Interviews / Presse





Informationen
Titel: RockHard 1996
Datum: 1996
 
Text
Interview with Joey DeMaio
Published by : Rock Hard Magazine Germany
Interviewer : Unknown
Published on : 1996
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Für Metal-Brother Götz ist es das beste True Metal-Album seit Priests „Painkiller“, für den Kollegen Jan Michael Pils der satteste MANOWAR-Volltreffer seit „Hail To England“, für andere womöglich das Großartigste seit Erfindung des Schnürsenkels – absolut unstrittig dürfte allerdings sein, dass „Louder Than Hell“ jeden Metaller, dem jedwede schnieke Modeströmung am Arsch vorbeigeht, zur puren Raserei bringt. Wir fragten bei Joey DeMaio in Orlando nach, wie dieser erneute Geniestreich zusammengebastelt wurde.


Interviewer: Geniestreich vor allem im Vergleich zum Vorgänger“The Triumph Of Steel“ – einem wahrlich ebenfalls sehr gelungenen Werk, auf dem jedoch das technische Element im Vordergrund stand. „Louder Than Hell“ indes kommt kacktrocken und basisch daher.



Joey: David und Rhino waren immer sehr stark darauf fixiert, was wohl die Musiker unten in der Menge denken würden, dabei besteht nur ein verschwindend kleiner Anteil des Publikums aus Muckern. Und um die geht´s nicht – sondern um die wahren Fans, die Metal essen, leben, atmen, scheißen.



Interviewer: Leute wie wir also. Man muß die beiden aber auch verstehen: Es war ihre jeweils erste Platte – da will man es schon so perfekt wie möglich machen. Perfektion nach der reinen Lehre und jene für eine Rock´n´Roll-Band sind aber zwei verschie-dene Paar Schuhe.



Joey: Die Situation jetzt war eine völlig andere. Karl ist der einzige Neue, aber er ist eine ungeheuer entspannte Person, die sich intensiv in einen Song hineinfühlen kann. Er erarbeitet sich eine Nummer nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch – dadurch klingt die Platte sicherlich auch viel gelöster.



Interviewer: Das dürfte aber nur ein Teil der Erklärung sein, denn auch in Sachen Songwriting scheint die Band sich wieder mehr in Richtung Hymne entwickelt zu haben – ein Element, das auf „Triumph Of Steel“ nicht so stark vertreten war. „Louder Than Hell“ kommt für mich wie eine Mischung aus „Sign Of The Hammer“ und „Kings Of Metal“ daher.



Joey: Eine interessante Einschätzung! Ich weiß, was du meinst, aber wir sind nicht mit dieser Zielvorgabe an das Album herangegangen. Wir sind stolz auf jede einzelne Platte, die wir gemacht haben – aber wir versuchen nicht, irgendetwas wiederzube-leben. Wir haben einfach losgelegt und den Dingen freien Lauf gelassen. Der Gradmesser für einen neuen Song ist einzig und allein folgender: Würde ich mir als Fan im Publikum bei dieser Nummer vor Begeisterung in die Hose scheißen? Wenn ich die Frage mit „nein“ beantworten muß, ist das Todesurteil für den Song gespro-chen.



Interviewer: Auf dem Album befinden sich mit “Number One“ und „Courage“ zwei Stücke, deren Urgedanke mehr als zehn Jahre alt ist...



Joey: Stimmt, die ersten Versionen sind im Sommer ´84 entstanden. Aber jetzt sind sie viel kraftvoller – es steckt mehr Arbeit drin. Bislang waren sie einfach nicht aufnahmebereit. Sie waren eben stark und noch nicht perfekt – also nicht gut genug für MANOWAR!



Interviewer: Es ist bekannt, daß MANOWAR ihre Songs bis ins Detail vorbereiten, bevor im Studio zur Aufnahme geschritten wird. Nicht minder bekannt ist, daß die Herrschaften irrsinnig lange an einem Album herumpuzzlen. Was treiben sie also die ganze Zeit im Studio?



