Interviews / Presse





Informationen
Titel: Karl und Scott Franz. RockHard "Karl The Boss"
Datum: April 2002
 
Text
Interview mit Karl Logan & Scott Columbus
Herausgegeben von ROCK HARD MAGAZINE FRANKREICH
Interviewer Lageat / Rouhet
Herausgegeben im April 2002
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Sie sind zurück, das ist Fakt. “Sie”, dass sind die Warriors. Die Kreuzritter. Die stolzen Träger der Metal Fahne. Nach sechs Jahren der Stille, ist Manowar gekommen, um die Welt des Heavy Metal wieder von dessen unzähligen Erben zurückzuerobern. Das neue Album „Warriors of the World“ (erschienen am 27. Mai dieses Jahres) ist ein Puzzle, ein komplexer Labyrinth, welches die Fans in zwei Lager spalten könnte (man fragt sich, ob ein patriotisches Lied von Elvis Presley in Europa standhalten wird?). Die vier Bandmitglieder hielten sich Anfang März in Paris auf, um ihr jüngstes Werk zu verteidigen. Wir haben das Interview mit Karl Logan und Scott Columbus gemacht, da diese beiden Musiker oft im Schatten ihres Mentors Joey DeMaio stehen. Die musikalische Integrität von Manowar ist legendär. Die des rothaarigen Gitarristen, der zuletzt zu Manowar stieß, ist noch stärker!


Interviewer: Meine Herren, es ist uns ein Vergnügen euch hier zu haben. Wir sind uns dieser Ehre bewusst, da ja sonst „the one and only“ Joey sich um die Promotion kümmert.



Scott: Wir müssen Fotoaufnahmen machen und sind für eine Fernsehshow in Deutschland gebucht, wo wir unsere Single vorstellen werden. Es gibt so viele Interviews zu machen, dass Joey die Sache alleine nicht überlebt hätte!



Interviewer: Sechs Jahre sind vergangen seit Louder Than Hell, eurem letzten Studioalbum. Das ist ja eine ewige Zeit!



Scott: Theoretisch ja, aber wenn du weißt, wie das Geschäft läuft, dann ist das nicht so schlimm. Ein Album wird veröffentlicht, es muss promoted werden, um dann im Fernsehen auftreten zu können, usw. usw. Man muss allerdings erwähnen, dass wir zwei Live Alben und das Video Hell On Earth Part 1 nach Louder Than Hell herausgebracht haben.



Karl: Es waren die Fans, die die Live Alben und das Video wollten und wir kümmern uns eben um ihre Wünsche.



Scott: Nach der „Louder…“ Tour im Dezember 1999, war es notwendig für uns, unser eigenes Aufnahmestudio bei Joey zu bauen. Das hat 6 Monate gedauert. Es wurde „Hell“ getauft, weil es die Hölle war. Wir waren bezüglich des Equipments sehr wählerisch: es kam nur das Beste in Frage, wir gingen zu den erfolgreichsten Hersteller, um ihre Ware zu testen, usw… Es war besonders schwer alles zu verbinden (lacht!). Wenn du beim Schreiben bist, dann willst du dich nicht mit Bedienungsanleitungen beschäftigen. Wenn du glaubst du hättest eine gute Idee, dann willst du ganz einfach auf „rec“ (Aufnahme) drucken, ohne an irgendetwas anderes denken zu müssen. Und wir wollten auch noch eine Website herausbringen, um die Welt auf dem Laufenden zu halten, was die Band betraf.



Karl: UND du hast noch vergessen, dass wir die ersten drei Alben „remasterten“.



Scott: Das ist wahr. Unglaubliche Archive voller Fotos. Das haben wir alles auf Computer gespeichert. Und das hat eine Menge Zeit in Anspruch genommen. Und die Krönung war, dass wir zu dem noch den Feinschliff für die HELL ON EARTH DVDs Part 2 und 3 vornahmen, die bald erscheinen werden. Also, arbeitslos waren wir wahrlich nicht!



Karl: Und es war notwendig für uns ein gutes Album zu schreiben. Das hat anderthalb Jahre gedauert, weil wir nicht on Tour schreiben. On Tour konzentrieren wir uns zu 100 % auf die Konzerte. Wir haben noch nie auf Tour oder zwischen Soundchecks geschrieben und das wird auch so bleiben.



