Interviews / Presse





Informationen
Titel: Scott 2002
Datum: Mai 2002
 
Text
Interview mit Scott Columbus
Herausgegeben von Metalupdate.com
Interviewer Jeffrey Schaefer
Herausgegeben im Mai 2002
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Am Tag ihrer kürzlich gegebenen Show in Worcester, MA, hatte ich das Privileg Manowars Schlagzeuger Scott Columbus zu interviewen. Ich habe ihn in seinem Hotel getroffen. Und ich muss zugeben, ich war ziemlich nervös. Hey, das ist schließlich Manowar! They’re the Kings of Metal! Nachdem ich fast eine Stunde mit Scott geredet hatte, begriff ich langsam, warum Manowar eine solch unglaubliche Verbindung zu ihren Fans hat. Er war sehr freundlich und es war angenehm mit ihm zu reden.
Scott mag ja zwar ein King sein, aber während wir über das neue Album „Warriors of the World“ und über das, was sie in den letzten sechs Jahren gemacht haben, redeten, stellte ich fest, dass er auch ein „normaler“ Mensch ist. Das Interview fing an, nachdem wir uns das Video „Warriors of the World United“ auf seinem Laptop angeschaut hatten.


Interviewer: Wird es Dir irgendwann zu viel, immer wieder das Video anzuschauen?



Scott: Nein, es ist immer noch frisch und aufregend für mich.



Interviewer: Empfindest Du das Selbe für das Album?



Scott: Absolut. Es ist witzig, wir haben als Band so lange damit gelebt, weil wir es schrieben, aufnahmen und nun kommt die Zeit – die lange Zeit – zwischen Fertigstellung und Veröffentlichung. Jetzt wird es produziert, hergestellt usw. Das kommt mir alles wie eine Ewigkeit vor, seit wir es aufgenommen haben, aber ja.



Interviewer: Wann habt Ihr es aufgenommen?



Scott: Wir haben ca. Mitte 2000 damit angefangen und waren Ende 2001 damit fertig. Selbstverständlich haben wir es dann in Belgien im Dezember gemixt und gemastert. So ist wieder zwischen Fertigstellung und Veröffentlichung viel Zeit vergangen. Zudem werden wir es auch auf Super Audio CD herausbringen.



Interviewer: Ja genau! Zu dem Punkt hätte ich eine Frage.



Scott: Das ist echt cool. Deshalb haben wir es teilweise bei den Galaxy Studios in Belgien gemixt. Unser Tontechniker, Ronald Prent, ist zudem verantwortlich bei R & D für Super Audio CD bei Sony und Phillips. Wir haben es ihnen unterbreitet und sie fanden es sagenhaft. Also wird unser Album das erste True Heavy Metal Album sein, welches auf Super Audio CD, was auch in 5.1 ist, erscheinen wird.



Interviewer: Was genau ist Super Audio?



Scott: Um nicht zu weit ins technische zu gehen, kann man sich das so vorstellen, dass sich die SACD wie die Master CD anhört. Da wird nichts unterdrückt. Es gibt keine Begrenzungen im Sound. Es ist eine identische Kopie der Master Aufnahme. Es geht nichts verloren. Sie besitzt das komplette dynamische Spektrum. Es ist ebenso in 5.1. Wenn du dir in letzter Zeit einen Film in 5.1 im Kino angeschaut hast, dann kennst du es ja, wenn der Sound aus allen Richtungen auf dich zukommt. Da gibt es eine besondere LFE Information und das ist ein besonderes Programm für die tiefen Töne. LFE steht für „ Low Frequency Effects“. Zudem gibt es fünf diskrete Programme. Zum Beispiel auf dem letzten Lied des Albums „Fight Until We Die“. Eric lässt einen Schrei und zwar zu fünf verschiedenen Zeiten. Dieser Schrei wird aus fünf verschiedenen Richtungen kommen, um dann letztendlich an einem Punkt zu landen. Und so haben wir diese Scheibe - mit dem Hintergrund von Digital Audio - aufgenommen.



Interviewer: Wird das ganze mehr kosten?



Scott: Ich glaube ein bisschen mehr, aber nicht viel. Aber du darfst nicht vergessen - und hier wird es wieder technisch - um die CD abspielen zu können, wirst du einen Super Audio CD Player benötigen und diese kosten etwas mehr. Und damit könnt ihr nun eure DVD Player, an Schwiegereltern, Verwandte oder Freunde verschenken und euch einen SAD Player kaufen. Dieser kann nämlich SAD CDs, DVDs, normale CDs und jegliche Art von Mini Disks abspielen. Es gibt natürlich verschiedene Modelle von billig bis teuer. Wenn du dir einen SA CD Player kaufst, dann kannst du alles abspielen.



