirklich erstaunlich für ein Debüt-Album ist.




Eric: Ich erinnere mich daran, dass damals niemand an die Band geglaubt hat, ausser dieser einzige Typ, der uns unterzeichnete. Ich habe damals in Florida gelebt – es war so verdammt kalt damals in New York, so haben wir in Florida aufgenommen. Als wir diesen Harley-Song „Death Tone“ aufzeichneten, wollte das Studio nur einen aufgenommenen Sound einer Harley vom Band benutzen. Wir aber dachten, dass ist Bullshit, wir wollten nicht so einen halben Scheiss machen, so brachten wir drei oder vier Harleys ins Studio und haben sie aufheulen lassen, Abgase im ganzen Studio, wir hatten überall Mikrofone – die Leute dachten, wir wären absolut verdammte Wahnsinnige! (lacht) Aber, hey, so ist Manowar immer gewesen. Nur das Beste ist genug!



Interviewer: Wann immer ich Leute nach ihrem Lieblings-Manowar-Album frage, nennen viele von ihnen „Hail to England“.



Eric: „Hail to England“ war eines der Alben, die die Band wirklich berühmt gemacht haben, ich weiss nicht warum. Ich liebe alle Alben oder ich wäre immer noch im Studio und würde sie aufnehmen. Ich weiss nicht, was es an „Hail to England“ war, das es so heraushob, aber es scheint so, dass ich mehr „Hail to England“-Alben herausbringe als sonstwas (lacht) wenn ich in-lager mache, oder was auch immer. Ich weiss nicht, ob es die epischen Stories waren, ich weiss es nicht. Aber jedes Album das wir jemals gemacht haben, hat denselben drive, das gleiche Blut, Schweiss und Tränen. Da ist niemals ein Füller-Song, jeder Song ist wirklich so gut wie er nur sein kann.



Interviewer: Ich habe irgendwo gelesen, dass ihr dieses Album in sechs Tagen aufgenommen habt.



Eric: Ja, das taten wir – wir hatten kein Geld! Wir nahmen das Geld, das wir vom ersten Album hatten und nahmen zwei Alben gleichzeitig auf zu dieser Zeit! Da wir so viel Zeit in Florida verbracht hatten um Battle Hymns einzustudieren, hatten wir einfach mehr Zeit, um Songs zu schreiben, als es also Zeit wurde, das nächste Album aufzunehmen, sagten wir „Nun, lass uns einfach zwei machen, wenn wir können.“ Und wir waren so eingespielt, wir nahmen sie einfach auf. Der Typ konnte es nicht glauben, aber wir sagten „Lass es uns jetzt aufzeichnen, lass es uns einspielen“ da wir einfach nicht das Geld hatten, irgendwie weiter zu machen. Wir machten nichts. In diesen Jahren haben wir geklaut um zu essen, es war hart, aber wir blieben zusammen. Und hey, hier sind wir, 22 Jahre später!



Interviewer: Manowar hatte einen bemerkenswert stetigen Aufstieg vom ersten Tag an, gegen alle Trends und sie sind heute populärer als je zuvor. Wem ist diese Langlebigkeit zuzuschreiben? Ist es einfach die gemeinsame Vision der Band?



Eric: Das ist es genau, woran es liegt, Dan. Ich denke, wir hatten immer diese Einstellung im inneren Kreis (den vier Mitgliedern der Band), dass, wenn die Zeiten gut sind, dann sind sie gut für alle, und wenn die Zeiten schlecht sind, dann sind sie auch schlecht für alle. Wir halten alle zusammen und tun was wir tun müssen, damit es klappt. Wenn einer ein Problem hat und er eine Rechnung hat oder was auch immer und er sein Haus verliert, springen wir alle ein und helfen ihm aus. Was rumgeht, geht vorbei, so ist es. Deshalb sind auch unsere Crew genauso. Es ist nicht einfach nur ein Job für sie; es ist eine Gruppe von Freunden die zusammengekommen sind. Wenn wir sagen, dass es eine Band von Brüdern ist, ist das kein Bullshit, sondern ernst gemeint.



