Interviews / Presse





Informationen
Titel: "Das einzige, was mich da draußen wirklich beeinflusst, ist Jack Daniels"
Datum: April 2002
 
Text
Interview with Eric Adams
Published by : Metal-reviews.de
Interviewer : Bernd Joachim
Published on : April 2002
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Als ob man es bereits geahnt hätte, dass die Single ´Warriors Of The World´ voll in die Charts einsteigt, residierten die Könige des Metal ihren Ansprüchen absolut genügend. Im stinkfeinen Münchner Bayerischen Hof haben sich MANOWAR also niedergelassen, um dem gemeinen journalistischen Fußvolk eine Audienz zu gewähren. Andächtig schritten Tom Klaner und meine Wenigkeit schließlich durch die Hallen aus Kristall und Marmor, um schließlich von Markus Wosgien, seines Zeichens erster General des Hofstaats Nuclear Blast, zum Thron vorgelassen zu werden. Doch was nun? Seine Majestät Eric Adams verlässt überstürzt sein Gemach und flüstert uns am Vorbeigehen noch zu, dass er jetzt erst mal da hin geht, wohin auch der Kaiser zu Fuß geht.

Nachdem sämtliche Blasen und Därme leer waren, servierte uns Eric Adams höchstpersönlich Kaffee (Mjam! Na Prost Mahlzeit... – O.V.). Er referierte beim Einschenken der schwarzen Brühe vor sich hin, dass er sehr gerne Kaffee trinke aber für gewöhnlich kein Bier. Außer wenn er sich in Deutschland aufhalte, denn da sei das Zeug einfach höllisch gut.

Das letzte MANOWAR-Album "Louder Than Hell" liegt ja bereits sechs Jahre zurück. Ich erdreistete mich also zu fragen, ob sich MANOWAR so etwas erlauben können, ob die Fans der Band sämtliche Handlungen ihrer Helden in Kauf nehmen würden.
"Nun, man kann nicht sagen, dass wir faul gewesen sind. Nach "Louder Than Hell" kamen immer mehr Wünsche von außen an uns heran, endlich eine Doppel-Livescheibe aufzunehmen. Also haben wir "Hell On Wheels" herausgebracht. Die hat zwar allen gefallen, aber natürlich fehlten dem einen diese Songs und dem anderen jene Songs. Also noch mal ein Doppel-Liveteil: "Hell On Stage". Natürlich durfte das entsprechende Video nicht fehlen, und erst recht nicht die DVD. Das alles hat teuflisch viel Zeit gekostet, weil wir den Fans das verdammt Beste bieten wollten, dass wir können. Wir haben bei sämtlichen Veröffentlichungen vor dem Zusammenstellen der Songs jedes verfluchte Tape aller Auftritte gehört und erst nach ewigen Diskussionen entscheiden, welcher Song in welchem der unzähligen Auftrittsorte am besten rübergekommen ist und es daher verdient hat, auf die Scheibe zu gelangen." Diese Rechtfertigung von Eric Adams dauerte bestimmt 10 Minuten und umfasste noch tonnenweise Re-Releases und Compilation-Scheiben. Er war aber nicht angepisst über die kritische Frage, sondern jetzt erst richtig in Fahrt. Wild umherfuchtelnd zählte der Sänger immer wieder vor, wie viel die Band in den letzten Jahren für die Fans doch gemacht hat. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist "Warriors Of The World" noch gar nicht veröffentlicht. Aber ich schwöre Dir, so wahr ich hier sitze, dass der Nachfolger in 11/2 Jahren herauskommt!"

MANOWAR sind von Beginn an immer eine der kompromissloses1ten, klischeebehaftetsten und pathetischsten Bands dieses Planten gewesen. Daher gibt es nur bedingt Einflüsse von außen, die die Kings Of Metal beim Schaffen eines neuen Albums zulassen.
"Das einzige, was mich da draußen wirklich beeinflusst, ist Jack Daniels (lacht). Nein, das war ein Witz. Wir schreiben Musik für unsere Fans, wir geben ihnen genau das, was sie wollen. Uns beeinflusst, was wir auf Tourneen erlebt haben, daraus schöpfen wir Ideen für neue Songs. ´Call To Arms´ oder ´Warriors Of The World´ sind wieder solche Hymnen für unsere Anhänger in der ganzen Welt.” Den Song ´Warriors Of The World´ haben MANOWAR sogar bei Stafan Raabs Blödelsendung TV TOTAL vorgestellt. Das Interview fand genau einen Tag vor dem Fernsehauftritt statt, weshalb es den Kollegen Klaner interessierte, ob Eric befürchtet, dass die Fernsehgeräte der Zuschauer während des Songs explodieren würden. "Ja, das wäre natürlich super", brüllt es aus dem mit Lederhose und Lederweste beschürzten Amerikaner heraus. Er fand es nur schade, dass er der deutschen Sprache nicht mächtig sei und damit den Klamauk Raabs nicht richtig verstehen könne. Überhaupt wären seiner Ansicht nach alle Amerikaner faul, was das Erlernen fremder Sprachen angehe. Faul im Umgang mit Hanteln scheint Eric Adams allerdings nicht zu sein. Der Umfang seiner Oberarme dürfte den von Tom Klaners Oberschenkeln einnehmen, wir sind also froh, dass der Warrior Of Steel gut aufgelegt ist (zumindest jetzt noch...).