Joey: Gute Frage. Man muß das so sehen: Selbst ein Song von nur drei Minuten Länge hat wahnsinnig viele Noten. Und wenn nur eine einzige davon nicht okay ist, muß sie natürlich korrigiert werden. Dann ist aber womöglich die nächste für´n Arsch – schon hast du zwei Scheiß-Noten. So werden aus drei Minuten manchmal drei Monate...



Interviewer: Wie arbeitet ihr daran? Mit Overdubs? Oder wird das ganze Teil neu aufgenommen?



Joey: Na ja, wir hören uns den Song an – und zwar die wichtigsten Tracks, sprich Drums und Bass. Und bevor diese Parts nicht absolut perfekt sind, wird mit dem anderen Kram gar nicht erst begonnen. Das ganze funktioniert wie Kuchenbacken. Viele Musiker meinen, daß ein paar schräge Töne nicht so wild sind, weil das schon niemand merken würde. Das ist Bullshit! Nimm nur eine Nummer wie „King“ – wenn da nicht jeder Ton sitzen würde, wäre der Groove zum Teufel gegangen und somit der Drive futsch. Du kannst die Noten sich nicht irgendwo im Raum rumbewegen lassen. Da muß alles haarscharf auf den Punkt genau kommen.



Interviewer: Das hört sich nach einem nervigen Geduldsspiel an...



Joey: Das hängt ganz davon ab, womit du zufrieden bist. Bei uns ist es so, daß wir uns immer an den größten Bands orientiert haben. Wenn ich heute eine alte Deep Purple-Platte höre, habe ich nicht irgendwelcheen Scheiß in den Ohren. Sachen, die damals gut klangen, klingen auch heute noch gut – weil die Jungs gute Ohren hatten. Das waren Profis, die knallhart hingehört haben und keine halben Sachen durchge-hen ließen.



Interviewer: Auch die Texte setzen einige Ausrufezeichen, obwohl sie deutlich MANOWAR-like sind. Insbesondere „Return Of The Warlord“, „Brothers Of Metal Part I“ und natürlich „The Gods Made Heavy Metal“ gehen in eine ähnliche Richtung. Ein beabsichtigter Beitrag zum Thema „Ist der Metal tot?“?



Joey: Nun, mit “The Gods Made Heavy Metal“ wollten wir klarstellen: „Hey, ihr verdammten Arschlöcher: Heavy Metal wird niemals sterben!“ MTV hat es versucht, das Radio hat es versucht – nicht zu vergessen die vielen miserablen Bands, die nichts unversucht ließen, den Ruf des Heavy Metal zu versauen. Aber die Fans werden den Metal nicht sterben lassen. Es gibt nur eine Musik, bei der du schreien, brüllen und ausflippen kannst – nur Heavy Metal wird dir dieses Feeling geben. Dieses Feeling kannst du eigentlich nur mit einem guten Fick vergleichen – odr einem guten Bier, haha. Ich meine, es ist ein Gefühl, das sich durch nichts ersetzen lässt. Zu „Return Of The Warlord“ – das ist eine Verbeugung vor Scott. Es ist einfach ein tolles Gefühl, ihn wieder dabei zu haben. Es ist sehr wichtig, daß die Leute verstehen, daß wir eine Band sind, die ihre Wurzeln niemals vergessen hat.



Interviewer: Von euch wird eben immer etwas richtig Kraftvolles erwartet...



Joey: Ja, schon, aber die Erwartungen von außen sind nicht wirklich wichtig. Unsere Fans wissen eben, daß wir die „defenders of the faith“ sind. Und daß es nur eine Band gibt, die sich niemals abgewendet und etwas Künstliches versucht hat. Metal ist aber nicht nur Kraft, sondern auch Schönheit – wie die Musik von Wagner. Wenn du Wagner gehört hast, brauchst du keine anderen Komponisten mehr zu hören, weil diese Musik lichte Momente hat: Schönheit, Finsternis, Farbe – alles. Und so ist es auch bei MANOWAR: Melodie, Kraft, Gefühl, Verläßlichkeit – alles, was Metal ausmacht!



Interviewer: „Louder Than Hell“ ist definitiv die groovigste MANOWAR-Platte. Liegt dies allein an Scotts Rückkehr, oder hat auch Karl sein Scherflein dazu beigetragen? Er scheint größere Fähigkeiten als seine Vorgänger zu haben...