Interviewer: Einen zu kaufen wird sich also lohnen nur um das neue Manowar Album zu hören!



Scott: Ich werde mir auf jeden Fall einen kaufen. (lacht) Ich habe schon nach einem geschaut.



Interviewer: Ich habe festgestellt, dass ihr viele Geheimnisse um das neue Album macht, z.B. das Promo was ich gerade erhalten habe, ist nur gebrannt. Wollt ihr den Deckel dermaßen drauf lassen?



Scott: Ja, irgendwie schon. Wir wollen, dass es ganz groß rauskommt, als Überraschung, damit es mit voller Wucht einschlägt. Ich denke, das ist der beste Weg. Warte nur, bis du das Original mit dem geilen digitalen Sound in Händen hältst. Das Artwork hast du wohl auch noch nicht gesehen, oder?



Interviewer: Auf der Website schon.



Scott: Das komplette Artwork?



Interviewer: Ja, es ist doch fertig, richtig? Ich weiß, dass ihr es Stück für Stück gemacht habt.



Scott: Richtig, so haben wir’s gemacht. Stück für Stück, um euch ein bisschen zu ärgern. Das macht doch Spaß! Hast du die CD schon gehört?



Interviewer: Na klar, die habe ich mir schon oft angehört. Deshalb auch meine nächste Frage. Hatte der 11. September irgendwelchen Einfluss auf das Songwriting?



Scott: Jeff, es ist eigentlich nur ein Zufall, denn wir hatten „Fight for Freedom“ schon geschrieben und die ganzen rohe Tracks schon vor den Geschehnissen am 11. September aufgenommen. Natürlich als es geschah...was das Lied über den Kampf für Freiheit aussagte - man müsse für die Freiheit Opfer bringen...da waren dann schon Parallele da. Deshalb haben wir das Lied den Familien und den Beteiligten des 11. Septembers gewidmet. „Fight for Freedom“ wurde also nicht deshalb geschrieben.



Interviewer: Das ist cool. Bei dem Lied musste ich natürlich daran denken. Auch das Cover, der hält ja tatsächlich eine amerikanische Fahne.



Scott: Das wurde vor den Geschehnissen festgelegt. Es ist reiner Zufall, sonst nichts.



Interviewer: Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie lange zuvor ihr die Lieder geschrieben hattet, weil doch ziemlich viel Zeit vergeht bis ein Album erscheint, nach dem es „fertigt“ gestellt wurde.



Scott: Witzig, dass du das erwähnst. Nach der ganzen Scheiße am 11. September dachte ich mir: „Mensch, die Leute werden bestimmt denken, dass wir die Lieder aufgrund dessen geschrieben haben.“ Sogar the American Trilogy geht in die Richtung – eine patriotische Botschaft – aber alles Zufall, Jeff.



Interviewer: Eigentlich wollte ich dich gerade wegen American Trilogy befragen. Was gab euch den Impuls das zu machen?



Scott: Wir sind ja schon seit einer Weile präsent, haben aber noch nie irgendwas von einer anderen Band aufgenommen. Live haben wir allerdings von Zeit zu Zeit schon mal was gecovered. So wie sich das Album entwickelt hat, dachten wir, dass es hierfür sehr geeignet wäre. Nach dem wir einige Lieder geschrieben hatten und hörten in welche Richtung das Album fließen würde, dachten wir uns, dass dieses Stück gut rein passen würde. Es hat perfekt gepasst. Auf der „Louder than Hell“ hätte es dagegen gar nicht gepasst. Wir spielten schon seit Jahren mit den Gedanken: a) eine Coverversion aufzunehmen und b) ein bestimmtes Lied von Elvis. Er hat es nicht geschrieben, aber er sang es als Zugabe zum Ende seiner Karriere hin. Wir sind schon lange Fans von Elvis. Er war ein Pionier des Rock n’ Roll.



Interviewer: Er ist der „King of Rock n’ Roll. Ihr seid „The Kings of Metal“.