Die Band könne bei Konzerten keine Rücksicht darauf nehmen, ob den Zuschauern wegen der Lautstärke ein Gehörschaden bleibt. Man sei eben die lauteste Band der Welt und jeder, der ein MANOWAR-Konzert besucht, sollte sich darüber im Klaren sein. Man wolle zwar niemanden bewusst körperlich verletzen, aber erst recht nicht riskieren, dass es auch nur einem einzigen Zuschauer zu leise gewesen wäre. Die Band selbst würde mit Ohrstöpseln spielen, Eric Adams hat zumindest ein Ohr zugestopft. Auch würden bei MANOWAR-Shows immer Ohrstöpsel für die Fans bereit liegen, falls es ihnen zu heftig wird. Aber Metal müsse man eben fühlen und nicht nur sehen. Nur wenn es laut ist, ist es gut, so Meister Adams.

Jetzt waren wir also so richtig schön im Klischee. Würde der Band denn ein Zacken aus der Krone fallen, wenn sie dieses Warrior-Image ablegen würde? Hat Eric Adams je daran gedacht, als ganz normaler Musiker aufzutreten?
"Nein, keine Sekunde lang habe ich daran gedacht, seit es MANOWAR gibt. Alle anderen sind ´normal´ und wir genießen es sehr, anders zu sein. Unser Warrior-Image ist ein Teil unseres Lebens geworden und die Fans wollen es und sind glücklich damit. Lass es mich so erklären: Wenn man ein Kind ist und heranwächst, hat man seine ersten Gefechte mit den Eltern zu bestehen. In der Schule geht der Kampf mit den Lehrern weiter, im Job dann mit dem Boss. Jeder Mensch auf dieser Welt hat jeden Tag und immerzu irgendwelche Kämpfe gegen die Obrigkeit. Jeder Mensch ist auf gewisse Weise also ein Warrior, der Kämpfe zu bestehen hat. Und wenn diese Menschen Abends nach Hause kommen und sich eine MANOWAR-Scheibe anhören, sich gedanklich in den Krieger auf dem Cover verwandeln, wird dieser Mensch kurzzeitig zum Helden. Unsere Massage ist also: Zeige Stärke! Sei ein Anführer! Glaube an dich! Sei kein Arschloch, sei ein Held!"

Man merkte Eric deutlich an, dass er hinter allem stand, was er uns da predigte. Er stimmte mit mir überein, dass MANOWAR nicht nur eine Band ist, die Heavy Metal spielt, sondern eine Art von Religion. Das wird besonders dann deutlich, wenn man die Heerscharen von Fans beobachtet, die ihre Helden in einen gottgleichen Status erhoben haben. Die beinharten Anhänger bezeichnen sich übrigens als ´Army Of Immortals´.

Eine Facette dieses Warrior- und Heldenimages besteht für Eric Adams darin, mit seiner Harley Davidson über die Highways zu streifen und damit Freiheit zu erleben. Dieser Spass hat aber ein jähes Ende, wenn einem der Bock unterwegs verreckt.
"Ob ich meine Maschine selbst wieder fit machen kann, wenn sie den Geist aufgibt? Nun, ich habe immer einen Werkzeugkoffer dabei und kleinere Dinge kann ich auch selbst reparieren. Es ist aber immer ratsam, Karl Logan für längere Touren mit dem Bike dabei zu haben. Er ist gelernter Mechaniker und er fährt auch echte Motorradrennen."

Das äußerst nette Gespräch mit Eric Adams dauerte etwa 40 Minuten. Würde man den gesamten Inhalt wiedergeben wollen, könnte man bestimmt 10 Seiten dieses Heftes damit füllen. Das Interview fand noch einen krönenden Abschluss, als sich Eric beim Signieren einiger CD-Cover Farbe des Stiftes auf die Lederhose kleckste. Wie von der Tarantel gestochen hüpfte er verzweifelt im Hotelzimmer umher, um den Fleck auf seiner Hose zu entfernen. Tom Klaner bot an, Eric solle den bösen Stift zur Bestrafung doch einfach aus dem Fenster werfen, doch hat Eric das in seiner Erregung gar nicht mehr mitbekommen. Wir wissen also nun, wo die Achillesferse des mächtigen Kriegers des Metal ist...