Joey: Der Groove ist allein Scotts Verdienst.Dennoch hast du mit der Einschätzung Karls definitiv recht. Scotts ganz große Stärke ist, daß er einen Song einfach spielt, wenn er ihn hört – und nicht darüber nachdenkt, was er spielen könnte. Ihn muß man schon fast zwingen, irgendwelche Schmankerl einzubauen. Er will einfach nur im Rhythmus bleiben und dir deinen verdammten Kopf wegtrommeln.



Interviewer: Wie wird eigentlich der nächste Tour-Set aussehen? Schon zuletzt wurde bis auf den obligatorischen Opener „Manowar“ nur sehr wenig altes Material gespielt...



Joey: Na ja, mit Rhino und Dave hätte es keinen Sinn gemacht, Tracks von „Into Glory Ride“ oder „Hail To England“ zu spielen – es wäre fast unmöglich für sie gewesen, dieses Feeling einzufangen. Mit der jetzigen Besetzung würde es allerdings durchaus Sinn machen – Karl kriegt das bestimmt gebacken.



Interviewer: Und wie soll das funktionieren? MANOWAR-Konzerte dauern nie länger als 75 Minuten – und nun sind zu den etlichen unverzichtbaren Klassikern einige Nummern dazugekommen, die definitiv gespielt werden MÜSSEN...



Joey: Das weiß ich auch noch nicht so genau, denn einige Songs müssen – wie du schon sagtest – definitiv gespielt werden: „Kings Of Metal“, „Fighting The World“, „Metal Warriors“...“



Interviewer: Tja, und außerdem wollt ihr diesmal endlich auch „Army Of The Immortals“ spielen!



Joey: Stimmt, wir haben es dir ja versprochen...



Interviewer: Also werdet ihr die Show doch verlängern müssen...



Joey: Grundsätzlich glaube ich nicht, daß eine Show dadurch besser wird, daß sie länger ist. Manchmal langweilt man dann die Leute.



Interviewer: Das sollte nicht euer Problem sein...



Joey: Das ist es auch nicht. Ich denke schon, daß wir auf der nächsten Tour einen länge-ren Set spielen werden.



Interviewer: Wie ist eigentlich der derzeitige Stand von euch in den USA? Bislang hattet ihr immer ein recht verkrachtes Verhältnis zu eurem Heimatland...



Joey: Egal, ist nicht wichtig. Es würde mir nicht viel bedeuten, wieder in Amerika aufzutreten.



Interviewer: Weil die Europäer mehr Feeling für euch haben, euch besser verstehen?



Joey: Genau das ist der Punkt – da ist einfach etwas Spezielles. Es ist doch so: Wir haben immer in Europa gespielt. Es ist fast so, als gehörten wir dorthin – es ist wie eine Heimat für uns. Dort sind unsere Ideen, Gedanken, Träume, einfach alles hergekom-men. Diese Band ist nicht von amerikanischer Musik beeinflußt worden, sondern von europäischen Komponisten und von europäischen Metal-Bands. Unsere gefühlsmäßige Heimat ist Europa. Es ist so, als wenn du eine Freundin in Thailand hättest. Wenn sie das Mädel ist, das du liebst, würdest du verdammt noch mal nach Thailand gehen. Und wir lieben Europa!



Interviewer: Ein weiterer Punkt, für den ihr bekannt seid, ist eure ungeheure Live-Lautstärke, die jedoch nicht wehtut. Ihr habt einfach einen extrem gut ausbalancierten Sound. Gibt´s da noch Verbesserungsmöglichkeiten?



Joey: Ich denke schon. Nachdem ich gestern dieses „Terminator“-Ding gehört habe, bin ich von dem Gedanken angetan, noch ein paar Subwoovers an den Start zu bringen – um den Sound noch tiefer und fetter, nicht höher und schärfer zu machen. So, daß es nicht in den Ohren schmerzt, sondern man es einfach am Körper spürt. Gestern bei dieser Explosion – Mann, war das ein geiles Feeling: irre laut, aber nicht unange-nehm. Das ist Heavy Metal! Es gibt immer etwas, daß man verbessern kann – wenn wir das schaffen, ist es genau das, was wir wollen!