Interviews / Presse





Informationen
Titel: Das Schlachtschiff des Heavy Metal auf neuem Kurs
Datum: 1986
 
Text
Interview with Joey DeMaio and Eric Adams
Published by : METAL HAMMER GERMANY
Interviewer : OLIVER KLEMM
Published on : 1986
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Das Schlachtschiff des Heavy Metal auf neuem Kurs
Nachdem es gut 1 ½ Jahre sehr still um Manowar war, meldete sich die Band im Rahmen der „Easter Metal Blast“-Festivals lautstark bei den deutschen Fans zurück. Wir nutzten natürlich die Chance, näheres über die Funkstille aus erster Hand zu erfahren. Ein interessantes Interview schien vorprogrammiert zu sein, denn allein die Umstände, unter denen die Bekämpfer des „false metal“ die deutschen Lande betourten, waren mehr als ungewöhnlich. Um jetzt aber nicht zuviel zu verraten, sei an dieser Stelle nur gesagt, dass Bassist und Wortführer Joey DeMaio und Sänger Eric Adams unseren Fragenschwall beantworten. Lest selbst, was die beiden zu berichten hatten.


Interviewer: Warum war seit Eurem letzten Gastspiel in Deutschland vor über einem Jahr nichts mehr von Euch zu hören ?




Joey: Wir beendeten die „Sign of the hammer“-Tour 1984 in England und wurden daraufhin von unserer Plattenfirma Ten Records um ein Meeting gebeten. Wir betraten also ihr Büro und bekamen dann gesagt, das wir zu laut und zu hart wären und wesentlich mehr Alben verkaufen könnten, wenn wir dies etwas drosseln würden. Zuletzt verlangten sie noch, wir sollten doch bitte kommerziellere Musik spielen. Das war mir zu viel, ich sagte „Fuck you“ und verliess das Office. Den Rest der Geschichte kennst du. Sie kündigten uns natürlich den Vertrag. Ich rief daraufhin Dante Bonutoo vom Kerrang! an, schilderte ihm, was vorgefallen war und sagte, dass es in nächster Zeit sehr ruhig um Manowar werden würde, denn wir wollten keine weitere Presse, solange wir ohne Deal dastanden. Als dann langsam Ruhe eingekehrt war, zogen wir zunächst mehrere Möglichkeiten in Betracht, wie wir in Zukunft vorgehen würden; vor allem, ob wir nur bei den amerikanischen, englischen, deutschen, einer Major oder eine Independet Company einen Vertrag unterzeichnen sollten. Das ist der momentan Stand der Dinge. Nachdem wir uns nun so lange von der Aussenwelt abgekapselt hatten, arbeiten wir nun an einem neuen Album und spielen diese Festivals, um den Fans und der Presse zu zeigen, dass wir wieder da sind.



Interviewer: Habt ihr in der ganzen Zeit nichts getan ?



Eric: Zumindest nicht viel. In erster Linie haben wir an neuem Material gearbeitet und zwischendurch einige Shows in New York gespielt.



Interviewer: Es ist ungewöhnlich, dass eine amerikanische Band, die momentan keinen Deal in der Tasche hat und deren letzten Album gut zwei Jahre zurückliegen, eine solche Deutschlandtour durchzieht. Wie kam es dazu ?



Joey: Wir können uns dies erlauben, denn wir haben hier wie überall sehr viele treue Fans. Sieh der Sache ins Gesicht: Keine andere Band hat so treue Fans wie wir. Wenn Dir auch andere Bands das Gegenteil erzählen, glaub’ es nicht, es stimmt nicht. Die Manowar-Fans sind das stärkste Publikum der Welt, das haben sie heute Abend genauso wie bei jeder anderen Show dieser Tour bewiesen. Und sie werden es auch morgen immer wieder beweisen. Wir können spielen, wo und wann wir wollen, auf eins ist immer Verlass: auf die Fans, die uns niemals im Stich lassen. Vor allem wissen sie, dass sie ebenfalls immer auf uns zählen können.



Interviewer: Es hat tatsächlich den Anschein, als wäre Manowar der geheime Headliner dieser Festivals, obwohl Ihr bereits als dritte Band des Fünferpakets auf die Bühne müsst!



Joey: Wir selbst wollten als dritte Band spielen, so dass vor beziehungsweise nach Manowar jeweils noch zwei andere gute Bands kommen. So hat das Publikum die beste Möglichkeit, den Unterscheid zwischen uns und den anderen Bands herauszufinden.



Interviewer: Wie sieht es denn jetzt mit einem neuen Vertrag aus ? Gibt es da schon konkrete Verhandlungen?



Joey: nein, es steht noch nichts fest. Wir verhandeln momentan mit verschiedenen Labels. Wir wollen den besten Deal, das heisst, einen Vertrag, der uns das nächste Album so produzieren lässt, wie wir es wollen; wie wir denken, dass unsere Fans das Album wollen. Wenn diese Bedingung gewährleistet ist, unterschreiben wir, egal ob bei einem Major oder einem Independent Label. Plattenfirmen interessieren uns – um ehrlich zu sein – überhaupt nicht, was für uns zählt, sind einzig und allein die Fans. Die Labels sind im Grunde auf uns Bands angewiesen, wir aber nicht auf sie. Ein Musiker kann auch ohne eine Company im Rücken gute Musik spielen, ein Label aber ohne Musiker keine Platten veröffentlichen. Nimm uns als Beispiel. Wir spielen hier, wo aber sind die Plattenfirmen ? Wir brauchen sie nicht, wir setzten auf die Fans und haben damit Erfolg. Und nur für die Fans werden wir einen Deal bei einer Plattenfirma unterzeichnen.