Interviewer: Fighting the World – Das war die erste digitale Aufzeichnung und die erste für Atlantic.



Eric: Wir haben keine Angst davor, Vorreiter in etwas zu sein und als wir gehört haben, dass digital der Weg der Zukunft war, sagten wir „Lass es uns einfach tun“. Ich glaube nicht, dass es andere Heavy Metal Bands in dieser Zeit gab, die bereits digital aufzeichneten. Sie sagten alle „Analog ist der Weg, analog ist der Weg, du willst diesen schmutzigen Sound auf der Gitarre“. Aber wir dachten, nein, wenn digital die Zukunft ist, dann müssen wir es einfach tun. Und es bedeutet einfach, dass die Gitarristen einfach präzise spielen müssen. (lacht) Ich kriegs nicht. Du musst talentiert sein und wenn du talentiert bist, dann zeigt sich das auf dem Tape, egal ob du digital oder analog aufzeichnest. Auf dem neuen Album, Warriors of the World, wurden wir gebeten, Vorreiter im SuperAudio CD-Format zu sein, und wir sagten, ja, Mann, lasst uns loslegen. Warriors of the World ist auch im normalen CD-Format erhältlich, aber auch im SACD-Format, wenn die Leute es wollen. Es bringt dich mitten auf die Bühne, mit den Drums im Rücken und der Stimme vor dir, es ist wirklich cool!



Interviewer: Atlantic nahm mehrere Metalbands unter Vertrag zu dieser Zeit (Savatage, Raven) und es sah so aus, als ob sie ihre Hände im Spiel hätten, wie diese Bands ihrer Sound und ihr Image veränderten. Habt ihr überhaupt Druck von Seiten der Plattenfirma bekommen?




Eric: Yo, das hatten wir, und deshalb haben wir auch mit so vielen unterschiedlichen Plattenfirmen zusammengearbeitet. (lacht) Wenn die Plattenfirma sagt: „Hey Mann, die letzte Band die bei uns viele Platten verkauft hat, trug lange Mäntel, und das ist es, was ihr auch tun solltet!“ – Wovon zum Teufel reden die??? Oder wenn sie sagten: „Ihr Jungs spielt zu laut!“ Was zum Teufel ist das? Was zum Teufel ist es für sie? Kommen die und kaufen die Platten? Sind die dort in der Menge zwischen all den Metalheads? Nein, so funktioniert das nicht. Unsere Fans standen wirklich hinter uns, als wir sagten, wir würden uns nicht verändern, wir lassen uns nicht rumschubsen oder lassen uns von diesen Arschkriechern sagen, was wir zu tun haben. Wir wissen, wie wir klingen wollen, wir wissen, wie wir live spielen wollen, es ist „Balls to the Wall“-Metal, so ist es. Jeder, der uns sagen will, wie wir klingen sollen, interessiert sich nicht für Manowar oder die Manowar-Fans, sondern nur dafür, wie viele Platten sie verkaufen. Ich kann ehrlich sagen, dass unsere jetzige Plattenfirma in Europa und die Plattenfirma hier in Amerika bekamen das Versprechen und sie lassen uns einfach machen, und wir werden sehen, was in der Zukunft geschieht.



Interviewer: Das witzige daran ist, ihr Jungs seid hier, erfolgreicher denn je, und wenn sie zu euch gehalten hätten, könnten sie Teil dieses Erfolges sein.



Eric: Genau, das ist der Punkt. Natürlich schreiben die Plattenfirmen nun nach Verträgen, wegen der Piraterie in der Musikindustrie, aber was sollen sie tun? Leider ist es so und ich denke, echte Metal-Fans wissen, dass es ihr Lebensunterhalt ist, das ist es. Wenn sie die Songs hören wollen, bevor das Album veröffentlicht ist, ok, sollen sie es downloaden, aber geht dann immer noch raus und kauft das neue Album, wenn es draussen ist. Das ist ein echter verdammter Fan!