Interviewer: Trotzdem, hatte die Rückkehr ins Studio für euch auch was Gutes?



Scott: Vollkommen. Ich mag es im Studio zu sein. Ich verbringe Stunden damit mir die einzelnen Teile noch mal anzuhören und zusammen zu basteln.



Karl: Für meinen Teil, ich hasse es. Es braucht einfach zu lang. Zu dem sind wir vier Musiker, jeder mit seiner eigenen Meinung und es schmerzt wenn man diese nicht unter einen Hut bringt. Im Studio entsteht das Werk, aber ich bin hundertmal lieber auf der Bühne.



Interviewer: Ist Manowar eine demokratische Band?



Karl: Was Demokratie angeht, wähle ich den Begriff des Kollektiven: Joey produziert und jeder einzelne kann seine Meinung abgeben. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Band, die über Jahre hinweg überleben will – obwohl ich das Wort nicht mag, finde ich sonst kein passendes – einen Diktator braucht. Manowar ist ein Schiff und Joey ist der Kapitän. So einfach ist es. Aber ich bestehe darauf, dass wir zu Viert arbeiten. Wenn es ans Komponieren geht, kann jeder seine Vorstellungen mit einbringen. Wir überlegen dann, ob diese gut sind oder nicht. Es gibt keine Formel, für manche Lieder auf „Warriors Of The World“ haben wir zwei Jahre gebraucht, für andere nur zwei Monate.



Interviewer: Das Überraschende an diesem Album, ist die Tatsache, dass es zwar 100%ig nach Manowar klingt, aber völlig anders ist, als das was ihr in der Vergangenheit gemacht habt.



Scott: Ich bin sehr Stolz auf dieses Album, da es eine natürliche Weiterentwicklung von Manowar aufzeigt, einen Schritt nach vorne. Es ist ebenso als Statement anzusehen: wir sind in der Lage andere Dinge zu machen, die sonst keine Metal Band wagen würde.



Karl: Wir haben versucht ein episches von Grund auf verschiedenes Album zu kreieren. Es ist die Antwort an alle, die glauben, Manowar könnte immer nur das Selbe machen. Auf der „Warriors Of The World“ sind Balladen, klassische Elemente, Teile einer Oper, eine Aufnahme von Elvis, True Metal, in Kürze, es ist einfach alles vorhanden.



Interviewer: Glaubst du ihr seid damit ein Risiko eingegangen?



Karl: Für mich ist es offensichtlich. Aber es ist notwendig für uns Risiken einzugehen. Die, die es nicht wagen, werden sterben ohne das Gefühl des Ruhmes oder der Niederlage zu kennen.



Interviewer: Wer hatte die Idee „Nessun Dorma“ (Ausschnitt aus Turandot von Puccini) für Warriors aufzunehmen?



Scott: Auf dem Konzert während Gods Of Metal in 1999 haben wir eine Version von drei Tenören gehört. Wir waren über die Reaktion des Publikums dermaßen erstaunt, dass wir uns vornahmen den Titel zu in unserem Sinne zu arrangieren.



Karl: Erics Gesangsleistung in dem Lied ist unglaublich. Welcher Metal Sänger auf dieser Welt, hätte dieses Stück gleichwertig singen können? Keiner.



Scott: Fred Durst auf jeden Fall nicht (Gelächter)!



Interviewer: Warst du über seine Leistung überrascht?



Karl: Nein. Eric ist der größte Heavy Metal Sänger überhaupt, also gab es für uns keinen Grund an ihm zu zweifeln. Er nahm die Herausforderung an, wohl wissend, dass er mit seinen Fähigkeiten das Lied meistern würde.



Interviewer: Der Titel „An American Trilogy“ überraschte ebenso



Karl: Es sind drei traditionelle Lieder über den amerikanischen Bürgerkrieg: „Dixie“ ist eine Hymne der Konföderierten, „Battle Hymn of the Republics“ (glory, glory, halleluja) ist ein Stück des Nordens, wohingegen „All My Trial“ beide Lager ehrt. Elvis Presley hat dieses Lied während eines Konzerts auf Hawaii gesungen. Und für uns ist Elvis der Pate des Heavy Metal.