Scott: Na also, da hast du’s! Gut gesagt! Weißt du, er hat sich einen Dreck darum geschert, was man über ihn sagte. Als er am Anfang nur von der Hüfte an aufwärts gefilmt wurde, da seine Bewegungen nicht ganz koscher waren, hat ihn das einen Scheißdreck gekümmert. Er tat es trotzdem. Er hat eigentlich sein Leben so gelebt und seine Musik so gespielt, wie er wollte. Und das ist eigentlich die Philosophie von Manowar. Wir wollten dies echt schon lange tun und nun war es die richtige Zeit dafür.



Interviewer: Ich glaube auch, dass es passt, da dieses Album eine große Auswahl an Musik aufweist. Wie z. B. das Stück von Puccini.



Scott: Richtig. „Nessun Dorma“. Wir hatten das schon 1999 für das Gods of Metal Festival in Mailand, Italien, arrangiert. Als wir es live spielten, war die Reaktion des Publikums überwältigend. Die Gesichter der Fans – mit offenen Mündern standen sie da. Sie konnten es nicht glauben, dass eine Heavy Metal Band a) eine Oper spielt und b) auch noch „Nessun Dorma“ – die Reaktion war so unglaublich - echt sehr emotional. Hey, ich meine, da gab es Leute, die ganz hinten standen, die ihre Handys hoch hielten und tränen in den Augen hatten. Die waren so bewegt, da sagten wir uns, komm wir nehmen das Stück auf ein Studioalbum auf.



Interviewer: Wie seid ihr genau auf dieses Stück gekommen?



Scott: a) es ist ein wunderschönes Stück und b) es ist ein sehr bekanntes klassisches Stück. Es ist sehr passend.



Interviewer: Ich denke, dass es ein super Stück für Eric ist. Er kann endlich mal zeigen – damit angeben – dass er mehr als Metal singen kann.



Scott: Das ist der andere Grund warum wir es getan haben. Wie viele Metal Bands könnten solche Geschichten wie „American Trilogy“ und „Nessun Dorma“ durchziehen. Du brauchst auf jeden Fall einen Sänger, der singen kann und das ist heutzutage nicht immer einfach.



Interviewer: Es demonstriert seine Vielfältigkeit.



Scott: Yeah, ich meine er hat schon Lieder auf Französisch und Deutsch gesungen. Jetzt kommt Italienisch. Und danach, wer weiß, vielleicht Spanisch!



Interviewer: Wie weit reicht Erics Stimme? Ich habe gehört er soll zwischen 4 – 6 Oktaven singen können...



Scott: Seine Stimme ist unglaublich. Ich kann’s dir nicht genau sagen, aber die Reichweite ist echt groß. Er ist sehr flexibel und ein klasse Front Man.



Interviewer: Ist es schwierig für euch einerseits in Europa auf Nuclear Blast, andererseits auf Metal Blade in Amerika zu sein?



Scott: Nein, es macht Spaß, weil beide Firmen Manowar kennen und wissen, dass wir wissen was wir tun. Es ist viel besser, als wenn du bei einer großen Firma bist, die sagt: „Also Männer, glaubt ihr nicht, es wäre an der Zeit die Lederklamotten abzulegen?“ oder „Glaubt ihr nicht es wäre an der Zeit auf Fotos zu lachen?“ Weißt du, was ich meine? Und zum Teufel, dass haben wir doch schon dutzende Male hinter uns. Es ist erfrischend bei einer Firma zu sein, die uns im Großen und Ganzen das machen lässt, was wir wollen. Es ist eine großartige Beziehung.



Interviewer: wie schafft ihr es nach 20 Jahren, die Geschichte immer noch frisch zu halten?



Scott: Du musst immer wachsam sein und wissen wohin du gehen willst. Du musst dir bewusst sein, dass du eine Scheibe machen musst, die einen logischen Schritt vorwärts macht – nicht rück- oder seitwärts. Das Werk muss besser sein als das Vorige – mit diesem Gedanken gehen wir an die Arbeit. Wir erhalten mega viel Input und werden sehr von unseren Fans beeinflusst. Es gibt sehr viel Inspiration, dass uns frisch hält.



Interviewer: Warum ist zwischen den beiden Studioalben so viel Zeit verstrichen?