Interviewer: Das neue Album ist sicherlich das Album mit den unterschiedlichsten Stücken, dass ihr jemals gemacht habt. Hattet ihr vorgehabt, ein solches Album zu machen?



Eric: Kein Album wird jemals genau geplant, wir sitzen nicht da und denken, „oh, wir müssen als nächstes eine Hymne schreiben“ oder was auch immer. Es ist manchmal drei Uhr nachts, wenn Joey anruft und sagt, ich soll zu ihm rüberkommen und eine Liedzeile singen, weil er es im Kopf hat und er nicht weiterkommt bis er mich hört, um zu wissen, ob es gut ist. Das passiert einfach, und Warriors of the World ist einfach passiert. Deshalb funktioniert „An American Trilogy“ auf diesem Album. Es ist einer von den Songs, die wir immer machen wollten, aber die wir auf den vorigen Alben einfach nicht bringen konnten, weil es wie ein eitriger Daumen herausgestanden hätte. Auf diesem Album, mit all den orchestralischen Stücken war es einfach der richtige Rahmen um es rauszubringen. „Nessun Dorma“ war ein anderer dieser Songs, es wurde Zeit, es aufzunehmen und es funktionierte einfach. Nichts ist jemals geplant bei Manowar, es ist immer vollendet.



Interviewer: Ich bin sicher, jeder hat einen Lieblings-Song von Manowar, meiner ist „Secret of Steel“. Kannst du mir sagen, was euch zu diesem Song inspiriert hat?



Eric: Es ist einfach einer dieser epischen Songs, das dich an einen anderen Ort bringt und mir einen anderen Charakter. Das ist einer der Dinge die ich immer an Joeys Schreibe geliebt habe, dass er mich jedesmal in einen anderen Charakter versetzt, in jedem Song. Und ich war diese Person, und ich habe meine Augen geschlossen und bin an diesen Platz gegangen, diese Zone, ich kann diese Person sein und darum ist es so überzeugend, wenn ich es singe.



Interviewer: Das ist es, was ich immer an Manowar geschätzt habe, diese Fähigkeit, den Zuhörer in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort zu versetzen.
Ist es am Ende nicht das, worum es bei der Musik geht?




Eric: Viele sagen, „Nun, ich höre diesen Song und er erinnert mich an dieses oder jenes, es verbindet mich damit“. Nun, Joe Blow, der diesen Song schrieb, kennt nicht jedes Individuum, aber jedes Individuum, das diesen Song hört, kann – wenn es ein guter Song ist – sich damit verbinden. Du wirst auf der Arbeit ständig abgenervt, es ist eine Scheiss-Welt in der wir leben, du willst nicht nach Hause kommen und die Nachrichten anmachen und an die ganze Scheisse erinnert werden, die den Tag über geschehen ist. Am Ende eines Tages möchtest du Musik anmachen, dich zurücklehnen, deine Augen schliessen, und an einen Ort gehen, wo du sein möchtest. Das ist es immer, was wir gewesen sind. Das Image der Band war immer „Hey, Mann, glaube an dich selbst, habe den Mut, weiterzumachen! Sei stark, sei ein Führer, kein Wetterfähnchen. Sei stark in deiner Überzeugung“.



Interviewer: Ihr seid ziemlich gut darin, was die geschäftliche Seite eurer Karriere angeht. Seid ihr einfach aus der Notwendigkeit heraus da hineingewachsen?




Eric: Das ist genau richtig. Wir hatten Manager, wir hatten Agenten, die sagten, dass sie an die Band glaubten, die Verantwortlichen der Plattenfirmen sagten, dass sie an die Band glaubten, aber alles was sie interessierte war ihre Goldkarte, damit sie jemanden zum Dinner ausführen konnten. Ich bin ehrlich zu dir, es war ein Lernprozess, aber wir produzieren unsere Platten jetzt selbst, wir sind involviert in unsere eigene Gestaltung, wir entscheiden, was auf die T-Shirts kommt, wir entscheiden, was aufs Album kommt, die Reihenfolge der Songs, etc. Auf diese Weise wissen wir, dass wir nicht verarscht werden.