Scott: (versucht seinen Gitarristen zu beruhigen). Nennen wir ihn „King Of Rock’ n’ Roll“ und uns „Kings Of Metal“. Genau darin besteht die Verbindung.



Karl: Ja, aber dieser Mann hat immer so gelebt wie er wollte. Es war ihm egal was man über ihn dachte. Er griff die Standards an, hat die Welt geschockt und hat den Rock’ n’ Roll hoch gebracht. Das schätzen wir am meisten an ihm. Auf der anderen Seite wurden wir gefragt, ob es ein nationalistisches Lied wäre. Keines Falls. Die Trilogie spricht über den amerikanischen Bürgerkrieg, das sieht jeder. Es wird für die Freiheit gekämpft und für das an was jeder glaubt. Es ist ein patriotisches, aber kein nationalistisches Lied. Das will ich hier mal klar stellen.



Interviewer: Hat dieser Patriotismus irgendwas mit dem Geschehen am 11. September zu tun?



Scott: Es ist witzig, dass du diese Frage stellst, denn „Fight For Freedom“ und „An American Trilogy“ bringen ein solches Echo hervor. Aber diese beiden Titel wurden vor der Tragödie geschrieben.



Karl: Eigentlich wollten wir „An American Trilogy“ schon auf der Louder Than Hell aufnehmen, stellten aber fest, dass der Titel einfach nicht zum Konzept des Albums passte. Auf der Warriors, und hier wiederhole ich mich, welches ein episches Album ist, passt es hervorragend.



Interviewer: Ihr habt jetzt 6 Konzerte in den USA hinter euch. Wir fühlt es sich an, wieder in der Szene zu sein?



Karl: Es war genial, vor allem als wir der Headliner auf einem großen Metal Festival in New Jersey sein durften.



Interviewer: Konntet ihr auch die neuen Lieder austesten?



Karl: Nein, wir haben nur unsere Single „Warriors Of The World United“ gespielt. Wir hatten Angst vor Bootlegs und, dass die Lieder im Internet laufen würden. Wir wollten nicht, dass die Lieder vor der Veröffentlichung des Albums auf dem Markt landen würden.



Interviewer: Karl, die Tour in 1998 war deine Erste mit Manowar. Welche Erinnerungen trägst du bei dir?



Karl: Ditta, Carla, Anne-Marie und die Höhepunkte vieler anderer (Gelächter)! Nein, ernsthaft. In Europa zu spielen war eine gute Erfahrung. Die Szene dort ist wichtiger, als in den USA. In den USA ist Metal nicht mehr richtiges Metal, es ist eine Mischung aus Rap, Hip Hop, Techno und all dem ganzen Scheiß… Sie wagen es, sich Metal zu nennen, aber damit beleidigen sie die echten Fans. Und die Medien lassen die Kids glauben, dass wenn sie sich Limp Bizkit reinziehen, dann wären sie ein Teil des Heavy Metals.



Interviewer: Was ist schlimmer, dass die jungen Amerikaner False Metal im Radio hören, oder R&B?



Karl: Ich weiß es nicht. Ich höre nie Radio. Seit den 90igern haben viele Radiosender ihr Format geändert, aber letztendlich geht es so oder so nur um das Geld und dem Marketing. Die Autohersteller bringen immer wieder neue Modelle auf den Markt, die Radiosender ändern ihren Stil. Es ist aber kein künstlerischer Schritt, sondern ein kommerzieller.



Interviewer: War es für dich schwierig dich bei Manowar zu integrieren bzw. die Rolle einer solchen symbolischen Person wie Ross the Boss zu übernehmen?



Karl: Technisch gesehen, gar nicht. Ich will nicht, dass meine Kommentare falsch interpretiert werden, aber Ross spielte eher Blues bezogen und dieser Stil ist einfacher wie meiner. Was das Ersetzen angeht, hatte ich keinerlei Angst. Ich bin mein eigener Mensch und ich wusste, dass ich mit meiner 100%igen Hingabe zu Manowar die Kids erobern würde.



Scott: Was witzig ist, manchmal wollen die Fans, dass Karl eine Widmung auf eine Platte schreibt, auf der er gar nicht mitgewirkt hatte. Dann unterschreibt er immer mit Karl the Boss (Gelächter).