Scott: Also, 1996 kam „Louder Than Hell“ raus und danach haben wir Non-Stopp getourt. Wir haben komplett digitales Equipment und eine Video Crew mit auf Tour genommen. Die Fans schrieen nach einer offiziellen Manowar Live Platte. Zum Teufel, es gibt so viele Bootlegs, es war einfach an der Zeit ihnen Qualität zu liefern – so sind wir eben. Die Fans wollten ein Live Album und so haben wir „Hell on Wheels“ in 1997 herausgebracht. Und seltsamer Weise, da wir ja schon acht Studioalben herausgebracht hatten, gab es viele Fans usw., die gesagt haben, dass die Live DCD großartig wäre, aber sie vermissten Lieder wie „Guyana“ oder sonst was und so haben wir uns sofort an die Arbeit gemacht um eine zweite DCD herauszubringen.



Interviewer: Ich bin sehr froh darüber, weil „Hell On Stage“, dass Lied „The Warriors Prayer“ enthält. Die Menge kannte den Text auswendig. Es war gigantisch. Es muss doch ein großartiges Gefühl gewesen sein?



Scott: Es ist unglaublich – wirklich. Wir haben sehr viel Inspiration von den Fans erhalten. Briefe von ihnen, sie auf den Konzerten gesehen, Emails und Tätowierungen – Ganzkörper Tattoos – echt unglaublich. So haben wir in der Zeit drei Studioalben und zwei Doppel Live CDs herausgebracht. Zu dem haben wir dann „Hell On Earth“ herausgebracht, welches Manowar auf Tour zeigt, mit all dem verrückten Zeugs was hinter den Kulissen abgeht, auf dem Bus, in Plattenläden. Und natürlich enthält es Livetracks. So ist Hell On Earth Part 1 in Form einer DVD bzw. einer VHS-Kassette auf den Markt gekommen und Part 2 und 3 wurden ebenfalls in dieser Zeit produziert. Ich denke, dass die beiden Teile zum Ende des Jahres herausgebracht werden. Wir haben unsere Archive beisammen. Wir haben einen riesigen Asservatenraum voll mit Banner von den Fans, Poster, Fotos, Fotoalben, Dias, Videos, Plektren, Schlagzeugstöcke und alten Kostüme. Wir haben das ganze Zeugs zusammengetragen und organisiert. Wie ein Redakteur mal zu mir gesagt hat: „Manowar sind die größten Sammler, die ich je gesehen habe!“. Ich fragte ihn: „Ist das schlecht?“ Er sagte: „Nein, es ist fucking grandios! Ich habe mal ein Interview mit einem gemacht und er hatte sich gewünscht, dass er ein Foto von sich aus der damaligen Zeit gehabt hätte. Und ihr dagegen habt einfach alles.“ Was ich damit sagen will, ist, dass wir das ganze Material aufgelistet und abgespeichert haben und es für uns jeder Zeit zur Verfügung steht. Du kannst ein Foto von Ross the Boss im Jahre 1986 finden. Es wurde echt alles archiviert und die Daten gesichert und das hat uns wahnsinnig dabei geholfen, als wir die ersten drei Alben, „Battle Hymns“, Into Glory Ride“ und Hail to England“ remasterten, remixten und schließlich wiederveröffentlichten. Hierbei wurde der Sound verbessert, wir haben Liner Notes, Fotos und einfach Material der jeweiligen Aufnahme betreffend dazugelegt. Also, haben wir die drei Alben wiederveröffentlicht, haben unsere Website mehr oder weniger auf eine Seite geknallt, komplett durchorganisiert, und das alles Anfang 2000. Wir haben unser eigenes Platten Label gegründet: Magic Circle Music. Das alles haben wir in der Zeit zwischen der letzten Show der „Louder Than Hell“ Tour in Moskau in 1999 bis jetzt erreicht. Wir haben Magic Circle Music gegründet, um Bands zu finden und ihnen dabei zu helfen, ein Album herauszubringen, ohne den ganzen „Bullshit“ einer Plattenfirma. Ohne ihnen zu sagen, dass sie sich „so oder so kleiden sollen“, „davon müsst ihr Bilder machen“ oder vielleicht „das Lied ist zu lang“. Wir geben ihnen komplette künstlerische Freiheit und fördern sie auf ihrem Weg. Die erste Aufnahme einer Gruppe ist gerade erst auf Magic Circle erschienen: Bludgeon, eine Band aus Chicago. Sie haben schon mehrere Shows auf dieser Tour mit uns gespielt. Da wir sie produziert haben, war auch Joey der Master Produzent. Ich bin raus gegangen und habe ihnen mit dem Drum Sound und so Zeugs geholfen. Der frühere Manowar Gitarrist David Shankle ist kurz davor ein Projekt abzuschließen. Rhino – er spielte auf der „Triumph of Steel“ – ist ebenfalls fast mit seinem Projekt fertig und es sollte in naher Zukunft veröffentlicht werden. Er hat tatsächlich eine Heavy Metal Rock Oper geschrieben.