Interviewer: Was gibt es zu Eurem neuen Album zu sagen? Habt ihr bereits ausreichend Material, könnt ihr einige Songtitels nennen ?



Eric: Wir haben bereits so viel Material zusammen, dass wir sogar zwei Alben damit füllen könnten. Titel und ähnliches will ich aber jetzt noch nicht verraten, denn unserer nächste LP soll eine Überraschung werden.



Interviewer: Ist dies vielleicht auch der Grund, warum Ihr auf der laufenden Tour noch kein neues Stück live gespielt habt ?



Eric: Das ist eigentlich weniger die Ursache dafür. Nein, solange die neue LP noch nicht auf dem Markt ist, werden wir live nur auf älteres Material zurückgreifen. Denn sonst wären die neuen Songs in nur zwei Wochen mit hundertprozentiger Sicherheit auf irgendeinem Bootleg vertreten, ohne dass sie vorher in perfektem Studiosound das Licht der Welt erblickt hätten. Bisher veröffentlichtes Material wäre für die Bootlegger noch ein zusätzlicher Anreiz, neue Schwarzpressungen auf den Markt zu bringen. Von uns gibt es schon zwei oder drei Bootlegs. Wir wollen das nicht auch noch fördern.



Interviewer: Alle bisherigen Manowar-Alben wirkten nicht unbedingt wie aus einem Guss, stattdessen waren stets verschiedene Stilarten zu hören, so dass die Songs immer sehr unterschiedlich ausfielen. Wird dich dies auf Eurem nächsten Album ändern ?



Joey: Das ist ein Konzept von uns, das wir auch in Zukunft beibehalten werden. Manowar als Band schreibt Abwechslung gross. Das ist unserer Meinung nach der Grund, warum wir ein solches Publikum haben. Ich will zunächst grundlegend sagen: Wir befassen uns intensiv mit unseren Fans, sprechen mit ihnen, so oft wie möglich, und erfahren dabei, was ihnen an Manowar besonders gefällt. Da gibt es welche, denen gefallen besonders unsere harten Rock N’ Roll Songs – ich nenne sie zumindestens so – wie „Metal Daze“, „Warlord“ und „Fast Taker“. Andere wiederrum stehen auf unsere Hymnen, diese „Epic Songs“ wie „Mountains“, „Gates of Valhalla“ und „March of Revenge“. Eine dritte Gruppe steht auf Trash, und für die spielen wir wie „The Outh“, oder „Kill with Power“. Du siehst, die Geschmäcker unserer Fans sind stellenweise sehr verschieden. Um jeden Fan zufriedenzustellen, muss Du ein Album produzieren, auf dem sowohl Rock N’ Roll- und Trash-Songs sowie die Manowar-Hymnen gleichermassen vertreten sind. Wir sind in der Lage, eine weite musikalische Bandbreite zu spielen, ohne unsere eigene Identität zu verlieren, deshalb stehen die Fans auch voll hinter uns. Sie wissen, dass wir sie nicht enttäuschen werden, auch nicht mit dem neuem Album.



Interviewer: Soviel ich weiss, sind die „Easter Metal Blast“-Festivals die ersten Shows seit über vier Jahren, die Ihr nicht als Headliner spielt. Ist das richtig ?



Eric: Vollkommen richtig. Wir haben überhaupt erst einmal in unserer Bandgeschichte Support für eine andere Band gespielt, und das war für Ted Nugent in den Vereinigten Staaten vor über vier Jahren. Insgesamt sechs Shows durften wir für ihn eröffnen, dann hat er uns aus dem Tourpaket herausgeworfen, weil wir stellenweise beim Publikum besser ankamen als der Top Act Ted Nugent. Seitdem haben wir bei allen möglichen Bands angefragt, ob wir sie als Support begleiten dürften, aber offensichtlich haben sie alle die Hosen voll und lassen uns deshalb nicht. Wir würden sie mit Sicherheit an die Wand spielen; kein Wunder, dass sie da den Schwanz einziehen. Uns blieb seitdem nichts anderes übrig, als selbst Headlinertourneen durchzuziehen. Bis wir auf Lemmy und Motörhead trafen. Sie sind die ersten seit Ted, die den Mut haben, uns vor ihnen spielen zu lassen. Wie Du an den Publikumsreaktionen sehen kannst, sind Motörhead und Manowar die Bands, die die besten Resonanzen erzielen. Wir kommen übrigens sehr gut miteinander aus und werden von der Band und ihrer Crew absolut fair behandelt, was Sound, PA, Licht etc. betrifft.



Interviewer: Lemmy dürfte es auch nicht nötig haben, seinen Support in irgendeiner Weise zu benachteiligen !



Joey: Er ist ein Profi. Lemmy ist seit Jahren im Geschäft und gibt sich mit Kindereien wie diesen erst gar nicht ab.



Interviewer: Letzte Frage, Jungs. Wann gedenkt ihr, Deutschland wieder mit einem Besuch zu beehren ?



Joey: Das hängt davon ab, wie lange sich die Veröffentlichung des neuen Albums noch hinauszögert. Definitiv aber werden wir noch in diesem Jahr nach Deutschland zurückkehren. Ich hoffe, dass wir gegen September/Oktober wieder in der Lage sind, für die deutschen Fans zu spielen