Interviewer: Hat er tatsächlich sein Schlagzeug verbrannt, als er zu Manowar kam?



Scott: Jawohl, sein altes Schlagzeug, richtig?



Interviewer: Ja.



Scott: All diese Dinge liefen über die Bühne. Und Anfang 2000 haben wir dann noch das ultimative digitale Aufnahmestudio in New York fertig gestellt, wo wir das neueste Album aufgenommen haben. Das war ein langer und mühsamer Prozess, da man das ganze digitale Equipment und die Lautsprecher digital mit einer digitalen Uhr einstellen musste. Alles ist Computer gesteuert und es dauerte seine Zeit bis alles funktionierte und wir das richtige System und die richtige Kombination von Equipment hatten, so dass alles Hand in Hand sauber gearbeitet und aufeinander abgestimmt war. Wenn du auf Aufnahme („rec“) drückst, dann willst du einfach, dass es funktioniert und nicht, dass alles in die Luft fliegt.



Interviewer: Wie lange hat es gedauert bis das Studio funktioniert hat?



Scott: Ich würde sagen so gute sechs Monate. Wir haben ja schließlich mit nichts angefangen. Wir haben es in Joeys Keller gebaut, so dass er nun keinen Keller mehr hat (lacht). Er hat halt jetzt ein Studio im Keller. Es war so mühsam, dass wir auf der Türe ein Schild angebracht haben, auf dem ein Wort steht: „Hell“. Ehrlich, du gehst da runter und du bist in der Hölle.



Interviewer: Wie hat sich Manowar in den letzten 20 Jahren verändert? Was hat sich verändert? Was ist gleich geblieben?



Scott: Verändert? Ich möchte behaupten, dass wir bessere Aufnahmen machen. Ich meine was den Sound betrifft. Ich glaube wenn du irgendwas Älteres auflegst und dann „Warriors of the World“, wirst du einen großen Unterschied hören. Viele Bands wollen an der alten Technologie festhalten, sie wollen alte Methoden zum aufnehmen benutzen, analog gegen digital – einfach nicht mit der Zeit gehen. Wir wollten immer das Neueste haben, immer einen Schritt voraus sein. Immer auch den schnellsten und effizientesten Weg nehmen. Und wie wir uns nicht verändert haben? Ich glaube wir schreiben immer noch Musik mit dem Herzen. Wir hören wirklich auf das, was unsere Fans sagen. Wir haben uns – so zu sagen – nicht selbst ausverkauft. Wir bleiben dem was wir tun treu und das ist wahrscheinlich auch ein guter Grund dafür, dass es uns noch gibt. Wir haben nicht versucht Grunge zu spielen. Wir haben nicht unsere Haare geschnitten. Wir sagen: fuck it! Wir tun das was wir tun, egal was jemand anderes denkt, außer unseren Fans.



Interviewer: Ja, ich glaube mir fällt keine andere Band ein, die so eine großartige Beziehung zu seinen Fans hat. Die Fans von Manowar lieben Manowar. Wie bei einer Show in Haverhill. Ich saß da und während die andere Bands spielten, schrie dieser Typ: „Alle Bands, die nicht Manowar sind, sind scheiße!“ Und das bringt es eigentlich auf den Punkt.



Scott: Wie wahr. Es ist unglaublich! Du schaust auf unsere Website und du siehst all die Tätowierungen. In Los Angeles – ich habe ein Foto dabei (auf seinem Laptop) – ich mache sehr viele Bilder mit meiner Digitalkamera – kam ein Fan auf mich zu, der hatte eins komplett über den ganzen Rücken von Schulter zu Schulter, von seinem Hals bis zu seinem Rückenansatz. Der ganze Rücken war voll mit Manowar Kunst. Vorne hatte er auch noch ein Tattoo. Schau es dir auf der Website an. Wenn wir mal zwei Sekunden zu Hause Zeit haben, werden wir es auf der Fanseite einstellen. Gestern Nacht in Cleveland sprachen uns Typen an: „Hey, ihr seid echt die absolut Coolsten!“ Und dann nachmittags. „Wir sind von Detroit gekommen. Wir haben euch in Detroit gesehen und sind dann hierher gefahren. Es ist die längste Fahrt, die ich je für ein Konzert unternommen habe, aber fuck it, wir sind hier!“ Er sagt: „Komm, schau dir das mal an.“ Ich war auf dem Parkplatz und er zeigte mir die hintere Seite seines Trucks: Manowar. Detroit. Das habe ich auch fotografiert: auf seinem Nummerschild stand: Manowar.



Interviewer: Warum glaubst du, dass Manowar im Ausland ein so hohes Ansehen genießt? Wie es scheint weit mehr, als andere Heavy Metal Bands.



Scott: Ja, es scheint so. Ich weiß nicht… Ich denke die Fans in Europa sind mehr „Alte Schule“ und Hardcore. Was ich damit sagen will, ist, dass wenn sie sich eine Lieblingsband raus suchen, dann sind sie dieser auch loyal gegenüber. Sie lassen sich davon nicht abkriegen und bleiben deren Fans auf ewig. Es ist eine sehr harte, loyale Art der Hingabe. Ich will nicht sagen, dass es in Amerika so etwas gar nicht gibt, es ist nur nicht so weit verbreitet. Ich meine, es kann schon sein, dass sich hier die Fans von MTV oder VH1 beeinflussen lassen und in Europa ist es einfach so: einmal Heavy Metal, für immer Heavy Metal. Wenn die Fans Manowar geil finden, dann finden sie Manowar geil. Punkt. Es interessiert sie einen Scheißdreck was im Fernsehen oder Radio läuft. In Amerika scheinen die Menschen sich mehr von den Medien beeinflussen zu lassen.



Interviewer: Wann war das letzte Mal, als Manowar nicht als Headliner spielte?



Scott: (Pause) Das ist eine gute Frage! Eine sehr gute Frage. Darüber muss ich nachdenken. Es ist wohl eine sehr lange Zeit her, Jeff.



Interviewer: Ich war nur neugierig.



Scott: Nein, es ist wirklich eine gute Frage.



Interviewer: Ich konnte mir einfach keine Band vorstellen, bei denen ihr im Vorprogramm spielen würdet. Deshalb habe ich mich gefragt, wann wohl das letzte Mal gewesen war…



Scott: Lass mich dir mal was sagen, die meisten Bands wollen gar nicht, dass wir in ihrem Vorprogramm spielen. Ernsthaft. Zu dieser Frage muss ich später noch mal zurückkommen. Es ist echt schon lange her. Ah, warte mal…in den späten Neunzigern waren wir auf einem Festival die Vorband von Rammstein – eine sehr gute Band, wohl gemerkt. Ich glaube das war das letzte Mal an dem ich mich erinnern kann.



Interviewer: Habt ihr irgendwo noch nicht gespielt, wo ihr gerne noch auftreten möchtet?



Scott: Sicher. Das gibt es schon so kleine Ecken. Es gibt Länder überall auf der Welt, die ein Verlangen nach Heavy Metal und besonders nach Manowar haben. Die Fahnen, die auf der neuen Scheibe zu sehen sind - in den Ländern haben wir schon gespielt und, die die du nicht siehst, da wollen wir noch spielen. Übrigens, hat die Band während der „Triumph of Steel Tour“ in Japan gespielt. Da war ich allerdings nicht in der Band, aber Japan ist ein großer Brocken. Vielleicht mal China oder Korea. Morgen gehen wir nach Kanada. Ich glaube da haben wir schon mal gespielt, oder doch nicht. Das wird ein neues Abenteuer werden. Morgen Abend spielen wir in Montreal.



Interviewer: Kannst du mir was über dein Schlagzeug erzählen?



Scott: Ich bin einer der ersten, wenn nicht der Erste überhaupt, der im Heavy Metal „triggert“. Du hast ein Sound Modul und du steckst ein „Trigger“ (Auslöser) an deine Drums. Wenn du auf sie schlägst, dann sendet der Trigger ein Signal an das Sound Modul. Wir wollten schon immer den klarsten Killer Sound vom Schlagzeug herausholen. Ich habe damit schon seit 1986 gearbeitet, als es noch in den Kinderschuhen steckte, aber inzwischen ist es sehr gereift und verfeinert worden. Um nicht zu technisch zu werden: mein Schlagzeug hat interne Trigger und die lösen ein paar spezifische Sound Module aus, die eigens für uns gemacht worden sind und diese Sounds hört ihr z. B. auf der neuen Scheibe. Also, hörst du live eigentlich die gleichen Sounds wie auf Platte. Zu dem, bei einer Band, die live so dermaßen laut spielt – ich sage dir, die Lautstärke auf der Bühne ist unglaublich. Viele Bands haben zwar eine Wand voller Marshalls, aber es wird nur ein Verstärker eingeschaltet bzw. das Ganze wird nur mit einem Mikro abgenommen. Nicht wir. Bei uns ist immer alles an und das verursacht einen mega Wirbelwind von Sound auf der Bühne. Ich rede jetzt nicht von der PA, sondern vom Sound auf der Bühne. Wenn du einen Bühnen Sound hast, der sehr laut ist, ist es sehr schwierig das Schlagzeug mit Mikro abzunehmen. Überall sickert der Sound durch und es kommt zu Rückkopplungen. Du musst sehr vorsichtig sein und deshalb haben wir nach anderen Möglichkeiten gesucht. We’re just so fucking loud!



Interviewer: Habt ihr immer noch den Rekord für die lauteste Band der Welt inne?



Scott: Ich glaube schon. Yeah.



Interviewer: Viele Lieder handeln über die Feinde des Metal. Wer sind diese Feinde des Metal?



Scott: Es ist mehr eine Verallgemeinerung, die Fans wissen welche Bands gemeint sind. Wenn du drei verschiedene Menschen fragen würdest, dann würdest du vermutlich drei verschiedene Antworten erhalten. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, geht es um die Bands, die sagen sie wären Heavy Metal oder sich so darstellen, ohne es zu sein. So Zeugs wie Rap in Ton D gestimmte Gitarren gespielt, das ist nicht Heavy Metal, verstehst du was ich meine? Du kannst dir im Großen und Ganzen selber raus suchen wer die False Metal Bands sind.



Interviewer: Ich bin mit einem Freund aufgewachsen, der mal eine echt schwere Zeit hatte – du hast zwar nicht auf diesem Album mitgespielt – und immer wenn er total down war, hörte er sich „Master of the Wind“ an…



Scott: Great Track…Großartiges Lied.



Interviewer: Es machte ihn glücklich und er schaffte es weiter zu machen, trotz harte Zeiten hat ihn Manowar wieder auf die Beine geholfen. Er war echt am Arsch – ich weiß es. Mich würde interessieren was du zu ihm oder anderen Fans zu sagen hast, die von Manowar „berührt“ worden sind.



Scott: Das ist eigentlich die tiefere Botschaft unserer Musik: lass dich von nichts unterkriegen. Habe einen starken Geist, behalte einen klaren Kopf und wisse, dass woran du mit deinem Herzen glaubst, ehrlich ist. Lass dich von niemanden und nichts davon abbringen. Folge deinem Herzen und du wirst jede Schlacht in deinem Leben gewinnen. Sei ehrlich zu dir selbst und du wirst stets siegreich sein.



Interviewer: Ich habe mir schon überlegt, was ihr wohl in eurer Freizeit macht oder es gibt für euch Manowar 24 stundenlang am Tag?



Scott: Born to rock, drink and fuck. Das bringt es eigentlich auf den Punkt. Wir heizen auf unseren Harleys herum und haben einfach eine geile Zeit. Wir alle haben mehr oder weniger gute Tonstudios zu Hause und schreiben ständig irgendwelche Lieder für Manowar oder nur um uns selbst zu verbessern. Es führt alles entlang demselben Weg.



Interviewer: Sind einige von euch verheiratet?



Scott: Wir sind mit dem Heavy Metal verheiratet.



Interviewer: Kann es was Besseres geben? Was für Bikes habt ihr denn?



Scott: Wir haben alle Harleys. Softtails.



Interviewer: Meine letzte Frage an dich: Wie lange glaubst du wird es Manowar geben? Könnte eine Zeit kommen, wo du einfach sagst: „Ich glaube wir haben die Sache so lange wie möglich durchgezogen, vielleicht wäre es nun an der Zeit was Neues zu machen?“



Scott: Wer wird morgen die Lotterie gewinnen? Wer wird 2004 Weltmeister. Das ist schwer zu sagen. Wir sehen kein Ende in Sicht und glücklicher Weise gerade jetzt, wo ein solches Album wie „Warriors of the World“ entstanden ist…sehen wir die Geschichte als zeitlos an.